Heute Abend nach US-Börsenschluss legt Dell die Zahlen zum zweiten Quartal (endete 31. Juli) vor. Erwartet wird rund die Hälfte mehr Umsatz – entschieden wird trotzdem an einer anderen Zeile. Seit Jahresanfang konnte die Aktie rund 250 Prozent zulegen.
Was die Wall Street erwartet
Der Konsens rechnet mit 44,48 bis 45,10 Milliarden Dollar Umsatz und 4,91 bis 4,93 Dollar bereinigtem Gewinn je Aktie; Dell selbst stellte 44 bis 45 Milliarden und 4,8 Dollar in Aussicht. Im Vorjahr standen 29,78 Milliarden und 2,32 Dollar zu Buche – erwartet werden also rund 50 Prozent mehr Umsatz und mehr als der doppelte Gewinn.
Im Q1 stieg der Umsatz um 88 Prozent auf 43,84 Milliarden Dollar. Treiber ist eine einzige Zeile: KI-optimierte Server kamen auf 16,13 Milliarden Dollar nach 1,88 Milliarden im Vorjahr.
Die bereinigte Bruttomarge fiel im selben Zeitraum von 21,6 auf 18,1 Prozent. Dass die operative Marge dennoch von 7,1 auf 9,7 Prozent stieg, liegt am Nenner: Die bereinigten Betriebskosten wuchsen um neun Prozent, der Umsatz verdoppelte sich nahezu – ihre Quote fiel von 14,5 auf 8,4 Prozent des Umsatzes. Dell verdient an der Fixkostendegression, nicht am KI-Rack. Zugleich stiegen die Vorräte in drei Monaten um 44 Prozent, und der Konzern warnt vor Engpässen bei DRAM, NAND und Prozessoren – Speicherpreise treffen ihn im Server wie im PC.
Super Micro: Der Blick zum Wettbewerber
Der Konkurrent steigerte im Quartal bis Ende Juni den Umsatz um 91 Prozent und die bereinigte Bruttomarge von 9,6 auf 17,6 Prozent. Beide wachsen fast gleich schnell, die Margen laufen aufeinander zu: Super Micro nach oben, Dell nach unten – ein Branchenzyklus, kein Dell-Vorteil.
Die Auslöser in beide Richtungen
Was die Aktie tragen würde:
Eine erneute Anhebung der Jahresprognose bei stabiler ISG-Marge (Infrastructure Solutions Group, das Rechenzentrumsgeschäft) von über 10,5 Prozent – und ein KI-Auftragseingang, der wie im Q1 über dem verbuchten Umsatz liegt und den Bestand von zuletzt 51,3 Milliarden Dollar weiter aufbaut.
Was sie kippen würde:
Eine Bruttomarge unter 18 Prozent bei nur bestätigter Prognose – die Ansage, dass Dell Volumen gegen Marge tauscht. Dazu weiterer Vorratsaufbau ohne passenden Auftragseingang oder eine bezifferte Speicherpreis-Belastung fürs zweite Halbjahr.
Der Optionsmarkt preist rund 11,4 Prozent in beide Richtungen ein. Bezogen auf den Schlusskurs vom Montag von 456 Dollar sind das etwa 52 Dollar – oder eine Spanne von grob 404 bis 508 Dollar.
Dell wächst rasant und verliert dabei Marge, während der Wettbewerber die seine gerade steigert. Die Frage ist nicht, ob Dell liefert, sondern zu welchem Preis. Vier Punkte entscheiden: die bereinigte Bruttomarge (Schwelle 18 Prozent), die ISG-Marge (10,5 Prozent), der KI-Auftragseingang (Q1: 24,4 Milliarden Dollar) und eine erneute Prognoseanhebung. Der Umsatz ist die Schlagzeile, die ISG-Marge ist die Nachricht.
DER AKTIONÄR hat eine laufende Empfehlung für Dell mit Kursziel 500 Euro und einen Stopp bei 320 Euro.
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