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22.09.2020 Michael Schröder

Grenke: Erholung läuft, aber...

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Grenke

Leasingspezialist Grenke ist ins Fadenkreuz von Leerverkäufern geraten. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zwar als unbegründet zurück. Doch die Verunsicherung der Anleger ist – auch dank des dramatischen Absturzes des inzwischen insolventen Zahlungsabwicklers Wirecard – groß. Mittlerweile konnte sich die Grenke-Aktie zwar stabilisieren. Der Kurs notiert aber noch immer rund 35 Prozent unter dem Niveau von vor der Short-Attacke.

Die Vorwürfe von Fraser Perring und seinem Team von Viceroy Research lauten auf angeblichen Betrug, Bilanzfälschung und Geldwäsche. Das garnierte der Brite mit Kritik am Geschäftsmodell und der Unternehmensführung. Grenke wies die Vorwürfe mehrfach vehement zurück und will sie unter anderem durch ein Sondergutachten aus der Welt schaffen.

Auf ihrer Internetseite verteidigt Viceroy Research ihr Tun mit dem angeblichen öffentlichen Interesse, räumt aber auch unverblümt ein, dass sie selbst von fallenden Aktienkursen durch eigene Positionen profitieren könnte. Der 64 Seiten lange Bericht zu Grenke spiegele die Meinung der Autoren wider. Er sei aber Ergebnis einer fundierten Recherche, gespeist aus angeblich offiziellen und verlässlichen Informationsquellen.

Die Liste der Anschuldigungen ist lang. Grenke selbst konterte vor dem Wochenende und wies sämtliche Vorwürfe und Anschuldigungen als unbegründet zurück. Ein Sondergutachten soll zusätzliche Klarheit bringen. Am Montag legte die Gesellschaft nach: So prüft der Leasingspezialist nun die Integration seines stark kritisierten Franchisesystems in den Konzern. Wolfgang Grenke, bis dato stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, biete dabei die Übernahme der von der Gesellschaft CTP gehaltenen Beteiligungen an den Franchisegesellschaften an. Den möglichen Erwerb will der Konzern von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft prüfen lassen. Ebenso sollen Franchise-Übernahmen der Vergangenheit durchleuchtet werden. Zudem will Wolfgang Grenke wegen möglicher Interessenkonflikte sein Aufsichtsmandat ruhen lassen, bis die Vorwürfe ausgeräumt sind. Die Familie Grenke bekannte sich unterdessen zu dem Unternehmen und will ihr Aktienpaket von 40,84 Prozent langfristig halten.

Abseits der Short-Attacke leidet Grenke im laufenden Jahr unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Zahlungsausfälle und eine höhere Risikovorsorge ließen den Gewinn in den ersten beiden Quartalen einbrechen. Der Anteil risikobehafteter und von Zahlungsausfällen bedrohter Verträge hat dem Vernehmen nach zugenommen. Experten sehen dies als einen Schwachpunkt des Unternehmens. Im Vorjahr erwirtschaftete der Konzern einen Gewinn von 142 Millionen Euro. 2020 sollten es nach ursprünglichen Planungen noch mehr sein, doch Corona macht Grenke hier vermutlich einen Strich durch die Rechnung. Bereits im April strich Vorstandschefin Antje Leminsky die Jahresziele. Im Juni sprach sie immerhin von einer Belebung der Geschäfte.

Grenke muss weiter alles dransetzen, noch mehr Licht in die komplexe Bilanz und Unternehmensstruktur zu bringen und verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen – bei den Investoren, den Gläubigen und bei der Ratingagentur Standard & Poor's, denn mehr als die Hälfte der Grenke-Bilanz ist durch erstrangige Anleihen ohne Sicherheit finanziert.

Grenke (WKN: A161N3)

Die Aktie dürfte sich vorerst weiter volatil zeigen. Die Vergangenheit zeigt: Selbst wenn an Vorwürfen nichts dran ist, dauert es in der Regel sehr lange, bis das Anlegervertrauen in ein attackiertes Unternehmen zurückkehrt. Die Grenke-Aktie stand vor der Short-Attacke nicht auf der Empfehlungsliste des AKTIONÄR und sie steht auch nach dem Kurseinbruch nicht darauf.

(Mit Material von dpa-AFX)