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ZEW‑Index: Zwei Zahlen, zwei Botschaften – das zählt heute für den DAX

ZEW‑Index: Zwei Zahlen, zwei Botschaften – das zählt heute für den DAX
Foto: Bartolomiej Pietrzyk/Shutterstock
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Ingo Nix Heute, 12:02 Ingo Nix
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Der Frühindikator verfehlt den Konsens deutlich – die Einschätzung der aktuellen Lage dagegen springt um 14,0 Punkte nach oben. Am Nachmittag liefert der Empire State Manufacturing Index den nächsten Impuls.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sind in der Umfrage vom September auf 34,7 Punkte gestiegen, nach 34,2 Zählern im August. Das teilte das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mit. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten mit 40 Punkten gerechnet – das Plus von 0,5 Zählern bleibt damit klar hinter dem Konsens zurück. Deutlich freundlicher liest sich der zweite Teil der Umfrage: Der Lageindikator kletterte um 14 Punkte auf -47,1 Punkte und übertraf die Prognose von -52,0 Punkten ebenso deutlich. Trotz der kräftigen Erhöhung notiert er weiter tief unter der Nulllinie und signalisiert eine angespannte wirtschaftliche Situation.

  • Erwartungen: 34,7 Punkte nach 34,2 im August – Konsens lag bei 40 Punkten.
  • Lage: -47,1 Punkte nach -61,1 – ein Sprung um 14 Zähler und besser als die erwarteten -52 Punkte.
  • Nächster Taktgeber: Empire State Manufacturing Index um 14:30 Uhr, Prognose 14,75 nach 20,6 Punkten.

Gegenläufig entwickelt sich das Bild für die Eurozone. Dort fallen die Erwartungen um 5,6 auf 25,8 Punkte, während sich der Lageindikator um 7,6 auf -13,9 Punkte verbessert. Im Branchenvergleich bleibt das Bild stabil, aber gemischt: Die Versicherungsbranche profitiert vom Zinsumfeld, ihr Saldo verbessert sich um 12,1 auf 46,4 Punkte. Der Bankensektor legt um 8,2 auf 52,9 Punkte zu. Die Industrie kommt dagegen nicht geschlossen aus der Defensive.

„Die ZEW-Konjunkturerwartungen bleiben stabil“, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach die Umfrage. Die Fachleute seien vorsichtig optimistisch, die Erholung bleibe fiskalgetrieben und werde von zusätzlichen Exportimpulsen gestützt. Als Risiken nennt Wambach teure Energie infolge des anhaltenden Irankriegs sowie die Verunsicherung durch hybride Angriffe.

ZEW-Index: Darum ist er für die Kursentwicklung wichtig

Der ZEW-Index misst keine harten Auftragsbücher, sondern die Erwartungshaltung von Finanzmarktexperten auf Sicht von sechs Monaten. Genau deshalb reagieren Aktienmärkte auf ihn: Er läuft dem Ifo-Geschäftsklimaindex und der Industrieproduktion voraus. Für die Kursentwicklung zählt in dieser Umfrage aber vor allem die zweite Zahl. Denn dass die Erwartungen auf hohem Niveau seitwärts laufen, ist nach dem Anstieg der vergangenen Monate wenig überraschend. Dass der Lageindikator zum wiederholten Mal kräftig anzieht, zeigt dagegen, dass die tatsächliche Aktivität langsam zu den Erwartungen aufschließt. Das ist der Teil der Umfrage, der am Ende in den Gewinnschätzungen für die Zykliker landet.

DAX (WKN: 846900)

Empire State: Der Blick auf den Nachmittag

Um 14:30 Uhr folgt der Empire State Manufacturing Index der New York Fed – der erste regionale Stimmungsindikator für den laufenden Monat und damit ein Vorlauf für den ISM-Einkaufsmanagerindex. Im August war der Hauptindex um fünf auf 20,6 Punkte gestiegen, den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Der Konsens für September liegt bei 14,75 Punkten, erwartet wird also ein Rücksetzer von einem sehr hohen Niveau, nicht mehr.

Interessanter als die Schlagzeile sind die Details. Im August lagen die Neuaufträge bei 17,3 und die Auslieferungen bei 11,7 Punkten, die Beschäftigung bei 9,3 Punkten. Auffällig war die Preisseite: Der Index für gezahlte Preise stieg um sechs auf 58,6 Punkte, während der Index für erhaltene Preise auf 22,7 Punkte nachgab. Die Unternehmen bekommen die höheren Einstandskosten also nur zum Teil durch. Bleibt der Druck bei den Einstandspreisen so hoch, ist das einen Tag vor dem Zinsentscheid der Fed die Zahl mit dem größten Störpotenzial – auch wenn eine einzelne Regionalumfrage die Fed nicht umstimmt.

Unterm Strich ist die Umfrage besser als ihre Schlagzeile. Die eine Zahl hat enttäuscht: Für die kommenden sechs Monate erwarten die Fachleute kaum mehr als im Vormonat. Die zweite Zahl ist die wichtigere – die aktuelle Geschäftslage bewerten sie erneut spürbar freundlicher. Das heißt: In den Unternehmen kommt langsam an, was bisher vor allem Hoffnung war. Getragen wird diese Erholung allerdings stark von den Staatsausgaben, und teure Energie oder neue politische Krisen können sie jederzeit wieder ausbremsen. Für Anleger heißt das: Wer auf deutsche Industriewerte setzt, muss wegen dieser Umfrage nichts ändern. Was an der Börse in den nächsten Tagen passiert, entscheidet aber nicht Mannheim, sondern die US-Notenbank am Mittwochabend. 

Siemens bleibt im Industriesektor weiterhin eine laufende Empfehlung des AKTIONÄR. 

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