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07.06.2020 Martin Mrowka

Weiter rauf? Seitwärts? Korrektur? Das bringt die neue Woche für DAX und Co

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DAX

Nur noch knapp 1.000 Punkte fehlen dem Deutschen Aktienindex zu einem neuen historischen Höchststand bei über 13.795 Punkten. CoronaKrise, Rezession und wahrscheinliche Pleitewelle werden von den Börsianern derzeit ignoriert. Allein in der abgelaufenen Woche legte der DAX gut 1.000 Punkte oder 10,9 Prozent zu. Nach einer der besten DAX-Wochen überhaupt könnte nun jedoch eine Abkühlung folgen. In der neuen Woche fehlt es an Impulsen für weitere Käufe. Immerhin werden einige interessante Konjunkturdaten erwartet. Ein Wochenausblick.

Ein überraschend solider US-Arbeitsmarkt war am Freitag das Sahnehäubchen einer beeindruckenden Börsenwoche. Der DAX gewann weitere 3,4 Prozent und ging dann bei 12.847 Punkten ins Wochenende. Damit summiert sich der Wochengewinn auf fast 11 Prozent. Und seit dem Corona-Crash-Tief bei 8.255 Zählern hat der DAX nun bereits gut 55 Prozent zugelegt. Glückwunsch, wer damals dem Rat des AKTIONÄR folgte und mutig kaufte (zur damaligen Ausgabe 13/20 kommen Sie durch Klick auf folgendes Bild).


DER AKTIONÄR 13/20

Nur mit Wirecard klappte es nicht so richtig. Der Zahlungsdienstleister kommt nicht aus den Schlagzeilen und musste am vergangenen Freitag erneut eine Razzia über sich ergehen lassen.

Aktienmarkt ist nun etwas heiß gelaufen

Nach dem kräftigen Kursanstieg ohne Korrektur ist der DAX nun für eine solche fällig. Der Relative-Stärke-Indikator (RSI) ist in den überhitzten Bereich gestiegen. Und der MACD-Indikator stand zuletzt im Jahre 2015 so hoch wie derzeit. Zumindest eine mehrwöchige Seitwärts-Konsolidierung auf hohem Niveau wie zuletzt im November 2019 sollte niemanden überraschen. Auch ein DAX-Rückfall Richtung 200-Tage-Linie, die bei 12.123 Punkten verläuft, ist charttechnisch denkbar.

DAX (WKN: 846900)

Der MDAX rückte zuletzt auf 27.199 Zähler vor und kommt damit auf ein Wochenplus von gut sieben Prozent.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Bundesregierung ein 130 Milliarden Euro schweres Paket aufgelegt, um mit einer niedrigeren Mehrwertsteuer, Hilfen für Kommunen, Zuschüssen für Familien und höheren Kaufprämien für Elektroautos die sieche Wirtschaft wieder zu beleben. Am Donnerstag folgte die Europäische Zentralbank mit einem um 600 Milliarden Euro auf dann 1,35 Billionen Euro aufgestockten Kaufprogramm für Anleihen. Auch dieses Geld soll die beispiellosen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abmildern.

Fed reagiert "früher und viel stärker"

Fondsmanager und Börsenbriefautor Jens Erhardt verwies auch auf die US-Notenbank Fed, die – anders als in der Finanzkrise, als man erst nach langer Aktienbaisse im Oktober 2008 angefangen habe, massiv den Geldhahn aufzudrehen – diesmal "viel früher und viel stärker stimuliert". Die Marktreaktion sei entsprechend stark, und die Fonds-Manager seien entsprechend überrascht worden, wie eine Umfrage zeige.

So nährt der Anstieg den Anstieg und der DAX schoss im Verlauf der Woche um beeindruckende fast zehn Prozent nach oben. Doch das könnte es mit den ganz großen Stimuli für die Konjunktur auch erst einmal gewesen sein. Nun dürfte es vielmehr darauf ankommen, ob und wie sehr sich die Anreize in der Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen von Unternehmen niederschlagen.

Private Aktivitäten ziehen an

Anzeichen für eine spürbare Zunahme privater Aktivitäten gibt es. So ist beispielsweise die Zahl der Routenanfragen im Internet für Autofahrten in den USA, Deutschland und Frankreich seit Ende März stark gestiegen, wie aus Daten der US-Investmentbank JPMorgan hervorgeht. Seit Mitte April hat demnach auch die Zahl von Passagierflügen weltweit stark zugenommen. Kreditkartendaten lassen auf eine Erholung von Online-Reisebuchungen in den USA schließen. Mit besonders marktbewegenden Unternehmensmeldungen ist allerdings nicht zu rechnen.

Hoffnung verbreitete auch der Arbeitsmarkt in den USA. Dort hat die Beschäftigung im Mai überraschend wieder zugenommen, es wurden 2,5 Millionen neue Stellen gezählt. Analysten hatten hingegen mit einem erneut starken Rückgang der Beschäftigung gerechnet.

Richtungweisende US-Konjunkturdaten

Ob die Verbraucher in den USA in den vergangenen Wochen wieder mehr Zutrauen gefasst haben, könnte am Freitag der entsprechende Index der Uni Michigan zeigen. Im April war der Frühindikator für die Kauflaune amerikanischer Verbraucher abgestürzt, im Mai hatte er sich stabilisiert. An den Finanzmärkten setzt man auf eine Verbesserung der Stimmung der Konsumenten, deren Nachfrage einen Großteil der gesamten US-Wirtschaftsleistung ausmacht.

Die Sitzung der US-Notenbank Fed am Mittwoch droht dagegen als Antreiber für die Aktienbörsen auszufallen. Die Wahrscheinlichkeit sei gering, dass Notenbank-Chef Jerome Powell weitere große Geldspritzen ankündige, sagte Volkswirt Stefan Kipar von der Landesbank BayernLB. "Einige Programme operieren bereits ohne Obergrenze". Mit Blick auf die US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen werde sich die Fed wohl etwas weniger pessimistisch zeigen als es gegenwärtig die Finanzmärkte einschätzten. (Mit Material von dpa-AFX)


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