++ Neue Hochs, neue Chancen ++

Wall Street: US‑Schulden knacken 40 Billionen Dollar, Rendite auf höchstem Stand seit 2007

Wall Street: US‑Schulden knacken 40 Billionen Dollar, Rendite auf höchstem Stand seit 2007
Foto: Oasishifi/shutterstock
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Ingo Nix Heute, 07:57 Ingo Nix
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Am Dienstag markierte die 30-jährige US-Staatsanleihe im Handelsverlauf gut 5,33 Prozent. So viel hat Washington für Geld auf 30 Jahre zuletzt im Jahr 2007 gezahlt; zum Schluss blieben 5,28 Prozent stehen. Am selben Stichtag riss eine zweite Marke: Die gesamten US-Staatsschulden lagen zum Geschäftsschluss bei 40 Billionen Dollar. Gestern legte die Fed das Protokoll ihrer Sitzung vom 28. und 29. Juli vor. Der Anleihemarkt handelt nicht mehr die Frage, wann die Notenbank senkt. Er handelt, ob sie erhöht. Viele Teilnehmer des Offenmarktausschusses halten laut Protokoll eine Straffung für wahrscheinlich notwendig, sollte die Inflation nicht zurückgehen. 

Nebenbei stellte Fed-Chef Kevin Warsh zur Debatte, die Zahl der Sitzungen von acht auf sechs pro Jahr zu reduzieren – entschieden wurde nichts, für den Rest des Jahres bleibt der Kalender unverändert.

US-Staatsverschuldung
US-Staatsverschuldung

Der US-Leitzins liegt bei 3,50 bis 3,75 Prozent, gehalten mit neun zu drei Stimmen. Zum Sitzungstermin lag die Inflation nach dem PCE-Index bei 4,1 Prozent für Mai, die Kernrate bei 3,4 Prozent; die Juni-Werte hat das Handelsministerium am 30. Juli mit 3,7 und 3,3 Prozent bestätigt. Die Arbeitslosenquote lag im Juni bei 4,2 Prozent und ist im Juli auf 4,1 Prozent gefallen – allerdings vor allem, weil die Erwerbsquote auf 61,4 Prozent sank, den niedrigsten Wert seit über fünf Jahren.

Renditekurve
Quelle: Investing.com, eigene Berechnungen
Renditekurve

Wichtiger als die Prozentzahlen ist die Mechanik dahinter. Zwischen Juni- und Julisitzung stiegen die nominalen Renditen von US-Staatsanleihen laut Protokoll um 25 bis 30 Basispunkte, und zwar über die Realzinsen. Die Fed führt das überwiegend auf Erwartungen höherer Leitzinsen zurück, nicht auf Zweifel an ihrer Entschlossenheit: Die langfristige Inflationskompensation blieb stabil und im Einklang mit dem Zwei-Prozent-Ziel. Prägend für den Zeitraum war der Nahost-Konflikt mit höheren Ölpreisen und gestörten Lieferketten. Dazu kommt, was jenseits der Notenbank auf das lange Ende drückt: die Flut neuer Anleihen zur Finanzierung des KI-Ausbaus, eine Inflation, die seit fünf Jahren über dem Ziel liegt und eben jene 40 Billionen Dollar US-Staatsschulden. 

  • Die Fed debattiert wieder über Erhöhungen, nicht über Senkungen.
  • 30-jährige Rendite bei 5,34 Prozent – Höchststand seit 2007.
  • Der Markt preist für September nur 29 Prozent ein.

Ein amerikanisches Phänomen ist das nicht. Japans zehnjährige Rendite erreichte den höchsten Stand seit 30 Jahren, die französische den höchsten seit 2008, die deutsche seit 2011. Am ganz langen Ende dasselbe Bild: Der 30-jährige Bund notiert auf dem höchsten Stand seit Juli 2011, die zehnjährige OAT auf dem höchsten seit November 2008.

Der Ausverkauf ist global
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen
Der Ausverkauf ist global

Gegen die Erhöhungsthese spricht der Kalender. Das Protokoll beschreibt eine Sitzung, die vor zwei entscheidenden Datenpunkten stattfand: Der Juli-Arbeitsmarktbericht zeigte ein Minus von 23.000 Stellen statt der erwarteten rund 80.000 neuen, die Juli-Verbraucherpreise trafen mit 3,4 Prozent exakt den Konsens. Die am Terminmarkt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September fiel danach von rund zwei Dritteln Ende Juli auf etwa ein Drittel. Das CME FedWatch Tool weist derzeit rund 34 Prozent aus – das Protokoll hat den Markt also nicht umgedreht.

Für Entspannung sorgte am Mittwoch denn auch nicht die Fed, sondern das Finanzministerium. Es verdoppelt das Volumen je Rückkaufoperation für langlaufende Papiere von zwei auf mindestens vier Milliarden Dollar, gültig vom 9. September bis zum 4. November. Die 30-jährige Rendite fiel daraufhin um neun Basispunkte auf 5,20 Prozent, die zehnjährige um knapp sechs auf 4,65 Prozent – die Entspannung hält, mehr aber auch nicht. Der nächste harte Termin steht im Kalender: die Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed am 15. und 16. September.

Für Anleger zählt jetzt dreierlei. Erstens ist der lange Teil der Kurve kein Ruhepol mehr, sondern das Ventil für Fiskal- und Inflationsrisiken: Zwischen zehn und 30 Jahren liegen 55 Basispunkte, zwischen zwei und 30 Jahren gut 100. Zweitens hat die Fed in ihrem eigenen Stabilitätskapitel notiert, dass die Aktienrisikoprämie – der Renditevorsprung von Aktien gegenüber Anleihen – zuletzt nur während der Dotcom-Blase niedriger lag. Drittens erwarten zwei Drittel von 392 Teilnehmern der Markets-Pulse-Umfrage von Bloomberg, dass die zehnjährige Rendite noch in diesem Jahr über fünf Prozent steigt. 

Rückkaufprogramme kaufen Zeit, keine Lösung.


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