Der Umsatz stieg um 38 Prozent auf 243 Millionen Euro, währungsbereinigt um 41 Prozent. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei 0,7 Prozent. Das Halbjahr ist sogar etwas besser gekommen, als es DER AKTIONÄR vor den Zahlen erwartet hat. Die eigentliche Prüfung steht jetzt an – und sie ist rechenbar.
Die Box verdient nichts, die Figur alles
Wer nur auf die Marge schaut, liest die Zahlen falsch herum. Tonies verkauft zwei Dinge: die Toniebox, ein Gerät mit dünner Marge und das margenstarke Nachfolgegeschäft mit Figuren. Kinder nutzen die Toniebox im Schnitt rund 280 Minuten pro Woche; auf einen Boxenverkauf kommen über die ersten viereinhalb Jahre etwa 20 Figuren – so die Rechnung, die auf dem Kapitalmarkttag im Juni vorgestellt wurde. Ein Halbjahr, in dem der Boxenumsatz um 65 Prozent zulegt und der Figurenumsatz um 32 Prozent, drückt den Produktmix also genau dann nach unten, wenn die installierte Basis am schnellsten wächst. Der Anteil der Boxen am Konzernumsatz kletterte von rund 20 auf gut 23 Prozent.
Genau so war es angekündigt. DER AKTIONÄR hatte vor den Zahlen darauf hingewiesen, dass der hohe Boxenanteil die Marge im ersten Halbjahr belastet und zugleich die Grundlage für das zweite legt. NuWays-Analyst Christian Sandherr rechnete dabei mit einem Anstieg der bereinigten EBITDA-Marge um 3,1 Punkte auf 14,2 Prozent im zweiten Halbjahr. Diese Schätzung ist ab heute die Messlatte – und sie liegt ziemlich genau in der Mitte dessen, was die Jahresprognose hergibt.
Getragen wird das Wachstum von Nordamerika: 104 Millionen Euro im Halbjahr, im Q2 allein ein Plus von 83 Prozent. DACH zeigt derweil, wohin die Reise geht, sobald die Basis steht – dort liegt die bereinigte EBITDA-Marge bei 24,4 Prozent, in Nordamerika bei 1,3 Prozent.
Die Rechnung, die im zweiten Halbjahr aufgehen muss
Neun bis elf Prozent Jahresmarge bei mehr als 760 Millionen Euro Umsatz bedeuten nach 0,7 Prozent im ersten Halbjahr rund 13 bis 16 Prozent im zweiten – im Vorjahreszeitraum waren es gut elf Prozent. Der freie Cashflow liegt bei minus 64,3 Millionen Euro – Vorfinanzierung der Neuheiten.
Das erste Halbjahr war kein Margenproblem, sondern eine Vorleistung mit Ansage – so beschrieben in der Vorschau. Bezahlt wird sie erst im zweiten Halbjahr, wenn die Figuren den Boxen hinterherlaufen müssen. Der Prüfpunkt steht am 12. November 2026 mit der Quartalsmitteilung zum dritten Quartal – dem ersten Quartal mit der Toniebox Lite im Markt, Pokémon und Bluey auf der Plattform und dem Vorlauf ins Weihnachtsgeschäft.
DER AKTIONÄR setzt im Real-Depot bereits seit einigen Monaten mit einer Position auf dieses Szenario. Die Position liegt deutlich im Plus.
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