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Wall Street: Die US‑Import‑ und Exportpreise sind da – mit Einordnung der Zahlen

Wall Street: Die US‑Import‑ und Exportpreise sind da – mit Einordnung der Zahlen
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Ingo Nix Heute, 15:07 Ingo Nix
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Das Bureau of Labor Statistics hat die Import- und Exportpreise für Juli vorgelegt. Die Einfuhrpreise fielen gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent. Der Juni-Wert wurde dabei kräftig nach unten revidiert, von ursprünglich plus 0,3 Prozent auf nun minus 0,3 Prozent – die Importpreise sind damit zwei Monate in Folge gesunken. Im Jahresvergleich liegen sie noch 5,9 Prozent höher nach 7,1 Prozent im Juni. Die Ausfuhrpreise gaben um 1,3 Prozent nach, nach revidiert minus 0,7 Prozent im Vormonat, und liegen im Jahresvergleich 8,2 Prozent im Plus nach 10,2 Prozent.

  • Importpreise Juli: minus 0,4 Prozent zum Vormonat, plus 5,9 Prozent zum Vorjahr – der Rückgang kommt vollständig von der Energieseite.
  • Ohne Brennstoffe: plus 0,4 Prozent zum Vormonat und plus 4,5 Prozent zum Vorjahr nach 4,2 Prozent im Juni – der eigentliche Preistrend zieht weiter an.
  • Exportpreise: minus 1,3 Prozent zum Vormonat; Treiber sind die nichtagrarischen Ausfuhren mit minus 1,5 Prozent, während die Agrarausfuhren um 1,0 Prozent zulegten.

Die Bewegung des Gesamtindex ist schnell erklärt. Brennstoffe und Schmierstoffe verbilligten sich um 7,2 Prozent, Erdöl um 7,5 Prozent, Rohöl sogar um 8,5 Prozent; allein Erdgas verteuerte sich um 5,3 Prozent. Bei einem Gewicht von knapp einem Zehntel reicht das, um den gesamten Index ins Minus zu ziehen. Ohne Erdöl gerechnet stiegen die Einfuhrpreise um 0,3 Prozent, ohne Brennstoffe um 0,4 Prozent. In den Warengruppen fielen die Investitionsgüter mit plus 0,9 Prozent auf, getragen von nichtelektrischen Maschinen mit plus 1,0 Prozent; Nahrungsmittel, Futter und Getränke verteuerten sich um 0,9 Prozent. Die Industrievorprodukte gaben insgesamt um 3,2 Prozent nach, ohne Erdöl aber nur um 0,6 Prozent. Konsumgüter ohne Automobile blieben unverändert, Fahrzeuge und Teile legten 0,2 Prozent zu. Auf der Exportseite drückten die Brennstoffe mit minus 6,8 Prozent, während Investitionsgüter 0,5 Prozent und Fahrzeuge 0,7 Prozent gewannen.

Der belastbare Kern dieser Statistik sind die Importpreise ohne Brennstoffe. Sie stiegen im Juli um 0,4 Prozent und liegen 4,5 Prozent über dem Vorjahr, nach 4,2 Prozent im Juni. Das ist der stärkste Zwölfmonatsanstieg seit dem im Juni 2022 endenden Jahr, damals waren es 4,6 Prozent. Klammert man zusätzlich die Nahrungsmittel aus, sind es sogar 4,8 Prozent. Haupttreiber sind die Investitionsgüter mit 6,6 Prozent Jahresplus und die nichtelektrischen Maschinen mit 8,1 Prozent. Dass die Gesamtrate mit 5,9 Prozent trotzdem oberhalb des Kerns liegt, ist ebenfalls ein Energieeffekt: Die Brennstoffimporte kosten immer noch 25,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Schlagzeile sinkt also, der Trend darunter nicht.

Infront USA 30 Industrial (WKN: 969420)

Darum sind die Importpreise für die Kursentwicklung wichtig

Der Index misst, was amerikanische Käufer für eingeführte Waren zahlen – und zwar vor Zöllen. Genau darin liegt die Einordnung: Er zeigt, ob ausländische Anbieter ihre Preise senken und damit einen Teil der Zolllast tragen, oder ob der Preisdruck ungebrochen aus dem Ausland kommt. Was der Importeur am Ende tatsächlich überweist, steht hier nicht. Für Juli fällt die Antwort unbequem aus: Die Anbieter jenseits der Energiebranche senken nicht, sie erhöhen. Ein Teil der Monatsbewegung erklärt sich zudem über den Dollar, der im Juli gegenüber dem Währungskorb rund eineinhalb Prozent nachgab und den Monat bei knapp 100 Punkten im Dollar-Index beendete. Ein schwächerer Dollar verteuert Einfuhren rein rechnerisch, ohne dass der Hersteller im Ausland den Preis erhöht hätte. Für die Fed ist die Zahl ein Vorlaufsignal auf die Warenkomponente der Verbraucherpreise – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Verbraucherpreisindex für Juli war am 12. August mit 3,4 Prozent im Jahresvergleich gemeldet worden.

Wichtig zu wissen

Wer nur auf die Schlagzeile schaut, liest eine Entspannung, die es so nicht gibt: Der Rückgang um 0,4 Prozent ist ein Ölpreiseffekt, während die Einfuhrpreise ohne Brennstoffe mit 4,5 Prozent Jahresrate den höchsten Stand seit vier Jahren erreichen. Von der Warenseite kommt also weiter Druck, auch wenn die Gesamtrate von 7,1 auf 5,9 Prozent gefallen ist. Dagegen spricht dreierlei: Die Reihe ist nicht saisonbereinigt, sie wird drei Monate lang revidiert – der Juni ist gerade um 0,6 Prozentpunkte gedreht worden –, und ein guter Teil des Kernanstiegs könnte ein reiner Wechselkurseffekt sein, der die Fed wenig angeht. Zwei Termine geben die Probe aufs Exempel: am 11. September der Verbraucherpreisindex für August und am 16. September die Im- und Exportpreise für August.

Vorbörslich blieb der Dow Jones Index fast unverändert. Der S&P 500 büßt rund 0,5 Prozent ein, der Nasdaq Future fiel jedoch 1,3 Prozent. WTI weiter über 85 Dollar, die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe zog leicht auf 4,74 Prozent an. 



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