Alles nur ein Bluff? Scott Bessent poltert gerne gegen Spekulanten und warnt davor, gegen ihn zu wetten. Doch an den Finanzmärkten verpuffen die markigen Worte des US-Finanzministers zusehends. Nach einer enttäuschenden Rückkaufaktion und schwachen Anleiheauktionen klettern die Renditen weiter nach oben. Steht der frühere Hedgefonds-Manager vor seiner ersten schweren Schlappe?
Der Ton aus Washington klang zuletzt fast schon nach Spielcasino. Bessent (Foto oben) forderte Devisen- und Rentenhändler regelrecht heraus: Wer gegen ihn wette, solle das ruhig tun, denn er sitze am längeren Hebel und wisse genau, was die Regierung plane.
Bei einem früheren Hedgefonds-Partner von George Soros, der einst das Pfund in die Knie zwang, horcht die Wall Street eigentlich auf. Doch die Realität an den Anleihemärkten straft die Ansagen ab.
800 Millionen weniger als erwartet
Auslöser der jüngsten Nervosität ist ausgerechnet Bessents Vorzeige-Instrument: die Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen. Heute kaufte das Finanzministerium lediglich Papiere im Wert von knapp 5,2 Milliarden Dollar zurück – obwohl tags zuvor ein Maximalvolumen von bis zu sechs Milliarden Dollar angekündigt worden war. Zwar boten Händler dem Ministerium Anleihen im Wert von 10,5 Milliarden Dollar an, doch Washington zeigte sich wählerischer als erwartet und schöpfte den Rahmen nicht aus.
Es ist erst das dritte Mal bei 53 Operationen dieser Art seit 2024, dass das Ministerium bei Papieren mit langer Laufzeit unter dem Maximum blieb.
Das Signal an den Handel war fatal: Wenn das Finanzministerium bei den Preisen knausert, bleibt die erhoffte Stützung für die Kurse aus.
Hinzu kam am selben Tag eine schwach nachgefragte Auktion für 30-jährige Staatsanleihen im Umfang von 22 Milliarden Dollar. Die Folge: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte um elf Basispunkte nach oben und kratzt mit 4,95 Prozent nun gefährlich an der psychologisch wichtigen Marke von fünf Prozent.
Marktteilnehmer sehen den Minister zunehmend isoliert. „Der Markt hat seinen Bluff auffliegen lassen“, konstatierte Mark Spindel, Chefstratege bei Potomac River Capital.
Solange der Ölpreis über 100 Dollar notiert, die Erzeugerpreise anziehen und das US-Haushaltsdefizit auf fast zwei Billionen Dollar zusteuert, wiegen diese Fundamentaldaten schwerer als taktische Eingriffe des Finanzministeriums. Am Markt wächst nun sogar die Erwartung, dass die US-Notenbank die Zinsen bald weiter anheben muss, um die Teuerung einzudämmen. Bessents Versuch, den Zinsmarkt mit wenigen Milliarden Dollar und markigen Sprüchen zu disziplinieren, wirkt da wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Solange die Renditen der US-Staatsanleihen am langen Ende weiter klettern, steigen die Finanzierungskosten der Konzerne – und der Bewertungsdruck auf die Börsen hält unvermindert an.
Heute, 21:55
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