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Trump fordert ein Prozent Zins: Warum die Rechnung nicht aufgeht

Trump fordert ein Prozent Zins: Warum die Rechnung nicht aufgeht
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Ingo Nix Heute, 08:51 Ingo Nix
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Die Fed unter Kevin Warsh erhöht erstmals die Zinsen seit drei Jahren, der Präsident fordert das Gegenteil. Die Gegenrechnung liefert nicht das Weiße Haus, sondern die zehnjährige Staatsanleihe.

Ein Prozent oder weniger: So niedrig sollen die Zinsen in den USA nach dem Willen von Donald Trump liegen, weil das Land die „beste Bonität der Welt“ habe. Der Beitrag auf Truth Social kam am Mittwoch, Stunden nachdem die Federal Reserve den Leitzins einstimmig um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben hatte. Es ist die erste Erhöhung seit Juli 2023 und der erste Zinsschritt unter Kevin Warsh, den Trump selbst ausgewählt hatte. 

Fed: Warum Warsh erhöht

Die Notenbank begründet den Schritt mit der Wirtschaft selbst. Die Konjunktur sei stärker geworden, das Problem sei die Inflation, und das seit mehr als fünfeinhalb Jahren, sagte Warsh. Die Sommerdaten zeigten keine echte Besserung des Grundtrends. Die Projektionen stützen ihn: Wachstum 2,30 statt 2,20 Prozent, Arbeitslosenquote 4,10 statt 4,30 Prozent. Trump setzt an derselben Stelle an wie Warsh, bei der Inflation – nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Realzins: Ein Prozent wäre ein Minuszins

Die Zahl klingt nach Entlastung, sie ist aber eine Wette. Die Teuerung lag im August bei 3,40 Prozent. Ein Leitzins von einem Prozent hieße nach Abzug der Inflation rund minus 2,40 Prozent – diesen Abstand nennen Ökonomen Realzins. Das wirkt wie ein Kreditrabatt, den der Sparer bezahlt. Die Fed erwartet für dieses Jahr 3,70 Prozent Inflation, gemessen am PCE-Preisindex, ihrem bevorzugten Maß.

Schweiz: Der Vergleich hinkt

Einen Nullzins gibt es tatsächlich – in der Schweiz. Dort liegt die Inflation aber bei 0,60 Prozent. Für Schweizer Verhältnisse müssten die USA ihre Teuerung erst um fast drei Prozentpunkte drücken, genau das versucht Warsh. Und die Bestnote AAA hat Moody’s den USA im Mai 2025 als letzte der drei großen Ratingagenturen entzogen.

Staatsanleihen: Die Rechnung am langen Ende

Die Fed setzt nur den kurzen Zins, den langen bestimmt der Markt. Die zehnjährige Staatsanleihe rentierte nach dem Entscheid mit 5,02 Prozent, gut einen Prozentpunkt über dem Leitzinsband. Das ist die eigentliche Rechnung für Washington: Die Nettozinskosten übersteigen laut dem Haushaltsbüro des Kongresses (CBO) in diesem Fiskaljahr eine Billion Dollar, die Schulden erreichen 101 Prozent der Wirtschaftsleistung. Jeder Prozentpunkt weniger entlastet den Haushalt. Zudem stammt ein Teil der Teuerung aus dem Energieschock des Iran-Kriegs, den höhere Zinsen nicht direkt lösen. Doch eine Senkung unter politischem Druck würde den Aufschlag am langen Ende eher erhöhen.

Ein Prozent Leitzins bei mehr als drei Prozent Inflation ist kein billiges Geld, sondern teures Vertrauen.  

Der S&P 500 verlor nur 0,40 Prozent und liegt seit Januar rund zehn Prozent im Plus. Gefährlich wird es erst, wenn die langen Renditen weiter steigen. Den DAX bewegt vor allem der Dollar: Er stützt die Exporteure, verteuert aber Energie. Kippt die Unabhängigkeit der Fed, belastet das beide Märkte. Für Anleger ist eine unabhängige Notenbank auf Dauer also besser als eine, die den Wünschen der Politik nachkommt.

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