Die US-Notenbank Fed dürfte den Leitzins heute Abend bei 3,75 bis 4,00 Prozent belassen – am Terminmarkt liegt die Wahrscheinlichkeit dafür bei knapp 90 Prozent. Spannend ist deshalb weniger die Entscheidung um 19:00 Uhr als das, was Fed-Chef Kevin Warsh ab 19:30 Uhr über den 9. Dezember sagt. Am Donnerstag zieht die EZB nach.
Fed-Zinsentscheid: Warum der Dezember mehr zählt als heute
Im September hat die Fed den Leitzins zum ersten Mal seit Juli 2023 angehoben, einstimmig und um 0,25 Prozentpunkte. Seither ist der Druck gestiegen. Die US-Inflation kletterte im September auf 3,7 Prozent, nach 3,4 Prozent im August. Den größten Teil trieb Benzin, doch auch die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel zog an.
Der Terminmarkt hat daraus seine Schlüsse gezogen: Eine Erhöhung am 9. Dezember preist er mit rund 75 Prozent ein. Heute geht es also um die Wortwahl. Hält Warsh die Tür für Dezember offen, bestätigt er nur, was ohnehin in den Kursen steckt. Die Gegenseite: Der Arbeitsmarktbericht für September fiel schwächer aus als erwartet. Betont Warsh diese Schwäche, dürfte ein Teil der Dezember-Erhöhung wieder aus den Kursen verschwinden.
Einen Tag später, am Donnerstag um 14:15 Uhr, entscheidet die EZB. Ihr Einlagesatz liegt nach der Erhöhung im September bei 2,50 Prozent, auch hier gilt eine Pause als ausgemacht. Bemerkenswert ist der Vergleich: Im Euroraum stieg die Inflation im September auf 3,8 Prozent und liegt damit über dem US-Wert. Trotzdem ist der Einlagesatz mindestens 1,25 Prozentpunkte niedriger als der Leitzins in den USA. Die EZB steckt damit in der engeren Klemme: höhere Teuerung, aber ein Wachstum, das sie selbst für 2026 nur noch auf 0,8 Prozent schätzt.
Der Nasdaq 100 ging am Dienstag, 27. Oktober, bei 29.651,44 Punkten aus dem Handel. Damit notiert er 0,52 Prozent unter der 50-Tage-Linie bei rund 29.810 Punkten und 1,62 Prozent unter der 20-Tage-Linie bei rund 30.140 Punkten. Die entscheidende Unterstützung ist die steigende 200-Tage-Linie bei rund 27.870 Punkten, die den Aufwärtstrend seit dem Frühjahr trägt; der Index liegt 6,38 Prozent darüber. Ein Schluss über der 50-Tage-Linie würde die Erholung bestätigen, ein Bruch der 200-Tage-Linie den Trend infrage stellen.
Was Warshs Worte und der EZB-Entscheid für Dollar, Anleihen und Aktien bedeuten, wird DER AKTIONÄR im Laufe des Abends berichten.
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