Kevin Warsh (Foto) ist noch nicht mal Fed-Chef, und schon gibt es erste Analysen zu seiner Art. Morgan Stanley sieht das Comeback der bösen Überraschungen. Weniger Fed-Show, weniger Ansagen, mehr wilde Moves. Wer sich an „ruhige Renditen“ gewöhnt hat, könnte bald unsanft aufwachen. Das betrifft aber nicht direkt den Aktienmarkt.
Morgan Stanley rechnet vielmehr mit mehr Schwankungen am Markt für US-Staatsanleihen, falls Warsh Jerome Powell im Mai als Fed-Chef ersetzt. Warsh war bereits Teil der Notenbank-Spitze von 2006 bis 2011. Die Bank hat sich angeschaut, wie er damals tickte.
Der zentrale Punkt: Warsh wollte Investoren nicht permanent auf Fed-Kurs halten. Er mochte es nicht, wenn sich Märkte an der offiziellen Sicht der Notenbank festbeißen. Wachstum, Inflation, Zinsen – der Markt sollte sich selbst festlegen. Ohne dauernde Hilfestellung.
Das könnte wieder für mehr Nervosität sorgen. Denn die Ausschläge bei US-Renditen sind zuletzt spürbar kleiner geworden, obwohl sich die Zinsen insgesamt bewegt haben. Der Grund: Die Fed hat ihren Kurs eng geführt. Viel Kommunikation. Wenig Raum für Überraschungen.
Unter Warsh könnte das anders laufen. Morgan Stanley hält weniger öffentliche Signale für möglich, weniger Stimmen aus der Notenbank vor wichtigen Sitzungen – und weniger Orientierungspunkte für den Markt. Dann fehlt ein Fixpunkt. Erwartungen driften auseinander. Fehlpositionierungen werden wahrscheinlicher.
Morgan Stanley erwartet bei Warsh zudem eine kleinere Notenbank-Bilanz. Das würde vor allem langfristige Zinsen nach oben ziehen. Die Zinskurve würde steiler. Das ist Gift für alles, was auf billiges Geld und stabile Zinsen gebaut ist.
Nicht jeder sieht Warsh als sicheren Garanten für einen Volatilitäts-Boost. Einige Investoren trauen ihm auch zu, im Gremium mehr Konsens zu schaffen als andere Kandidaten. Morgan Stanleys Warnung bleibt trotzdem stehen: Eine Fed, die weniger erklärt, erhöht das Risiko von Zins-Schocks.
Heute, 19:46