17.11.2019 Martin Mrowka

DAX und Co voller Ungewissheit: Kommt nun der Rückschlag? Oder doch ein neues Hoch?

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DAX
Trendthema

Auch in der neuen Woche dürfte wie zuletzt Zurückhaltung die oberste Prämisse der Anleger am deutschen Aktienmarkt sein. Die Anfang Oktober gestartete Kursrallye geriet zuletzt etwas ins Stocken - ein nachhaltiger Sprung über die Marke von 13.300 Punkte blieb im DAX bislang aus. Viele Börsianer warten auf einen kleinen Rückschlag, bevor sie sich neu engagieren. Ein Wochenausblick.

Die erhofften positiven Signale aus den Verhandlungen des US-chinesischen Handelskonflikts reichten zuletzt nur noch für schnell wieder verpuffte Kursgewinne. So sprach der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow, zuletzt von sehr konstruktiven Diskussionen mit Peking. Beide Seiten seien nur noch "wenige Federstriche" von einem Zwischenabkommen entfernt.

Neu ist diese Erkenntnis jedoch nicht. Was fehlt sind greifbare Verhandlungserfolge. Immer wieder war es in den vergangenen Monaten zu vermeintlichen Annäherungen gekommen, die sich dann durch einen Trump-Tweet wieder in Luft auflösten.

Warten auf das Teilabkommen

"Weiterhin warten die Finanzmärkte auf weißen Rauch aus Washington, was eine erste Einigung im Handelsstreit mit China angeht", schrieb der Chefvolkswirt der DeKaBank Ulrich Kater. Allerdings dürfte danach kaum große Kauf-Euphorie aufkommen. Denn auch über die angedrohten Autozölle gegenüber Europa müsse noch entschieden werden, so Kater. Und die Nachricht, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal eine Rezession vermeiden konnte, habe die Börsianer auch nicht aus der Reserve gelockt. Dafür sei die gemeldete Steigerung des BIP zu gering ausgefallen.

Am Freitag beendete der deutsche Leitindex den Handel bei 13.241 Punkten. Es war für den DAX zugleich die sechste Gewinnwoche in Folge, wenngleich sich das Wochenplus wegen der Verschnaufpause diesmal nur auf 0,1 Prozent belief. Der MDAX der mittelgroßen Werte kletterte im Freitagsverlauf auf den höchsten Stand seit August 2018 und schloss bei 27.198 Punkten. Auf Wochensicht ergab sich ein Zuwachs von 0,8 Prozent.

Überkauft

Von Anfang Oktober bis Anfang November hatte der DAX um gut zwölf Prozent zugelegt bis auf den höchsten Stand seit Anfang 2018, seither holen die Anleger erst einmal Luft. Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sprach von einer liquiditätsgetriebenen Kursrallye, die fundamental schwer zu rechtfertigen sei. Mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis jenseits 24 sei der deutsche Leitindex derzeit so teuer wie nie seit der Finanzkrise.

DAX (WKN: 846900)

Dies lässt darauf schließen, dass die Luft nun dünner wird. Auch mehrere technische Indikatoren sprechen für eine überfällige Konsolidierung. Ausbleibende oder gar negative Nachrichten zum Handelsstreit können die Märkte schnell wieder unter Druck setzen. US-Strafzölle auf deutsche Autos könnten zudem ein weiterer Nackenschlag für die zuletzt so gebeutelte Industrie werden.

Quartalssaison nähert sich ihrem Ende

Von der Berichtssaison kommen derweil in der neuen Woche kaum noch Impulse, sie ist so gut wie beendet. Nachzügler sind der Immobilienkonzern Grand City Properties, der am Montag die Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht, sowie der Industriekonzern Thyssenkrupp, dessen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr am Donnerstag auf der Agenda stehen.

Die Geschäftszahlen des Nutzfahrzeugzulieferers Jost Werke und des Ticketvermarkters CTS Eventim - beide ebenfalls am Donnerstag - dürften nur noch wenig Überraschungspotenzial bieten. Beide Unternehmen hatten bereits Eckdaten vorgelegt.

Wenig Konjunkturdaten

Konjunkturdaten, die den Aktienmarkt bewegen könnten, gibt es erst gegen Ende der Woche. Am interessantesten dürften dabei die Daten zur Stimmung in der deutschen und europäischen Industrie sein. "Zahlreiche Unsicherheitsfaktoren belasten weiter die Konjunktur in der Eurozone. Darauf dürften die Einkaufsmanagerindizes für den November hinweisen", glaubt Ökonom Kater. "Wahrscheinlich bleibt es bei einem schwachen Wachstumssignal für den Euroraum." (Mit Material von dpa-AFX)