19.07.2019 Martin Mrowka

6 Themen, die für Aktien-Anleger heute wichtig sind

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DAX
Trendthema

Die Wolken vom Vortag haben sich am deutschen Aktienmarkt schon wieder verzogen. Am Freitag startet der DAX mit ordentlichen Gewinnen bei 12.300 Punkten in den Handel. Die frühen Tagessieger heißen Wirecard, Bayer und Münchener Rück. Was heute noch die Kurse bewegen dürfte.

Am deutschen Aktienmarkt dürfte es vor dem Wochenende zunächst mal wieder aufwärts gehen. Der Dax versucht offenbar einen versöhnlichen Wochenabschluss: Bei guten Vorgaben aus Asien startete der deutsche Leitindex 0,6 Prozent höher in den Handelstag bei gut 12.300 Punkten.

"Das bisherige Jahreshoch bei 12.656 Punkten bleibt vorerst das Maß der Dinge", schrieb Marktexperte Martin Utschneider vom Bankhaus Donner und Reuschel. Die jüngste Stabilisierung führen Beobachter unter anderem auf die Hoffnung auf billiges Geld von den Notenbanken zurück. Während die Zinssenkung in den USA Ende Juli schon fast eine ausgemachte Sache ist, hoffen die Anleger zudem auch auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank am kommenden Donnerstag. - Diese Themen dürften heute Einfluss auf die Aktienkurse nehmen.

Vorgaben aus den USA

Zinshoffnungen haben den US-Aktienmärkten am Donnerstag im späten Handel zu einer Erholung und freundlichen Schlusstendenz verholfen. Der Dow Jones Industrial schloss mit einem Mini-Plus bei 27.223 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 gewann 0,4 Prozent auf 2.995 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100  stieg um 0,2 Prozent auf 7.904 Punkte.

Auslöser der Kurserholung war Händlern zufolge eine Aussage des Präsidenten der Federal Reserve Bank of New York, John Williams. Der Fed-Offizielle unterstrich die Notwendigkeit einer schnellen Zinsreaktion der US-Notenbank, sollten die Währungshüter zu dem Schluss kommen, dass sich die US-Wirtschaft in Schwierigkeiten befinde. (Weitere Gründe für die Wall-Street-Rallye finden Sie hier.)

Zuvor hatten unter anderem neue Strafzoll-Drohungen von US-Präsident Donald Trump in Richtung Peking Verunsicherung unter den Investoren ausgelöst. Trump hatte zudem gewarnt, dass es noch ein langer Weg bis zu einer Einigung im Zollkonflikt sei.

Vorgaben aus Fernost

Asiens Aktienmärkte zeigen sich am Freitag durch die Bank stärker. Japans Nikkei 225 schloss zwei Prozent höher auf 21.470 Punkten. Neue Inflationsdaten aus Japan trieben an. Die geringe Preissteigerung in der Kernrate könnte die Bank of Japan zu weiteren Lockerungen veranlassen, so ein Börsianer. Hongkongs Hang Seng gewann über ein Prozent auf 28.770 Punkte, und auch Chinas CSI 300 verbesserte sich zuletzt um gut ein Prozent.

Iran-Konflikt

Genau im Auge behalten Händler den Konflikt des Westens mit dem Iran. Die Mannschaft eines US-Marineschiffs zerstörte nach Angaben von Präsident Donald Trump am Donnerstag in der Straße von Hormus eine iranische Drohne. Die iranische Seite wies die Vorwürfe zurück. Man vermisse keine Drohne, vielleicht haben die USA versehentlich eine eigene abgeschossen.

Konjunkturdaten

Die Herstellerpreise in Deutschland sind im Juni so wenig gestiegen wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhten sich die Erzeugerpreise um 1,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist der schwächste Preisauftrieb seit Dezember 2016. Analysten hatten im Mittel eine Rate von 1,5 Prozent erwartet. Im Vergleich zum Mai gingen die Preise, die Produzenten für ihre Waren erhalten, um 0,4 Prozent zurück. Die Herstellerpreise sind eine Vorstufe zu den Verbraucherpreisen, an denen die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik ausrichtet.

Um 16 Uhr wird noch das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan gemeldet.

Quartalszahlen

Auf Unternehmensseite könnte es am Freitag wieder neuen Antrieb aus den USA geben. Microsoft etwa blieb im abgelaufenen Geschäftsquartal dank seiner Cloud-Dienste auf Erfolgskurs. Der Konzern hat Apple und Amazon  mittlerweile als wertvollste Aktiengesellschaft überholt und ist aktuell das einzige Unternehmen mit einem Börsenwert von mehr als einer Billion Dollar.

Im Tagesverlauf öffnen zudem die Finanzdienstleister American Express und State Street, der Ölkonzern Schlumberger sowie der Vermögensverwalter Blackrock ihre Bücher.

In Deutschland hatte Munich Re am Donnerstagabend mitgeteilt, im zweiten Quartal von geringeren Belastungen durch Großschäden sowie von Auflösungen von Reserven für Basisschäden profitiert zu haben. Das Konzernergebnis dürfte daher im abgelaufenen Jahresviertel rund eine Milliarde Euro erreicht haben. Die Aktie legte vor Handelsbeginn um 0,3 Prozent zu.

Der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius hatte im zweiten Geschäftsquartal ebenfalls einen guten Lauf und hob die Prognose für das restliche Jahr an. Die Aktie stieg vorbörslich um 2,9 Prozent.

Eine Senkung der Jahresziele musste dagegen die Software AG vornehmen, nachdem der Umsatz mit Integrationssoftware im zweiten Quartal gesunken war. Die Gesamterlöse legten zwar zu. Die Aktie fiel dennoch vor Börsenstart um 5,3 Prozent.

Ihre Quartalsbilanzen legen heute unter anderem noch folgende Firmen vor: BB Biotech, Vattenfall, Fortum Oyj und Saab

Unternehmens-News

Dem Pharmakonzern Bayer steht am Freitag in den USA eine erneute Anhörung vor einem US-Gericht zu einem Glyposat-Prozess bevor. Dabei geht es um ein erstes Urteil aus dem Mai, in dem einem Ehepaar zwei Milliarden US-Dollar zugesprochen wurden. Ein Gericht in Oakland hatte am gestern Abend mitgeteilt, dass die Summe über den verfassungsrechtlich angemessenen Rahmen hinausgehe und auf maximal das Vierfache des eigentlichen Schadenersatzes von 50 Millionen Dollar reduziert werden soll. Das wären dann maximal 250 Millionen Dollar. Die Bayer-Aktie gewann vorbörslich 1,2 Prozent dazu.

Gute Nachrichten gibt es auch von Wirecard. Der Zahlungsabwickler übernimmt in den deutschen Filialen der Aldi-Gruppe künftig einen Teil der Kartenzahlungen. Das Unternehmen machte keine finanziellen Angaben zum möglichen Neugeschäft aus der Vereinbarung. Branchenkreise gehen bei dem Deal aber von einem gewichtigen neuen Kunden für Wirecard aus. Die Aktie legt vorbörslich um 2,5 Prozent zu.

Mit Material von dpa-AFX