Der Krypto-Kurs von Strategy bleibt unverändert. Trotz jüngster Verkäufe plant Konzernchef Phong Le keine Kehrtwende bei der aggressiven Akkumulation von Bitcoin. Sorgen über die Schuldenlast des Unternehmens wischt das Management beiseite. Der Grund: Ernsthafte Bilanzrisiken sieht der CEO erst bei einem dramatischen Absturz der Kryptowährung.
Aktuell notiert der Bitcoin bei rund 65.000 Dollar. Erst wenn der Kurs in Richtung 8.000 bis 10.000 Dollar rutscht, müsste das Unternehmen die mit den Schulden verbundenen Risiken neu bewerten. Bis dahin fühle man sich mit der eigenen Bilanz absolut sicher, erklärte Le in einem Interview mit Bloomberg TV.
Zuletzt agierte das Unternehmen dennoch vorsichtiger. Strategy verkaufte Bitcoin im Wert von über 215 Millionen Dollar. Seit der Woche zum 22. Juni gab es zudem keine neuen Käufe mehr. Gleichzeitig stärkte der Konzern die eigene Kasse: Durch die Ausgabe neuer Stammaktien flossen rund 467 Millionen Dollar zu. Die Barreserven kletterten damit auf rund drei Milliarden Dollar.
Während Beobachter darin eine defensivere Haltung vermuten, verweist Le auf die Wünsche der Investoren. Vorzugsaktionäre hätten auf mehr Liquidität in der Bilanz gedrängt. Zudem sollte der Teilverkauf demonstrieren, dass die eigenen Bitcoin-Bestände im Bedarfsfall schnell flüssig gemacht werden können. Das aktuelle Cash-Polster reicht laut Unternehmen aus, um die Dividenden für die Vorzugsaktien für etwa zwei Jahre zu decken.
Vorzugsaktie als Finanzierungsmotor
Strategy will sich mittelfristig von einer reinen Bitcoin-Holding zu einer breiteren digitalen Kapitalplattform entwickeln. Ein zentraler Baustein dieser Transformation ist die unbefristete Vorzugsaktie des Unternehmens mit dem Namen Stretch (Ticker: STRC).
Der Plan des Managements: Sobald die STRC-Aktie wieder ihren Nennwert von 100 Dollar erreicht, sollen weitere Papiere ausgegeben werden. Mit den Erlösen will das Unternehmen neue Bitcoins kaufen und die Dollar-Reserven weiter ausbauen. Derzeit notiert das Papier allerdings im Minus. Seit Mai liegt der Kurs unter dem Nennwert, zuletzt bei rund 88 Dollar.
Entsprechend wichtig bleibt für das Unternehmen die Bewertung an der Börse. Solange die Aktie von Strategy über dem Nettoinventarwert der gehaltenen Bitcoins notiert (mNAV), kann das Unternehmen profitabel neues Eigenkapital aufnehmen. Diese Kennzahl war im vergangenen Monat unter die kritische Marke von 1 gefallen, erholte sich zuletzt aber wieder auf 1,02.
Das Geschäftsmodell des Unternehmens ist nach wie vor hochgradig spekulativ und vollständig an die Entwicklung des Bitcoins gekoppelt. Solange der Krypto-Markt jedoch weit über der kritischen Marke von 10.000 Dollar verharrt und der Kapitalmarkt neues Geld bereitstellt, steht das finanzielle Fundament der Gruppe vorerst auf soliden Beinen. Wer allerdings vom Bitcoin überzeugt ist, sollte lieber direkt in diesen investieren, statt sich das zusätzliche unternehmerische Risiko von Strategy aufzuhalsen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 14:36
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