Der Bitcoin zeigt Lebenszeichen. Nach dem jüngsten Absturz auf 57.700 Dollar hat sich die führende Kryptowährung wieder in Richtung der 63.000-Dollar-Marke gekämpft. Doch trotz der Rückeroberung der psychologisch wichtigen Unterstützung bei 60.000 Dollar mahnen Experten zur Vorsicht. Die Analysefirma CryptoQuant stuft den aktuellen Anstieg als klassische Bärenmarkt-Erholung ein – von einer echten Trendwende könne keine Rede sein.
Der aktuelle Rückenwind ist vor allem historisch begründet. Der Juli gilt in der Krypto-Welt als statistisch starker Monat. Auch in schwierigen Bärenmarkt-Jahren wie 2018 und 2022 legte der Bitcoin in diesem Zeitraum um 20 Prozent beziehungsweise 17 Prozent zu, obwohl der übergeordnete Trend damals klar abwärts gerichtet war. Laut Julio Moreno, Forschungsleiter bei CryptoQuant, deutet dieses saisonale Muster zwar auf weiteres kurzfristiges Aufwärtspotenzial hin, dürfe aber nicht mit einer generellen Trendumkehr verwechselt werden.
Nachfrage zieht zaghaft an
Ein Blick auf die On-Chain-Daten liefert ein gemischtes Bild. Die Bitcoin-Nachfrage, berechnet aus Spot- und Terminmarkt-Aktivitäten, hat sich von ihrem Einbruch Anfang Juni – damals schrumpfte das Volumen um 650.000 Bitcoin – zwar erholt, dümpelt aber noch im neutralen Bereich. Immerhin: Der Coinbase Premium Index, der als Indikator für die Nachfrage institutioneller US-Anleger gilt, hat sich von seinen tiefroten Werten deutlich erholt. Der Verkaufsdruck an den amerikanischen Handelsplätzen lässt spürbar nach.
Bewertungs-Niveau bleibt kritisch
Die Unterbewertung des Bitcoins war zuletzt extrem. Anfang Juni rutschte die Gewinnspanne der Trader in den unrealisierten Bereich auf unter -24 Prozent. Historisch gesehen markieren solche Werte oft lokale Tiefpunkte, da kurzfristig orientierte Anleger in Panik ihre Bestände abstoßen. Der aktuelle Anstieg zeigt, dass diese Kapitulationsphase vorerst überstanden ist.
Doch die Kennzahlen für einen echten Bullenmarkt fehlen. Der hauseigene „Bull Score Index“ von CryptoQuant, der On-Chain-Daten und Marktbewertungen kombiniert, liegt derzeit bei einem Wert von 20. Damit notiert er weit unter der Schwelle von 60, die für einen nachhaltigen Aufwärtstrend notwendig wäre.
Die jüngste Rallye ist als technische Gegenbewegung innerhalb eines intakten Abwärtstrends zu werten. Zwar lassen nachlassender Verkaufsdruck und saisonale Effekte den Kurs atmen, doch die fundamentale Stärke für einen neuen, nachhaltigen Aufschwung fehlt bislang.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
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