02.03.2004 DER AKTIONÄR

Intervention macht wenig Sinn

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Trendthema

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in der vergangenen Woche zur Stärkung der amerikanischen Währung aufgerufen. In mehreren Zeitungsinterviews und im Gespräch mit dem US-Präsidenten George W. Bush forderte Schröder "internationale Aktionen" gegen die Dollar-Schwäche. Zwar wolle er nicht der Europäischen Zentralbank direkte Ratschläge unterbreiten, doch letztendlich sei sie es, die am Wechselkursverhältnis etwas ändern könnte. Diese Aussage ist nur bedingt richtig, wie das Beispiel Japan zeigt.
Die japanische Notenbank kauft seit Monaten riesige Mengen an Dollar, um die eigene Währung zu schwächen. So will man den zarten aber überaus gebrechlichen Wirtschaftsaufschwung im Land stützen. Allein im Januar 2004 warf sie einen Betrag von umgerechnet 67,6 Milliarden Dollar auf den Markt. Und so füllen sich langsam aber sicher die Geldspeicher in Tokio. Weit über 1.000 Milliarden Dollar dürften die asiatischen Notenbanken - China und Indien betreiben dieselbe Währungspolitik - inzwischen als Devisenreserven gehortet haben. Mit diesen finanzieren sie gleichzeitig die Defizite im US-Staatshaushalt und in der US-Leistungsbilanz, da sie amerikanische Staatspapiere kaufen und so der größten Volkswirtschaft der Erde Kredit geben. Die USA haben bis Ende 2003 Staatsanleihen für 15.000 Milliarden Dollar ausgegeben. Ein Drittel davon übernahmen die Japaner, ein Zehntel die Chinesen. Allerdings handelt es sich dabei nur um ein Spiel auf Zeit, da mit steigenden US-Zinsen die Kurse der Papiere sinken und einen enormen Abschreibungsbedarf erfordern.
Zudem ist die Schwäche des Dollars gegenüber dem Euro politisch gewünscht, da die Amerikaner so ihre Defizite eindämmen wollen. Wenn Japan und China als wichtigste außereuropäische Handelspartner mit Interventionen am Devisenmarkt gegen eine Aufwertung ihrer Währung arbeiten, dann bleibt letztendlich nur der Euro übrig, der die ganze Last des US-Doppeldefizits tragen muss.
Als Fazit können wir festhalten, dass ein Eingreifen der EZB in die Devisenkursverhältnisse nur Sinn macht, wenn ein übergeordneter Trendwechsel ohnehin eingeleitet ist. Beim Euro/Dollar-Verhältnis scheint mir das im Moment noch nicht der Fall zu sein, auch wenn ich mittelfristig dem Dollar durchaus Potenzial zubilligen will.

Bernd Förtsch