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19.07.2021 Fabian Strebin

DAX & Co: Rabenschwarzer Montag - Verluste an allen Fronten

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DAX

Die Furcht vor der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus in vielen Ländern der Welt hat am Montag am deutschen Aktienmarkt einen Kursrutsch ausgelöst. Der Dax verbuchte mit minus 2,62 Prozent auf 15.133,20 Punkte den größten Tagesverlust im bisherigen Jahresverlauf. Falls die Mutation auf dem Vormarsch bleiben sollte, ist Experten zufolge womöglich die gesamte globale Wirtschaftserholung in Gefahr. Zudem bleibt das Thema Inflation eine weitere Sorgenquelle.

Der Leitindex weitete mit diesem weiteren Minus seine Verluste aus der vergangenen Handelswoche deutlich aus und sackte auf das Niveau von Mai ab. Dabei hatte er noch genau eine Woche zuvor erstmals wieder seit Mitte Juni eine Bestmarke bei rund 15 807 Punkten erklommen und diese am vergangenen Mittwoch sogar nochmals leicht übertroffen. Nun aber wurden charttechnisch gesehen wichtige mittelfristige Trendlinien, - sowohl die 50-, als auch die 90-Tage-Durchschnittslinien - nach unten hin durchbrochen.

DAX (WKN: 846900)

Der MDAX fiel am Montag um 1,67 Prozent auf 33.875,24 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sackte um 2,66 Prozent auf 3.928,53 Zähler ab, und auch die wichtigsten Indizes in Paris und London büßten mehr als zwei Prozent ein. In den USA verlor der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa 2,30 Prozent. Die technologielastigen Nasdaq-Indizes gaben ebenfalls nach, - allerdings deutlich moderater.

Rund 700 Punkte Abschlag zum Rekordhoch schienen den Anlegern "noch nicht wieder attraktiv genug, um neue Positionen einzugehen", konstatierte Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Ihm zufolge wird die aktuelle Nervosität genährt von wachsenden Sorgen über das Coronavirus und weiterhin hoher Inflation. Hinzu komme die Sorge, dass das aktuelle Quartal den Zenit des Wachstums in der laufenden konjunkturellen Erholung, aber auch bei den Unternehmensgewinnen darstellen könnte. "Die Europäische Zentralbank könnte in dieser Woche zumindest zur Beruhigung der Märkte beitragen, sollte sie das Signal einer weiterhin lockeren Geldpolitik geben", sagte Stanzl.

DowJones (WKN: CG3AA2)

Branchenweit gab es in Europa nur Verlierer, wobei der Reise- und Freizeitsektor mit minus 3,6 Prozent zu den schwächsten zählte. Neue coronabedingte Einschränkungen im internationalen Flugverkehr würden die bereits stark gebeutelte Branche besonders hart treffen.

Hierzulande verloren im MDAX die Papiere der Fluggesellschaft Lufthansa rund drei Prozent, Fraport knapp fünf Prozent und die Anteilscheine des Flugzeugbauers Airbus als Index-Schlusslicht etwas mehr als sechs Prozent. Im Dax büßten die Aktien des Triebwerkherstellers MTU genau sechs Prozent ein. In den hinteren Börsenreihen ging es für die Papiere des Tourismuskonzerns Tui um mehr als vier Prozent nach unten. Neben den Sorgen um die Delta-Variante belasteten auch steigende Fallzahlen und eine nachlassende Wirksamkeit der Impfstoffe die Zuversicht schwer, hieß es.

Zudem machten die Anleger einen Bogen um die besonders konjunktursensiblen Stahlwerte: So fielen Thyssenkrupp um etwas mehr als fünf Prozent, Salzgitter um fast vier Prozent und Klöckner & Co um 7,5 Prozent.

Im DAX wiederum verzeichneten alle 30 Werte Verluste. Einbußen von fast vier Prozent erlitten dabei die Aktien von RWE und Allianz , die beide von der Flutkatastrophe betroffen sind.

Bechtle konnten sich mit minus 0,2 Prozent recht gut gegen den allgemeinen Abwärtstrend an den Märkten stemmen. Dank der konjunkturellen Erholung nach dem Corona-Schock sieht sich der IT-Dienstleister weiter auf Kurs zu seinen Jahreszielen. "Die positive Entwicklung zum Jahresauftakt hat sich im zweiten Quartal fortgesetzt", sagte Vorstandschef Thomas Olemotz der "Börsen-Zeitung". Die Anhebung der Umsatzprognose für das Gesamtjahr half zudem der Aktie des Bahntechnik-Unternehmens Vossloh seine Tagesverluste auf 2,5 Prozent zu begrenzen.

Der Euro stieg und kostete am frühen Abend 1,1805 US-Dollar. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1766 (Freitag: 1,1802) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8499 (0,8473) Euro. Am Anleihemarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,41 Prozent am Freitag auf minus 0,43 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,09 Prozent auf 145,77 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,26 Prozent auf 175,46 Punkte

Mit Material von dpa-AFX.

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