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Wasser: Ein lebenswichtiger Rohstoff ohne Weltmarktpreis – KI macht ihn investierbar

Wasser: Ein lebenswichtiger Rohstoff ohne Weltmarktpreis – KI macht ihn investierbar
Foto: kubais/Shutterstock
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Ingo Nix Heute, 09:50 Ingo Nix
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Öl hat Brent, Kupfer hat die LME, Strom hat die EEX. Wasser hat Gebühren, Konzessionen und Entnahmerechte – politisch gesetzt, lokal verschieden, vielerorts bei null. Es ist der einzige Rohstoff dieser Größenordnung, für den es keinen Weltmarktpreis gibt. Wer im Wassersektor auf Knappheitspreise wartet, wartet deshalb auf ein Signal, das das System gar nicht sendet.

Entnahme ist nicht Verbrauch

Vor jeder Zahl steht eine Unterscheidung, an der die halbe öffentliche Debatte scheitert. Entnommen ist alles, was dem Gewässer entzogen wird; verbraucht nur der Teil, der nicht zurückkehrt, weil er verdunstet oder in ein Produkt eingeht. Ein Kraftwerk am Fluss entnimmt gewaltige Mengen und gibt fast alles wieder ab. Nach Entnahme führen die Kraftwerke die Statistik an, nach Verbrauch die Landwirtschaft – beide Sätze stimmen, sie messen nur nicht dasselbe. Für den Investmentfall folgt daraus eine klare Regel: Investierbar ist fast ausschließlich der Verbrauch und seine Vermeidung. Wo Wasser zurückkommt, entsteht kein Markt für Aufbereitung. Wo es verdunstet, entsteht einer.

Drei Länder, drei sinkende Kurven

Die Mengen sprechen gegen die Erzählung von der wachsenden Knappheit. Die Vereinigten Staaten entnehmen nach Erhebung des US-Geologischen Dienstes (USGS) rund 322 Milliarden Gallonen pro Tag, den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen. In Deutschland fielen die Entnahmen von Energie, Bergbau und verarbeitendem Gewerbe von 41,3 Milliarden Kubikmetern im Jahr 1991 auf 12,1 Milliarden im Jahr 2022 – ein Minus von mehr als 70 Prozent. China deckelt seinen Verbrauch seit dem Jahr 2011 per Dekret und kam im Jahr 2025 auf rund 594 Milliarden Kubikmeter, ganze 1,65 Milliarden mehr als im Vorjahr. Nirgends steigt die Menge. Überall verschiebt sie sich – räumlich und zwischen den Sektoren.

Ein Gigawatt Rechenleistung ist ein Gigawatt Heizleistung

Am schnellsten verschiebt sie die Künstliche Intelligenz, und zwar aus einem physikalischen Grund: Nahezu die gesamte elektrische Leistung, die in ein Rechenzentrum hineingeht, verlässt es als Wärme. Ein Rechenzentrum kühlt dabei nicht mit Wasser, es kühlt mit dem Verdampfen von Wasser – deshalb ist das entnommene Wasser danach nicht verschmutzt, es ist weg, in der Atmosphäre. Bis zu 85 Prozent der Entnahme kehren nicht in den lokalen Kreislauf zurück.

Die drei Töpfe, von denen nur einer diskutiert wird

Der KI-Wasserfußabdruck zerfällt in drei Teile. Rund ein Viertel entfällt auf die Kühlung vor Ort, rund zwei Drittel auf die Kraftwerke, die den Strom liefern, der Rest auf die Chipfertigung, in der ultrareines Wasser Prozessmedium ist. Amerikanische Rechenzentren verbrauchten im Jahr 2023 nach Rechnung des Lawrence Berkeley National Laboratory 17,4 Milliarden Gallonen direkt für die Kühlung – und rund 211 Milliarden indirekt über den Strom. Wer nur den ersten Topf betrachtet, sieht nach amerikanischer Rechnung weniger als ein Zehntel des Problems.

Die drei Töpfe des KI-Wasserfußabdrucks
Quelle: Internationale Energieagentur (IEA), Lawrence Berkeley National Laboratory, eigene Berechnungen
Die drei Töpfe des KI-Wasserfußabdrucks

Jede Wasserersparnis kostet Strom

Daraus folgt ein Zielkonflikt, den kein Betreiber auflöst. Verdunstungskühlung kostet 1,00 bis 2,50 Liter je Kilowattstunde, drückt aber den Stromverbrauch. Trockenkühlung spart das Wasser und verlagert es ins Kraftwerk. Nur die geschlossene Flüssigkühlung direkt am Chip löst beides zugleich, mit unter 0,05 Litern je Kilowattstunde – und sie kommt ohnehin, weil ein KI-Rack mit 100 Kilowatt sich mit Luft physikalisch nicht mehr kühlen lässt. Der übersehene fünfte Weg ersetzt Wasser gar nicht, er tauscht es aus: geklärtes Abwasser, Brackwasser, Grubenwasser aus stillgelegten Bergwerken. Dort, in der Aufbereitung, sitzt die Zahlungsbereitschaft – nicht beim Rohstoff.

Jede Wasserersparnis kostet Strom
Quelle: ISO/IEC, Google, Microsoft, Equinix, eigene Berechnungen
Jede Wasserersparnis kostet Strom

Veolia: Der konkreteste Fall im Sektor

Von allen Werten, die dieses Thema abbilden, liefert Veolia die einzige belastbare Zahl. Der Konzern beziffert die Erlöse aus KI-nahen Industrien – Rechenzentren und Chipfertigung – auf 560 Millionen Euro im Jahr 2025 und will sie bis zum Jahr 2030 auf rund eine Milliarde Euro steigern. Kein anderer europäischer Wasserwert hat sich derart festgelegt, und genau das macht die These überprüfbar statt erzählbar.

Dahinter steht ein Geschäftsmodell im Umbau. Veolia betreibt Wasser- und Abfallinfrastruktur, verkauft aber zunehmend Technologie – also genau jene Aufbereitung, die Ersatzwasserquellen für Rechenzentren überhaupt erst nutzbar macht. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz auf 22,19 Milliarden Euro, das EBITDA um 5 Prozent auf 3,55 Milliarden Euro, der Nettogewinn um knapp vier Prozent auf 682 Millionen Euro. Wachstumstreiber waren ausdrücklich das Wassergeschäft und höhere Preise; die Jahresprognose wurde auf mindestens acht Prozent Zuwachs beim bereinigten Nettogewinn angehoben.

Der zweite Strang ist regulatorisch getrieben. Die Initiative gegen PFAS und neue Schadstoffe soll von 259 Millionen Euro im Jahr 2025 auf eine Milliarde Euro bis zum Jahr 2030 wachsen. Das ist derselbe Mechanismus wie beim Rechenzentrum: Nicht Knappheit erzeugt den Umsatz, sondern eine Vorschrift, die Wasser unbrauchbar macht, bis es jemand behandelt.

Mit rund 40 Prozent Umsatzanteil im Wassergeschäft ist Veolia kein Reinwert, das Geschäft ist kapitalintensiv, und ein erheblicher Teil hängt an Konzessionen mit politisch gesetzten Preisen – also an derselben fehlenden Preisbildung, die den ganzen Sektor bremst. Die KI-Erlöse machen zudem gut ein Prozent des Konzernumsatzes aus. Wer Veolia kauft, kauft einen Infrastrukturbetreiber mit einer wachsenden Technologieoption, keinen KI-Wert.

Veolia Environnement (WKN: 501451)

Vom Gigawatt zum Zertifikat

Am Anfang steht ein physikalischer Satz, am Ende ein Wertpapier, und dazwischen liegt eine Kette, die sich lückenlos schließen lässt. Ein Gigawatt Rechenleistung ist ein Gigawatt Heizleistung. Diese Wärme muss weg, und sie kostet entweder Wasser vor Ort oder Wasser im Kraftwerk – ein Drittes gibt es nicht. Damit ist Wasser für ein Rechenzentrum keine Nachhaltigkeitsposition, sondern ein Betriebsmittel mit Genehmigungsvorbehalt.

Genau deshalb fallen ökologischer Nutzen und betriebswirtschaftliche Logik hier so sauber zusammen wie selten sonst. Jeder eingesparte Kubikmeter beseitigt zugleich eine Kostenposition und ein Genehmigungsrisiko. Ein Betreiber, der in Arizona keine Entnahmegenehmigung bekommt, baut kein Rechenzentrum; in Tucson scheiterte ein Projekt bereits an genau dieser Frage. Umweltschutz ist an dieser Stelle keine freiwillige Zusatzleistung, sondern die Voraussetzung des Betriebs – und was Voraussetzung des Betriebs ist, wird bezahlt.

Bezahlt wird allerdings nicht der Rohstoff, sondern die Technik, die ihn ersetzt, aufbereitet oder erst gar nicht verdunsten lässt. Wer das Thema über Einzelwerte spielt, kauft das Auftragsbuch – und trägt das volle Einzelwertrisiko. Wer es breiter abbilden will, kommt an zwei Fragen nicht vorbei: Wo wird der große Topf adressiert, und wo greift derselbe Mechanismus in einem anderen Stoffkreislauf?

Die erste Frage führt zum Strom. Rund zwei Drittel des KI-Wasserfußabdrucks entstehen nicht im Rechenzentrum, sondern im Kraftwerk dahinter – und jede Kilowattstunde aus Wind oder Sonne ist zugleich eine Kilowattstunde, die dort kein Wasser verdunsten lässt. Der Umbau des Kraftwerksparks war, ohne dass es je das Ziel gewesen wäre, das größte Wassersparprogramm der Industriegeschichte. DER AKTIONÄR Save the World Index® (ISIN: DE000SLA9709) versammelt genau jene Unternehmen, die einen großen Teil ihrer Umsätze bereits mit umweltfreundlichen Technologien erzielen. Er ist damit, ohne den Begriff im Namen zu tragen, das breiteste verfügbare Abbild des größten Topfes dieser Rechnung.

Save the World Index (WKN: SLA970)

Die zweite Frage führt zum Abfall. DER AKTIONÄR Zero Plastic Index® (ISIN: DE000SL0D5T9) bündelt europäische Unternehmen aus Recycling und nachhaltiger Verpackung – mit Veolia als direkter Schnittmenge zu diesem Bericht. Das ist kein Zufall, sondern dieselbe Mechanik in einem anderen Stoffkreislauf.

Zero Plastic Index (WKN: SL0D5T)

Bleibt der Satz, auf den sich alles zurückführen lässt: Die Wärme muss weg, und sie kostet Wasser – hier oder dort. Die Wertschöpfung entsteht dabei nicht beim knappen Rohstoff, sondern bei dem, der ihn wieder verwendbar macht. Wer die Wasserthese verstanden hat, hat den Umweltgedanken gleich mitverstanden.

DER AKTIONÄR bleibt weiterhin zuversichtlich gestimmt für Veolia. Das Kursziel liegt bei 44 Euro mit einem Stopp bei 28 Euro. 

Die Informationen zu den beiden Indexzertifikaten finden Sie hier:

Der AKTIONÄR Save the World Index® (ISIN: DE000SLA9709)

DER AKTIONÄR Zero Plastic Index® (ISIN: DE000SL0D5T9)


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