Während sich der DAX im Zuge freundlicher Daten beim Ifo-Geschäftsklima und etwas niedrigerer Ölpreise am Dienstagvormittag immer weiter nach oben arbeitet, notiert die Aktie des früheren Vorzeige-Konzerns Volkswagen mit Verlusten am DAX-Ende. Am Vormittag ist die Betriebsversammlungs-Tour in Wolfsburg gestartet.
Bei Volkswagen brodelt es: In Wolfsburg startete die Betriebsversammlungs-Tour, bei der Konzernlenker Oliver Blume der verunsicherten Belegschaft endlich Klartext zum harten Sparprogramm liefern soll. Zuvor hatten Mitarbeiter dem Management vorgeworfen, sie mit dürftigen Informationen und schlechter Kommunikation im Dunkeln zu lassen.
Blume selbst ließ intern schon vor dem Termin aufhorchen: Der Wolfsburger Riese sei schlicht „überdimensioniert“ – das mache den Autobauer träge und schwerfällig. Sein Fahrplan: ein neues Zukunftskonzept mit dem Titel „Zielbild 2030“, verbunden mit einem noch schärferen Rotstift. Die Folge: An mehreren deutschen Standorten geht die Angst um, konzernweit stehen sogar bis zu 50.000 Jobs zur Disposition.
Besonders brisant sind die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm. Eine Schließung nannte Blume zwar die „letzte Option“, die er unbedingt vermeiden wolle – doch eine wettbewerbsfähige Auslastung für die Zeit nach 2030 sieht er dort aktuell nicht. Die Unruhe dürfte anhalten: In den kommenden Tagen stehen acht weitere Betriebsversammlungen an, unter anderem in Braunschweig, Chemnitz, Dresden, Kassel-Baunatal, Salzgitter sowie erneut in Emden, Zwickau und Hannover.
Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat das Kursziel für Volkswagen zuletzt um einen weiteren Euro auf 88 Euro reduziert, das Votum lautet nach wie vor „Neutral“. Die außerordentliche Hauptversammlung der Wolfsburger könnte zum Inkubator der Restrukturierungsverhandlungen werden, so Analyst Christian Frenes.
Die Aktie von Volkswagen verliert derzeit 0,8 Prozent auf 73,20 Euro. Wichtig ist, dass das Juli-Tief bei 69,20 Euro nicht unterschritten wird. Die Aufgabe von Konzernchef Blume ist keine einfache, die Marke VW zu alter Stärke im globalen Automobilmarkt zu führen. Sowohl fundamental als auch charttechnisch drängt sich beim DAX-Titel derzeit kein Einstieg auf. Laufende Empfehlungen des AKTIONÄR im Autosektor sind derzeit BMW und Ferrari.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..
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