Der beste Goldmonat seit Januar endete am vergangenen Freitag mit Kursverlusten. Ausgelöst hat den Rücksetzer nicht der Krieg am Golf, sondern der neue Fed-Chef – und der 4. September entscheidet, ob die Korrektur anhält.
9,6 Prozent legte Gold im August zu, der beste Monat seit Januar. Dann kam der vergangene Freitag: über drei Prozent Verlust auf 4.455 Dollar je Feinunze, der schwerste Tagesverlust seit dem 10. Juni. Aktuell notiert das Metall bei rund 4.430 Dollar.
Warsh: Drei Wörter, die den Markt drehen
Auslöser war die erste große Rede des neuen Notenbankchefs Kevin Warsh in Jackson Hole. Er blieb bei seiner Linie, keine Vorabfestlegung zu geben, sagte aber, die Fed habe „work to do“, falls sie nicht überzeugt sei, dass die zugrunde liegende Inflation zum Zwei-Prozent-Ziel zurückkehrt. Es ist die deutlichste Andeutung einer Zinserhöhung, die er bisher gemacht hat. Der Terminmarkt reagierte sofort: Die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung im September sprang laut CME FedWatch von rund 36 auf knapp 64 Prozent.
Gold zahlt weder Zins noch Dividende. Sein Preis hängt daran, was der Anleger aufgibt, wenn er statt einer Staatsanleihe eine Unze hält – an der Realrendite also, dem Zins nach Abzug der Inflation. Steigt die Leitzinserwartung, steigt die Realrendite, und die Opportunitätskosten laufen gegen das Metall. Der Markt hatte den ganzen Sommer Senkungen eingepreist und muss nun das Gegenteil verarbeiten.
Iran: Die Eskalation, die nicht hilft
Bemerkenswert ist, was gleichzeitig nicht geschah. US-Streitkräfte griffen iranische Raketenstellungen nahe der Straße von Hormus an, die erste Eskalation seit Juli – und der sichere Hafen fiel trotzdem. Der Grund liegt im Ölpreis: Die Eskalation treibt Rohöl nach oben, verschärft das Inflationsproblem und stützt damit ausgerechnet die Zinserwartung, gegen die Gold gerade verliert.
Marktstimmen: Was Analysten jetzt sehen
Ricardo Evangelista, Senior Analyst bei ActivTrades, nennt die Bedingung für eine Rückkehr über 4.600 Dollar präzise: einen schwachen US-Arbeitsmarktbericht und Entspannung am Persischen Golf, damit Renditen und Dollar nachgeben. Rajeev De Mello von GAMA Asset Management nennt die hawkishe Wende überraschend und erwartet anhaltenden Gegenwind.
Die Notenbanknachfrage läuft unabhängig vom Tageszins weiter, und das Angebot verengt sich: Ghana stoppt ab September die Ausfuhr unraffinierten Goldes. Die Jahresendziele der Häuser liegen überwiegend über dem heutigen Kurs – UBS bei 4.600 Dollar, Citi bei 4.500 Dollar im Q4, die Commerzbank bei 5.000 Dollar, Goldman Sachs nach der Kürzung im Juni bei 4.900 Dollar. Nur der World Gold Council sieht Gold im zweiten Halbjahr seitwärts um 4.100 Dollar.
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Der Goldsommer ist nicht beendet, steht aber unter Vorbehalt. Die Korrektur kommt aus der Zinserwartung, nicht aus der Substanz des Marktes. Die wichtigsten Termine dieser Woche: ISM Industrie und JOLTS am 1. September, ADP am 2. September, ISM Dienstleistungen am 3. September und der US-Arbeitsmarktbericht am 4. September.
Fällt der Arbeitsmarktbericht schwach aus, kippt die September-Wahrscheinlichkeit zurück und der Weg über 4.600 Dollar ist frei.
Gold ist fast immer eine gute Depotbeimischung, der Best of Gold Miners Index hat sich seit der Auflegen gut verdreifacht.
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