Visa rückt neu in die Top-50-Kaufliste für Large Caps von Oppenheimer auf, JPMorgan bleibt als einzige Großbank drin. Bank of America, Morgan Stanley, Goldman Sachs und Citigroup fliegen raus – kurz nachdem alle vier ihre Quartalszahlen vorgelegt haben. Die beiden Werte stehen für zwei Wege, im Finanzsektor Geld zu verdienen: Gebühren ohne Kreditrisiko und die stärkste Bilanz der Branche.
Visa-Aktie und JPMorgan-Aktie: Warum gerade diese zwei?
Visa verleiht kein Geld. Der Konzern verdient an jeder Kartenzahlung mit, das Ausfallrisiko trägt die Bank, die die Karte ausgibt. In den vergangenen zwölf Monaten setzte Visa 44,49 Milliarden Dollar um, 14,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. JPMorgan ist das Gegenstück: Die Bank trägt das Kreditrisiko selbst, verdient damit aber mehr als jede andere US-Bank. Im dritten Quartal stieg der Gewinn um sechs Prozent auf 15,31 Milliarden Dollar, die Rendite auf das materielle Eigenkapital lag bei 20 Prozent.
Der Quartalsbericht von JPMorgan hatte aber einen Haken. Der Anleihehandel schrumpfte um vier Prozent, der Gewinn je Aktie blieb mit 5,57 Dollar unter den Erwartungen von 5,92 Dollar, und die Aktienrückkäufe fuhr JPMorgan von 6,70 Milliarden auf 1,06 Milliarden Dollar zurück. Visa ist nach dem Rekordlauf mit dem 27-Fachen der erwarteten Gewinne nicht billig, dazu wirbt Donald Trump für einen Gesetzentwurf zu Kreditkartengebühren, der die Macht der Netzwerke beschneiden könnte. Die Logik dahinter: Oppenheimer wettet nicht gegen Banken, sondern auf Qualität – und zahlt bei Visa dafür einen sichtbaren Aufpreis.
Visa schloss gestern bei 402,92 Dollar auf Rekordniveau, 0,45 Prozent unter dem Intraday-Hoch von 404,74 Dollar, dem nächsten Widerstand. Mit dem Sprung über die obere Linie des Trendkanals seit März hat sich der Anstieg beschleunigt, der Relative-Stärke-Index von 74 deutet auf eine überhitzte Lage hin. Erste Unterstützung ist das Augusthoch um 385 Dollar, darunter die 50-Tage-Linie bei 373 Dollar. Über der 200-Tage-Linie bei 339 Dollar liegt Visa rund 19 Prozent. Fällt Visa unter 385 Dollar, wäre der Ausbruch vorerst vertagt.
Visa legt am 27. Oktober nach US-Börsenschluss die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal vor.
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