Nicht schon wieder. Kurz vor dem nächsten wichtigen Meilenstein stolpert Boeing bei der 737 Max über ein neues Problem. Diesmal steckt der Fehler in der Software. In einem bestimmten Landeszenario droht das automatisierte Flugführungssystem auszufallen. Die Aktie kämpft bereits mit Gegenwind – jetzt drohen neue operative Verzögerungen. Die Boeing 737 Max 10 wartet nämlich noch auf ihre Zulassung.
Betroffen sind 737-Max-Maschinen mit den Software-Versionen 14 und 14.1. Wird ein Landeanflug abgebrochen und anschließend die programmierte Flugroute geändert, kann die automatische Vertikalnavigation VNAV ausfallen. Die Piloten müssen dann auf einige Funktionen des Autopiloten verzichten und stärker manuell eingreifen. Gerade auf geringer Flughöhe sind die Piloten ohnehin stark gefordert und werden dadurch zusätzlich belastet, geben Branchenvertreter zu bedenken.
Boeing kennt das Problem seit November 2024. Zunächst schien es laut Unternehmensangaben die internen Kriterien für eine Sicherheitsüberprüfung allerdings nicht zu erfüllen. Erst weitere Meldungen von Betreibern brachten Bewegung in die Sache. Im September 2026 leitete der US-Konzern eine formelle Sicherheitsprüfung ein und übermittelte deren Ergebnisse an die FAA. GE Aerospace, Entwickler der Software, arbeitet nach eigenen Angaben mit Boeing und der US-Luftfahrtbehörde zusammen.
„Im vergangenen Monat haben wir alle Betreiber der 737 über den Softwarefehler informiert“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens. Die Betreiber wissen um bestehende Verfahren, mit denen Piloten solche Situationen sicher bewältigen können. Alle Piloten seien darin geschult, ein Flugzeug auch ohne VNAV sicher zu landen. Ein akutes Sicherheitsproblem erkennt der US-Flugzeugbauer nicht. Trotzdem soll nachgebessert werden: "Unsere Ingenieure arbeiten an einem Software-Update, das das Problem dauerhaft beheben soll“, so der Boeing-Sprecher. Ursprünglich war dieses für 2028 vorgesehen. Nun soll es schneller kommen.
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FAA könnte Max 10 erneut ausbremsen
Jetzt entscheidet sich bei der FAA, ob aus dem Softwarefehler ein größeres Zulassungsproblem wird. Die US-Luftfahrbehörde prüft den Fall gemeinsam mit Boeing und den Airlines. Sollte sie bei ihrer Untersuchung ein Sicherheitsrisiko feststellen, werde sie "unverzüglich Maßnahmen ergreifen". Beispielsweise könnten zusätzliche Änderungen der Software, Tests oder Auflagen angeordnet werden.
Der Zeitpunkt ist denkbar schlecht. Erst am 3. August wurde die 737 Max 7 nach jahrelanger Prüfung zugelassen – mit der betroffenen Software. Nun könnten die Auslieferungen schon wieder gebremst werden. Wie das Wall Street Journal zuerst berichtete, wollen Southwest Airlines und United Airlines zumindest vorerst keine neuen Maschinen mit den betroffenen Software-Versionen übernehmen. Die Max-Flotten, die bei ihnen derzeit im Einsatz sind, nutzen diese Versionen wohl nicht.
Noch heikler ist die Angelegenheit für die 737 Max 10, die laut dem letzten Quartalsbericht 31 Prozent der 4.397 offenen Bestellungen für die 737-Familie ausmacht. Sie wartet noch auf grünes Licht. Mitte September erklärte Boeing-Chef Kelly Ortberg, dass die Zulassung "sehr bald" bevorstehe. Doch nun könnte sie sich weiter verzögern, wenn die laufende Sicherheitsprüfung der FAA Nachbesserungen erforderlich macht.
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