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Walmart vor den Zahlen: Warum ein gutes Quartal diesmal nicht reicht

Walmart vor den Zahlen: Warum ein gutes Quartal diesmal nicht reicht
Foto: Shutterstock
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Ingo Nix Heute, 11:40 Ingo Nix
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Am Donnerstag, dem 20. August, legt Walmart vor US-Handelsstart die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor. Die Frage lautet nicht, ob das Quartal gut wird, sondern ob gut noch reicht. Im ersten Quartal wuchs der Umsatz im Jahresvergleich um 7,3 Prozent, der Nettogewinn um 18,8 Prozent auf 5,33 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so schnell. Dahinter stehen Geschäfte, die kaum Ware bewegen: Werbeplätze mit 37 Prozent Wachstum, Mitgliedsbeiträge mit 17,4 Prozent, der Marktplatz fremder Händler. Ein Händler mit einer Spanne von wenigen Prozent verkauft zunehmend die Schaufeln im eigenen Laden – im Kurs ist dieser Umbau bereits bezahlt.

Kann der Werbemarkt weiter punkten?
Quelle: Walmart, eigene Berechnungen
Kann der Werbemarkt weiter punkten?

Walmarts Werbegeschäft steht in keiner Umsatzzeile – und trägt trotzdem ein Drittel des operativen Gewinns.

Mit dem Verkauf der Ware verdient Walmart wenige Cent je Dollar. Die zweite Einnahmequelle ist deutlich lukrativer: Der Konzern vermarktet seine Kunden ein zweites Mal – als Publikum. Wer nach Kaffee sucht, sieht oben die Marke, die dafür bezahlt hat. Über Warenkorb und Kassenbon sieht Walmart anschließend, ob der Kunde tatsächlich zugegriffen hat. Der Werbekunde kauft also keine Reichweite, sondern den Beleg für den Verkauf.

In der Gewinn- und Verlustrechnung taucht dieses Geschäft nicht separat auf: Je nach Vertrag wird es im Umsatz oder als Minderung der Wareneinsatzkosten verbucht. Sichtbar wird es nur in der Bruttomarge – deshalb ist der Satz „Verbesserung aus dem Geschäftsmix“ im Quartalsbericht die wichtigste Fußnote des Konzerns. Im Geschäftsjahr 2026 lag das globale Werbegeschäft bei knapp 6,4 Milliarden Dollar. Gemessen am Umsatz sind das keine 0,9 Prozent, gemessen am Gewinn trugen Werbung und Mitgliedschaft im Schlussquartal zusammen rund ein Drittel des operativen Ergebnisses.

Vizio steckt inzwischen in beiden Vergleichszeiträumen – der Zukauf vom Dezember 2024 ist aus der Basis heraus. Was an Wachstum übrig bleibt, ist das Geschäft selbst. Kehrt Walmart Connect über die 40-Prozent-Marke zurück und nennt der Konzern beim Bruttomargen-Kommentar erneut den Geschäftsmix, kommt das Geld unten an.

Der Kunde kauft – die Handelsspanne bröckelt

Die US-Einzelhandelsumsätze lagen von Mai bis Juli 6,3 Prozent über dem Vorjahreszeitraum und damit rund einen Prozentpunkt über dem, was der Markt Walmart für das Quartal zutraut. Zugleich gaben die Handelsspannen im Erzeugerpreisindex für Juli um 0,1 Prozent nach, während die Kernrate (ohne Handel) um 0,4 Prozent anzog: Die Kosten der Lieferkette steigen, werden aber noch abgefedert. Walmarts Bruttomarge lag zuletzt bei 24,3 Prozent – ein schmaler Grat für die Erzählung vom besseren Geschäftsmix.

Handelsspanne gegen Kostenquote
Quelle: Quelle: Google, eigene Berechnungen
Handelsspanne gegen Kostenquote

Wenn Prognose und Konsens übereinanderliegen

Der Marktkonsens erwartet 0,74 Dollar je Aktie nach 0,68 Dollar im Vorjahr und einen Umsatz von rund 186,8 Milliarden Dollar. Walmart selbst hatte im Mai 2026 0,72 bis 0,74 Dollar angekündigt. Prognose und Erwartung liegen übereinander – die unangenehmste aller Ausgangslagen, weil nichts zu gewinnen ist, wenn Walmart genau das liefert, was versprochen war.

Target berichtet einen Tag früher, am 19. August, und kam im jüngsten Quartal auf 5,6 Prozent Wachstum auf vergleichbarer Fläche. Walmart kam in den USA – allerdings ohne Kraftstoffe – auf 4,1 Prozent. Beide waren im Plus, doch bei Target fiel das operative Ergebnis um 22,9 Prozent. Der Rückgang ist allerdings ein Basiseffekt: Im Vorjahreswert steckten einmalige Erträge aus Vergleichen zu Interchange-Gebühren, bereinigt legte Targets operatives Ergebnis um 29,1 Prozent zu. Wachstum lässt sich im Einzelhandel kaufen; die Frage ist, was es in der Marge kostet.

Walmart (WKN: 860853)

Fazit

Drei Schwellen entscheiden am Donnerstag: Flächenumsätze über 4,0 Prozent, getragen von mehr Kundenbesuchen statt höheren Preisen; Onlinewachstum von mindestens 20 Prozent sowie die Jahresprognose. Sie steht bei 2,75 bis 2,85 Dollar je Aktie, der Konsens liegt mit 2,89 Dollar darüber. Nur eine Anhebung würde Auftrieb für die Aktie bringen, eine Bestätigung wäre eingepreist. Entscheidend werden auch die Bruttomarge und der Ton des Ausblicks. 

DER AKTIONÄR hat eine laufende Empfehlung für Walmart mit einem Kursziel von 120 Euro und einem Stopp bei 90 Euro.


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