22.05.2019 Jochen Kauper

Zetsche tritt ab- Generationswechsel an der Daimler-Spitze – schwerer Job für Källenius – was macht die Aktie?

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Nach 13 Jahren und knapp fünf Monaten an der Spitze des Autobauers endet nach der Hauptversammlung am Mittwoch (22. Mai) die Ära Zetsche bei Daimler - und der Schwede Ola Källenius, bislang Entwicklungschef und schon lange Kronprinz in Stuttgart-Untertürkheim, ist am Zug.

Viel gesagt hat Zetsche nicht in all den Monaten, seit sein Abschied angekündigt wurde, immerhin aber, dass er mit sich "total im Frieden" sei. Mit dem 66-Jährigen mit dem markanten Schnauzbart, zwischendurch auch mal als "Dr. Z" unterwegs, geht auch das Gesicht von Daimler. Der promovierte Ingenieur ist seit mehr als 40 Jahren im Unternehmen und selbst zur Marke geworden.

Er hat den Konzern umgekrempelt, ihm die Krawatten ab- und die Sneakers zur Jeans angewöhnt. "Er hat eine Perle daraus gemacht", sagt der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Daimler ist jetzt hip, der Rentner-Benz passé. Passé sind erst einmal aber auch die Rekorde, die Zetsche noch vor einem Jahr verkünden konnte.

Danach zeigte der Handelsstreit zwischen China und den USA Wirkung, dazu kamen Kosten etwa für Dieselrückrufe, Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP und nur noch ein ganz knappes Plus bei den Autoverkäufen. Die Folge: 2018 musste der Konzern einen herben Gewinneinbruch verbuchen. Und weil weiter viel Geld in den Aufbruch ins Elektro-Zeitalter fließt, gleichzeitig aber die Verkaufszahlen bei den aktuellen Modellen nun richtig schwächeln, lief auch der Start ins Jahr 2019 eher mies. So scheidet Zetsche ohne neue Rekordzahlen aus dem Amt, was aber, so hat er es jedenfalls gesagt, weder für Daimler noch für ihn selbst eine Rolle spiele. Auch Dudenhöffer sieht die Leistung Zetsches dadurch nicht geschmälert. "Alle haben momentan Schwierigkeiten, ihre Renditen zu erreichen", merkt er an. Von einer Amtszeit mit vielen Höhen und Tiefen spricht Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht.

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Aber: "Insgesamt, glaube ich, haben wir eine sehr gute Entwicklung in den letzten Jahren gehabt." "Gegenmaßnahmen" hat Zetsche noch angekündigt, aber wie die im Detail aussehen sollen, muss jetzt Källenius sagen. Und er wird ein Kartellverfahren der EU und vor allem den Dieselskandal erben. Auch in Mercedes-Fahrzeugen soll es bei der Abgasreinigung nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Es gibt Ermittlungen, ein Bußgeldverfahren. Zudem müssen Hunderttausende Mercedes-Diesel für Software-Updates in die Werkstatt. Wie seine Agenda aussieht, lässt Källenius bislang offen. So wenig Zetsche bislang über seinen Abschied gesagt hat, so wenig spricht Källenius über seinen Antritt - öffentlich jedenfalls. Anfang der Woche war es zwar wieder er, der Daimlers Nachhaltigkeitsstrategie präsentierte - was sich dann als Abkehr vom reinen Verbrenner-Antrieb bis zum Jahr 2039 entpuppte. Zu sich selbst und zum bevorstehenden Wechsel ganz nach oben aber wie üblich: kein Wort. Dass der 49-Jährige jetzt alles anders macht, ist aber nicht zu erwarten. "Ola Källenius ist ja nicht neu", sagt Brecht. "Es ist nicht so, als wenn da jetzt jemand vom Himmel fällt und wir nicht wüssten, wie er tickt."

Källenius: Ein Mann der Zahlen

Anders als Zetsche ist der Schwede kein Ingenieur, sondern von seiner Ausbildung her eher ein Mann der Zahlen. Was die Strategie angeht, heißt es, lägen die Ansichten der beiden aber dicht beieinander. "Er ist keiner, der mit Benzin im Blut auf die Welt gekommen ist. Aber da hat er sich über seine vielen Funktionen richtig gut reingearbeitet", lobt der Betriebsratschef. Zetsche selbst hat seinen jetzigen Nachfolger schon vor Jahren einen "echten Car Guy" genannt.

Källenius wird eigene Akzente setzen wollen und müssen, die groben Linien inklusive eines kompletten Umbaus des Konzerns sind aber klar. Alles Wichtige der vergangenen Monate hat er ohnehin mitentschieden. Er ist derjenige, der all die jüngst vereinbarten Kooperationen etwa mit dem chinesischen Großinvestor Geely beim Kleinwagen Smart oder mit dem Konkurrenten BMW bei der Entwicklung des autonomen Fahrens jetzt mit Leben füllen muss. Eine kleinen Vorgeschmack darauf, was er mit dem Autobauer anstellen wird gab Källenius bereits vor wenigen Tagen: In rund 20 Jahren soll die komplette Neuwagen-Flotte von Daimler CO2-neutral sein. Ehrgeizige Ziele, die der designierte Daimler-Chef Ola Källenius vor Journalisten in Sindelfingen vorstellte. „Ambition 2039“ wurde die Nachhaltigkeitsstrategie von Daimler getauft.

Erstes Etappenziel: Im Jahr 2030 soll jedes zweite Auto elektrisch angetrieben werden. Sei es via Elektro- oder via Hybridantrieb.

Aktie unter Druck

Was die Aktie betrifft, so musste das Papier aufgrund des Handelskonflikts zwischen den USA und China Federn lassen. Die letzte Ausbruchslinie bei 57,36 Euro wurde nach unten durchbrochen. Auch die Unterstützungszone zwischen 56,45 Euro und 54,75 Euro hat nicht gehalten. Auf dem aktuellen Niveau sollte sich die Daimler-Aktie einpendeln. Hier können Anleger erste vorsichtige Käufe vornehmen. Zeichnet sich eine Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China ab, sollte sich die Daimler-Aktie schnell wieder erholen.