26.01.2020 Martin Mrowka

Wie stark wirkt sich die Virus-Epidemie auf den DAX aus?

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DAX
Trendthema

Der neue Coronavirus lähmt China. Fast 60 Millionen Menschen sitzen dort in ihren Städten fest. Hierzulande sind keine unmittelbaren Auswirkungen zu spüren. Auch die Aktienmärkte streben vorerst weiter aufwärts. Lediglich wenn die chinesische Wirtschaft in ein paar Quartalen leiden sollte, könnte sich das auf die Weltwirtschaft und auch auf Europa auswirken. In der neuen Woche dürfte auch die auf einen Höhepunkt zusteuernde Berichtssaison in den USA im Fokus stehen.

Der DAX muss sich in der neuen Woche an seinem nach oben geschraubten Rekordhoch messen lassen. Börsianer blicken gespannt darauf, ob der deutsche Leitindex die am Mittwoch erreichten 13.640 Punkte in den Schatten stellen kann. Die Angst vor einer globalen Ausbreitung des Virus könnte neue Käufe hemmen. Charttechnisch betrachtet glauben die Experten von Index-Radar, dass eine Richtungsentscheidung bald fallen dürfte.

Im Wochenverlauf hatte der DAX ein neues Rekordhoch erklommen bei 13.640 Punkten. Ins Wochenende ging der Leitindex dann bei 13.576 Punkten. Auf Wochensicht schaffte er so noch ein kleines Plus von 0,4 Prozent. Auch der MDAX der mittelgroßen Werte kam auf ein Wochenplus von 0,4 Prozent, nachdem auch er am Mittwoch ein neues Allzeithoch markiert hatte bei 28.885 Punkten.

Wie Andreas Büchler von Index-Radar näher ausführte, empfindet der Charttechniker es als beruhigend, dass Marktteilnehmer schon kleinere Rückschläge wieder für Nachkäufe nutzten. "Solange dieser Effekt anhält, bleibt die kurzfristige Prognose positiv", kommentierte der Experte. Als Argument für Aktien gilt immer wieder der Mangel an rentablen Anlagealternativen oder die Sorge davor, den losfahrenden Zug zu verpassen.

DAX (WKN: 846900)

Folgende sechs Themen könnten in der neuen Woche Einfluss auf die Kurse nehmen:

Coronavirus

Die Zahl der Todesfälle durch das neue Coronavirus "2019-nCoV" steigt weiter an. Bis Samstagabend seien 56 Menschen dem Virus zum Opfer gefallen, teilten die chinesischen Behörden am Sonntag mit. Die Zahl der Infizierten ist auf über 2.000 gewachsen. Zudem gebe es hunderte neue Verdachtsfälle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat trotz der rasanten Ausbreitung der neuen Krankheit auf das Ausrufen einer "gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite" verzichtet.

Das neue Coronavirus ist bislang weniger tödlich als ein ähnlicher Virusausbruch, der sich Anfang 2003 in China ausbreitete und als schweres akutes respiratorisches Syndrom (SARS) bezeichnet wird. Der DAX hatte damals auf dem Höhepunkt der Krankheit im März 2003 bei 2.200 Punkten seinen Tiefpunkt nach der Mega-Talfahrt (durch das Platzen der Dot-com-Blase) erreicht.

Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sehen den DAX durchaus anfällig für weitere Rückschläge - auch ausgelöst von den Sorgen um den Coronavirus in China, wo nun das traditionelle Neujahrsfest gefeiert wird - wobei viele Feierlichkeiten abgesagt wurden. Unzählige Chinesen sind auf Reisen und so könnte das Risiko einer Pandemie und den hiermit verbunden negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft steigen. Die Börse in Shanghai spielt dabei aber als Indikator vorerst keine Rolle mehr: der Handel pausiert dort bis inklusive Donnerstag.

Berichtssaison USA

Das zweite wichtige Wochenthema sehen Börsianer in der US-Berichtssaison und der davon abhängigen Entwicklung an den tonangebenden New Yorker Börsen. Laut der LBBW ist hier in der kommenden Woche "High Noon" angesagt. "Insgesamt 143 Mitglieder des S&P 500 werden ihre Zahlen veröffentlichen - so viele wie in keiner Woche davor oder danach", betonten die Experten.

Darunter sind große Tech-Player wie Apple am Dienstag, Facebook und Microsoft am Mittwoch sowie Amazon am Donnerstag (alle nach Börsenschluss in den USA).

Ein besonderes Augenmerk dürfte zur Wochenmitte aber auch auf den Boeing-Zahlen wegen der Krise mit der 737 Max liegen.

Zinsentscheidung Fed

Außerdem steht dann der nächste Zinsentscheid der US-Notenbank (Fed) auf dem Plan. Mit einer weiteren Lockerung wird am Markt nicht gerechnet. "Die Fed dürfte sich von ihrer aktuellen Gelassenheit nicht abbringen lassen", heißt es hier von Seiten der Landesbank BayernLB. Wichtig für die Fed werden am Donnerstag neue US-BIP-Zahlen zum vierten Quartal.

Konjunkturdaten

Aber auch hierzulande hat die Agenda einiges zu bieten. Am Montag macht das Ifo-Geschäftsklima für Januar den Auftakt. Nach Ansicht des Deka-Bank-Chefvolkswirts Ulrich Kater wird dieses voraussichtlich eine weitere Erholung anzeigen. Über die Kauflaune der hiesigen Verbraucher informiert dann am Mittwoch der GfK-Index. Einen Tag später folgen vergleichbare Stimmungsbarometer für die Eurozone.

Den Abschluss bilden die europäischen Inflationsdaten am Freitag. Das Highlight dürften allerdings wenige Stunden später die US-Konsumausgaben sein. Denn die Kauflaune der Verbraucher gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Berichtssaison Deutschland startet

Im Wochenverlauf gewähren auch einige deutsche Unternehmen Einblick in ihre Bücher, darunter die Softwarekonzerne SAP und Software AG am Dienstag und Mittwoch. Die Deutsche Bank folgt am Donnerstag mit ihren Jahreszahlen.

Brexit-Stichtag

Eine Woche vor dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union haben die EU-Spitzen und auch der britische Premierminister Boris Johnson am vergangenen Freitag das Brexit-Abkommen unterzeichnet. Damit sei der Weg frei für die Ratifizierung durch das Europäische Parlament, teilten EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel mit.

In der Nacht zum Samstag folgt nun der mehrmals verschobene Stichtag für den Brexit: Ab Mitternacht wird Großbritannien dann kein Mitglied der Europäischen Union mehr sein. Für den Deka-Experten Kater beginnt damit ein neues Kapitel britischer und europäischer Geschichte. Laut der BayernLB läutet der Austritt eine Übergangsphase ein, in der bis zum Jahresende ein Nachfolgeabkommen verhandelt werden muss. Falle dieses nur sehr rudimentär aus, drohten spürbare Handelshemmnisse. (Mit Material von dpa-AFX)

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