Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins erneut nicht verändert. Der Zentralbankrat stimmte geschlossen für eine weitere Zinspause. Damit bleibt die Spanne zum vierten Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Eine von US-Präsident Donald Trump geforderte Zinssenkung blieb damit aus.
Das Wichtigste kurz und knapp
• Fed bleibt standhaft: Der Leitzins bleibt erneut bei 3,5 bis 3,75 Prozent, Trumps Wunsch nach einer Senkung bleibt unerfüllt.
• Inflation bleibt Problem: Energiepreise in den USA steigen massiv, zugleich zeigt sich der Arbeitsmarkt überraschend robust.
• Zinssenkungen rücken weg: Statt Lockerungen könnte im Jahresverlauf sogar wieder eine straffere Geldpolitik zum Thema werden.
Bereits 2025 hatte die Fed den Leitzins aus Sorge um den US-Arbeitsmarkt in drei Schritten um jeweils 25 Basispunkte gesenkt. Seit Jahresbeginn hält die Notenbank jedoch still. Hintergrund sind die gestiegene Unsicherheit infolge des Iran-Kriegs und der anhaltend hohe Inflationsdruck. Statt Zinssenkungen rückt inzwischen sogar eine straffere Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf stärker in den Fokus.
Belastet wird die Lage vor allem durch die Folgen des Iran-Kriegs und die Blockaden in der Straße von Hormus. Dadurch ist das weltweite Energieangebot deutlich eingeschränkt. Unternehmen müssen derzeit erheblich mehr für Öl, Gas und Dünger bezahlen.
Das spiegeln auch die jüngsten US-Inflationsdaten wider: Energie verteuerte sich im Mai um 23,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders kräftig zogen die Benzinpreise an. Kraftstoff kostet derzeit rund 40 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Hinzu kommt ein überraschend starker US-Arbeitsmarkt. Im Mai stieg die Zahl der Beschäftigten um 172.000 und damit fast doppelt so stark wie von Experten erwartet. Damit sinkt aus Sicht der Fed der Druck, die Konjunktur über niedrigere Zinsen zu stützen. Zinssenkungen dürften damit vorerst in weite Ferne rücken. Selbst wenn es derzeit nicht das Basisszenario ist, werden auch Zinserhöhungen wieder als mögliches Thema diskutiert.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh. Sein Vorgänger Jerome Powell war turnusgemäß im Mai als Vorsitzender ausgeschieden und in den Vorstand gewechselt. Damit bleibt er ein wichtiger Faktor innerhalb des Führungsgremiums und erschwert es Trump zugleich, einen weiteren Kandidaten an zentraler Stelle zu platzieren.
Warsh saß bereits in der Vergangenheit im Fed-Vorstand und gilt grundsätzlich als geldpolitischer Falke. Er steht also eher für eine restriktive Linie im Kampf gegen die Inflation. Gleichzeitig berichteten US-Medien zuletzt, dass er sich offen für niedrigere Leitzinsen gezeigt habe, was im Weißen Haus positiv aufgenommen worden sein dürfte.
Genau darin liegt aus Sicht vieler Ökonomen ein Risiko. Die Fed soll unabhängig von der Politik agieren und bei ihren Entscheidungen einen Ausgleich zwischen Preisstabilität und Vollbeschäftigung finden. Eine voreilige Lockerung der Geldpolitik könnte die Inflation jedoch zusätzlich anheizen.
Zuletzt lag die Teuerungsrate in den USA bei 4,2 Prozent und damit noch immer deutlich über dem Fed-Ziel von zwei Prozent. Beobachter fürchten daher, Trump könne über Warsh indirekt Einfluss auf die Zinspolitik nehmen und auf eine lockerere Linie drängen.
Auf der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung bemühte sich Fed-Chef Kevin Warsh zugleich, Sorgen über eine mögliche politische Einflussnahme zu zerstreuen. Die jüngste Vergangenheit bei der Inflation müsse „kein Vorbote für die Zukunft sein“, sagte Warsh. Zugleich betonte er mit Blick auf die Rolle der Notenbank: „Ich bin hier, um den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen.“ Die Fed habe die Fähigkeit und Entschlossenheit, eine Inflation von zwei Prozent zu erreichen. Damit unterstrich der Fed-Chef den Anspruch, die Geldpolitik unabhängig und an Inflations- sowie Arbeitsmarktdaten auszurichten.
Die Fed sendet ein klares Signal: Im Kampf gegen die Inflation hat eine Zinssenkung derzeit keinen Platz. Der starke Arbeitsmarkt und der massive Anstieg der Energiepreise sprechen gegen eine Lockerung. Für die Märkte bedeutet das: Die Hoffnung auf günstigeres Geld muss vorerst warten.
FAQs
Warum belasten hohe Zinsen Aktien?
Höhere Zinsen verteuern Kredite, bremsen Investitionen und machen Anleihen als Alternative attraktiver.
Warum helfen sinkende Zinsen der Börse?
Niedrigere Zinsen stützen meist Wachstum, Konsum und Unternehmensgewinne.
Welche Aktien leiden besonders unter hohen Zinsen?
Vor allem wachstumsstarke Tech-Werte und stark verschuldete Unternehmen geraten dann oft unter Druck.
17.06.2026, 20:29