Aufatmen an der Wall Street. Sinkende Renditen bei den US-Staatsanleihen haben den Aktienmärkten frischen Schwung verliehen. Der S&P 500 drehte nach anfänglichen Verlusten ins Plus. Zuvor hatten teure Rohstoffe und steigende Energiepreise die Stimmung gedrückt. Auch der Ölpreis kletterte, da das Pentagon wegen der Lage im Nahen Osten die Verlegung von 10.000 Soldaten und einem weiteren Flugzeugträger prüft. Entsprechend nervös startete der Handel. Doch die Entspannung am Anleihenmarkt wog die geopolitischen Risiken schließlich auf.
Der Grund für den Stimmungsumschwung: Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen fiel von ihrem Höchststand seit 2002 zurück. Neben der Auflösung spekulativer Positionen trieben auch Haushaltssorgen in Frankreich Anleger in die als sicher geltenden US-Papiere.
Gleichzeitig kamen beruhigende Töne aus den Reihen der Notenbank. Fed-Vize Philip Jefferson erklärte, die Währungshüter bräuchten mehr Zeit für das Urteil, ob weitere Zinsschritte nötig seien. Ähnlich äußerte sich zuvor John Williams von der New Yorker Fed, der nach dem Zinsentscheid im September keine Eile für eine Anhebung sieht. Während Ökonomen von Goldman Sachs einen Zinsschritt im Oktober nun für unwahrscheinlich halten, bleibt die Debatte offen. Neel Kashkari von der Fed Minneapolis betonte, es sei noch unklar, wie hoch die Zinsen steigen müssten, um den Preisdruck nach Jahren der Lieferengpässe endgültig zu brechen.
Rückenwind kommt derweil aus der Wirtschaft. US-Unternehmen kündigten im September so wenige Entlassungen an wie in keinem September seit 2022. Auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken auf den tiefsten Stand seit Juli.
Der am Freitag anstehende US-Arbeitsmarktbericht dürfte diese Stärke bestätigen. Volkswirte erwarten für September einen Zuwachs von 88.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Die Arbeitslosenquote soll bei 4,1 Prozent verharren – dem niedrigsten Stand seit einem Jahr. Die stabile Beschäftigung stützt die Einkommen der privaten Haushalte und treibt den Konsum an. Gleichzeitig verschafft die robuste Lage der Fed den Spielraum, sich ganz auf die Inflationsbekämpfung zu konzentrieren.
Milliarden-Deals treiben Tech-Sektor
Im Technologiesektor sorgt der KI-Boom weiter für Bewegung. Das KI-Start-up Anthropic peilt seinen Börsengang nun für Mitte November an. Passend dazu schloss das Unternehmen einen Pakt mit Broadcom: Der Chiphersteller leiht Anthropic bis zu 42 Milliarden Dollar für das Leasing eigener Halbleiter. Solche Vereinbarungen schüren allerdings auch Bedenken über verflochtene Deals innerhalb der Branche.
Auch Micron Technology blickt optimistisch nach vorn. Der Halbleiterkonzern gab eine starke Prognose für das laufende Quartal ab, getrieben durch die Nachfrage nach KI-Speichern. Höhere Gehaltskosten belasten jedoch die Gewinnmarge. Um den enormen Stromhunger der Rechenzentren zu stillen, sicherte sich Amazon.com neue Kapazitäten: Der Online-Riese kauft 690 Megawatt Atomstrom von Constellation Energy. Beim IT-Dienstleister Accenture wiederum fielen die Auftragseingänge im vierten Quartal besser aus als von Analysten erwartet.
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