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09.05.2019 Nikolas Kessler

Unicredit meldet überraschenden Gewinnsprung – das steckt dahinter

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Commerzbank

Die italienische Großbank Unicredit hat am Donnerstag einen überraschenden Gewinnsprung im ersten Quartal gemeldet. Der Aktie liefert das im schwachen Gesamtmarkt aber zunächst keine neuen Impulse. Zu den Gerüchten über ein angebliches Übernahmeinteresse an der Commerzbank hielt sich der Vorstand bedeckt.

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Quartalsüberschuss der Unicedit zwischen Januar und März um satte 24,7 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro gestiegen. Profitiert hat das Institut dabei in erster Linie von einem Sondereffekt. So musste Unicredit überraschend weniger Strafe für Geschäfte mit dem Iran bezahlen und konnte Rückstellungen um Volumen von 300 Millionen Euro auflösen.

Schwieriges Umfeld für Banken

Operativ hatte die Großbank allerdings mit dem harten Marktumfeld für Finanzwerte zu kämpfen. Genau wie bei vielen Konkurrenten waren die Erlöse der Italiener im ersten Quartal rückläufig. Während der Zinsüberschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht zulegte, sorgten ein geringerer Provisionsüberschuss und niedrigere Handelsumsätze für einen Ertragsrückgang um drei Prozent auf 4,95 Milliarden Euro. Ein zusätzlicher Belastungsfaktor war dabei die schwächelnde italienische Wirtschaft.

Der Nettogewinn legte bereinigt um Sondereffekte dennoch leicht zu. Dabei profitierte die Bank auch von ihrem Sparprogramm. Die Betriebskosten fielen im ersten Quartal 4,2 Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor. Zudem musste die Bank weniger Geld für faule Kredite zurücklegen. Auf diese Weise verdiente die Unicredit mehr als von Analysten erwartet.

Bei der deutschen Tochter HVB sind die Erträge um vier Prozent und der operative Gewinn um 3,5 Prozent gesunken. Dank eines Immobilienverkaufs hat sich der Nettogewinn der Sparte aber trotzdem auf 370 Millionen Euro mehr als vervierfacht.

Nichts Neues zu den Übernahmegerüchten

Während der Fusionsgespräche von Deutsche Bank und Commerzbank hatte es Anfang April Gerüchte gegeben, dass auch Unicredit an der CoBa interessiert sei. Sollten die Gespräche scheitern, könnten die Italiener die Commerzbank übernehmen und mit der HVB verschmelzen, meldete die Financial Times unter Berufung auf Insider (DER AKTIONÄR berichtete).

Wer im Rahmen der Zahlen auf eine Bestätigung der Gerüchte gehofft hatte, wurde jedoch enttäuscht: Er sage gar nichts zu möglichen Fusionen und Übernahmen, stellte Vorstandschef Jean Pierre Mustier in einer Telefonkonferenz klar.

Bereits am Mittwoch hatte Commerzbank-CFO Stephan Engels klargestellt, dass sich bislang kein Übernahmeinteressent bei ihm gemeldet habe.

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Aktie auf der Watchlist

Trotz des Gewinnsprungs im ersten Quartal verzeichnet die Unicredit-Aktie am Donnerstag moderate Verluste. Verglichen mit dem europäischen Referenzindex Stoxx 600 Banks schlägt sich das Papier damit aber noch vergleichsweise wacker. Ein (Wieder-)Einstieg bei der italienischen Bank drängt sich auf dem aktuellen Niveau jedoch nicht auf.

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