14.05.2019 Markus Bußler

Uber – oder die Frage: Wer braucht schon Barrick Gold, Newmont und Co?

-%
Barrick Gold
Trendthema

Der Börsengang war groß angekündigt. Der Taxi-Konkurrent Uber ging an die Börse. Ein riesiges Tech-IPO, das für die Anleger bislang aber enttäuschend verlaufen ist. Die Aktien wurden zu 45 US-Dollar ausgegeben, der erste Kurs lag bei 42 Dollar und das Papier ging gestern bei 37,10 Dollar aus dem Handel. Die Bewertung? Noch immer 62,2 Milliarden US-Dollar. Und damit ist Uber mehr Wert als die vier größten Goldproduzenten auf diesem Planeten zusammen.

Barrick Gold, Newmont Goldcorp, Kinross und AngloGold Ashanti bringen es gemeinsam auf eine Marktkapitalisierung von rund 55,6 Milliarden Dollar. Natürlich ist die Goldproduktion auf den ersten Blick nicht so attraktiv wie die Fantasie, die in Uber steckt. Doch betrachtet man sich die nackten Zahlen, dann muss man reichlich Fantasie mitbringen, um eine solche Diskrepanz erklären zu können. Bei einem Umsatz von 14 Milliarden Dollar wird Uber nach Analystenschätzungen 3,7 Milliarden Dollar Verlust erwirtschaften. Betrachtet man sich dagegen zum Beispiel Barrick Gold, dann sieht man für das laufende Jahr bei einem Umsatz von 8,5 Milliarden Dollar einen Gewinn von 2,0 Milliarden Dollar. Dazu erhalten die Aktionäre auch noch eine Dividende, auf die sie bei Uber sicher – wenn überhaupt – noch einige Jahre warten dürfen.

Sicher: Uber ist neu, wachstumsstark und verspricht Fantasie. Die Goldproduktion hingegen wirkt altbacken und fast schon antiquiert im Vergleich dazu. Doch die nackten Zahlen zeigen, wie stark unterbewertet die gesamte Branche mittlerweile ist. Gemeinsam produzieren die vier größten Goldproduzenten über 15 Millionen Unzen Gold – doch aktuell scheint das Anleger nicht zu interessieren. Die Wachstumsfantasie scheint aktuell über allem zu stehen. Diese Kluft kann eine Zeitlang bestehen bleiben, doch früher oder später wird der Markt die Unterbewertung der Goldproduzenten im Allgemeinen erkennen. Und das wiederum dürfte zu einer Neubewertung des gesamten Sektors führen. Eines scheint sicher: Der Bewertungsunterschied ist zu eklatant, um auf Dauer ignoriert werden zu können.