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18.03.2020 Thorsten Küfner

TUI: "Eigentlich kerngesund, aber..."

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TUI

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil setzt sich für möglichst rasche staatliche Hilfen für den TUI-Konzern in der Coronakrise ein. Der weltgrößte Reiseanbieter, dessen Airlines derzeit zusammen mit Lufthansa und Condor Zehntausende im Ausland festsitzende Urlauber nach Deutschland zurückbringen, ist durch die globale Verbreitung des neuen Virus erheblich in Bedrängnis geraten.

 TUI sei eigentlich kerngesund, sagte Weil am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Der Nachfrageeinbruch wegen der Pandemie und die erzwungenen Streichungen seien aber bedrohlich: "Jetzt ist innerhalb kürzester Zeit das ganze Geschäftsmodell infrage gestellt." Es gehe darum, "durch Staatshilfe die Grundlage für den Fortbestand eines soliden Unternehmens" zu legen. Der Bund müsse daher geplante Hilfen für in Not geratene Firmen konkretisieren: "Es geht um Tempo."

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatten ein umfangreiches Paket unter anderem aus Krediten, Bürgschaften und Liquiditätshilfen angekündigt. Die staatliche Förderbank KfW strafft bereits ihre Verfahren. "Anträge für die am vergangenen Freitag beschlossenen Hilfskredite sind ab sofort möglich und werden zügig bearbeitet", erklärte Altmaier.

TUI fliegt Urlauber nach Hause

Seit Dienstag holen reguläre TUI-Flugzeuge sowie Sondermaschinen und Flieger mit Extrakontingenten gestrandete Touristen nach Deutschland. Täglich könne dies für rund 10.000 Passagiere angeboten werden, hieß es am Mittwoch aus der Konzernzentrale. Flüge ins Ausland hatte TUI schon in der Nacht zum Montag eingestellt - ebenso wie den Großteil des Programms aus Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Hotelbetrieb. 

Die Rückholaktion habe "klare Priorität", erklärte das Unternehmen. Es gehe vor allem um Deutsche in Ägypten und Spanien. Zu Beginn am Dienstag habe TUI zehn Zusatzflüge aus beiden Ländern angeboten. Am Mittwoch und Donnerstag seien ebenfalls zehn Sonderflüge geplant. 

Tuifly beteiligt sich auch an vom Bund gecharterten Verbindungen. "Wir stellen dem Auswärtigen Amt Kontingente zur Verfügung", hieß es. Krisenstäbe, Auslandsvertretungen und Mitarbeiter vor Ort seien in Kontakt. In vielen Reiseländern ist wegen der Corona-Pandemie der normale Flugverkehr eingestellt. Weil vielerorts auch Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Kraft sind und in Hotels oft nicht mehr gearbeitet wird, sitzen Zehntausende Menschen auf gepackten Koffern. 

Hohes Liquiditätspolster - noch

Neben den Folgen für die Urlauber ergreift TUI "einschneidende Kostenmaßnahmen, um die Auswirkungen auf unser Ergebnis abzumildern". Vorstandschef Fritz Joussen legt sämtliche Investitionen ohne vertragliche Bindungen auf Eis und muss einen harten Sparkurs fahren. Management und Betriebsrat verhandeln über eine Kurzarbeit-Regelung. 

Die Bundesregierung will die Beschäftigung in vom Virus besonders getroffenen Branchen sichern. Zuletzt verfügte TUI über flüssige Mittel von 1,4 Milliarden Euro - doch die Buchungen für den Sommer sind stark unter Druck. Nach Einschätzung Weils sind aktuell "so gut wie keine Reisen mehr zu verkaufen". Er dringt daher auf eine rasche Klärung der Details der geplanten Hilfen: "Wie groß ist das Volumen? Wie sieht das Verfahren aus? Welches sind die Voraussetzungen?" 

Sobald die genauen Bedingungen beschlossen seien, hätten die Länder die Möglichkeit, ergänzende Hilfen zu prüfen, sagte Weil. Nötig seien dann auch "schnelle, unbürokratische Antragsverfahren".

TUI-Kunden, die schon Reisen etwa für die Sommermonate 2020 gebucht haben, müssen sich bei der Frage möglicher kostenfreier Stornierungen noch gedulden. Dies ist nach jüngsten Angaben vorerst nicht möglich. 

TUI (WKN: TUAG00)

Die TUI-Aktie bleibt ein äußerst heißes Eisen und nur für hartgesottene Anleger geeignet. Es ist letztlich eine Wette darauf, ab wann das "normale" öffentliche Leben in Europa weitergeht. Dauert der Ausnahmezustand in den Kernmärkten noch länger als bis etwa Ostern, dürfte es mit dem Kurs noch weiter nach unten gehen. Nährt man sich hingegen ab April allmählich wieder einer Art "Normalzustand", können Mutige auf das Comeback der extrem heruntergeprügelten Aktie setzen (Stoppkurs: 2,20 Euro). 

(Mit Material von dpa-AFX)