06.09.2019 Maximilian Völkl

ThyssenKrupp im Übernahmefieber – Kone macht den ersten Schritt

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ThyssenKrupp
Trendthema

ThyssenKrupp hat die Aufzugsparte ins Schaufenster gestellt. Neben Finanzinvestoren gilt vor allem der Wettbewerber Kone seit Monaten als möglicher Käufer. Nun hat Henrik Ehrnrooth, der Chef des finnischen Rivalen, in einem Interview offiziell Interesse bekundet. Er sieht nur Vorteile – doch so einfach ist es nicht.

„Kone und ThyssenKrupp Elevator passen perfekt zusammen“, sagt Ehrnrooth zum Handelsblatt. Industriell gäbe der Zusammenschluss am meisten Sinn. „Ich denke, dass das am langen Ende den Ausschlag geben wird“, sieht sich der CEO im Vorteil gegenüber Finanzinvestoren.

Eine solche Gelegenheit ergibt sich nur selten.

Kone-CEO Henrik Ehrnrooth im Handelsblatt zu einer Übernahme von ThyssenKrupp Elevator

Ein Zusammenschluss würde laut Ehrnrooth viele Vorteile bringen. „Beide Firmen sind sehr komplementär aufgestellt“, sagte er. ThyssenKrupp sei in Südamerika, Südkorea oder den USA stärker, dafür habe Kone im restlichen Asien klare Vorteile. Durch Größe habe ein Fusionsunternehmen zudem weitere Vorteile – vor allem bei den Herausforderungen der Digitalisierung.

Hürde Kartellrecht

Ehrnooth ist zudem „der Meinung, dass eine Fusion aus kartellrechtlicher Sicht möglich ist“. Er sieht den Markt ausreichend fragmentiert. Doch so einfach ist es nicht. ThyssenKrupp ist ein gebranntes Kind. Die EU-Kommission hat bereits die Stahlfusion mit Tata Steel untersagt – und in Europa sind ThyssenKrupp Elevator und Kone jeweils stark aufgestellt.

Der Haken: Selbst wenn die Fusion letztlich genehmigt würde, wäre eine langwierige kartellrechtliche Prüfung unabdingbar. ThyssenKrupp steht beim Umbau allerdings unter Zeitdruck. Der Konzern braucht schnell Geld, um die angeschlagenen Sparten wie das Komponentengeschäft oder den Stahl wieder auf Vordermann zu bringen. Ein Verkauf an einen Finanzinvestor, der wettbewerbsrechtlich unbedenklich wäre, könnte hier deutlich schneller abgewickelt werden – und gilt deshalb trotz der industriellen Vorteile eines Kone-Deals weiter als favorisierte Lösung.

ThyssenKrupp (WKN: 750000)

Langfristig wäre ein Zusammenschluss mit Kone für ThyssenKrupp Elevator spannend. Doch die Mutter kann es sich kaum leisten, eine langwierige Prüfung abzuwarten. Der DAX-Abstieg hat noch einmal untermauert, wie weit die Krise inzwischen fortgeschritten ist. Unabhängig vom Käufer wird der Verkauf viel Geld in die Kassen spülen. Das könnte der günstig bewerteten ThyssenKrupp-Aktie Schwung verleihen. Mutige Anleger bleiben dabei.