15.07.2015 DER AKTIONÄR

Test - Wettlauf um die Start-ups

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Beim Pferderennen setzten die Zocker auf ihre Lieblinge. Sie studieren dazu Tabellen, scheiden die schnellen von den lahmen Hengsten und hoffen auf einen Zieleinlauf ihrer Favoriten. Ähnlich geht die German Start­ups Group (GSG) vor, indem sie deutsche Start-ups selektiert, sich an ihnen finanziell beteiligt und auf einen Exit und M&A setzt. Doch nun steht die GSG selbst in der Startbox. Ab 17. Juli wird das Unternehmen auf dem Frankfurter Börsenparkett gehandelt werden. Die Preisspanne je Aktie liegt bei 2,70 Euro bis 3,60 Euro. Bis voraussichtlich 16. Juli können die Aktien gezeichnet werden. Das Unternehmen verspricht sich durch den IPO Gesamterlöse in Höhe von 64 Millionen Euro. Während die Altaktionäre 23 Prozent der Aktien halten werden, stehen 77 Prozent der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das Geld aus dem Börsengang soll in den weiteren Ausbau des Portfolios gesteckt werden. Die Aktionäre erhalten damit laut Eigenwerbung Zugang zur Asset-Klasse „Deutsche Start-ups, den sonst nur institutionellen Investoren, Family Offices oder Business Angels bekommen.“
Was hat das Unternehmen mit Sitz in Berlin zu bieten? 40 Beteiligungen hat die GSG im Portfolio, das nach Unternehmensangaben 18,4 Millionen Euro wert ist. Darunter sind Namen, die in den vergangenen Monaten einen vertrauten Klang entwickelt haben: Start-ups wie der Lieferdienst-Vermittler Delivery Hero oder die Musikplattform SoundCloud werden immer wieder als Vorzeige-Start-ups wahrgenommen. Eine Studie der CB-Insights Venture Datenbank sieht die GSG am Puls der Zeit: Sie war 2014 deutschlandweit als zweitaktivster Investor im Tech-Start-up-Bereich gelistet und belegte in Europa Rang 4. Die GSG fokussiert sich bei ihren Minderheits- und Mehrheitsbeteiligungen auf deutsche Wachstumsunternehmen. Dabei werden fast alle Lebenszyklen eines Start-ups – von der Seed- über die Early- bis hin zur Growth-Phase – abgebildet. Die bei Investoren üblichen Stichwörter „hohe Skalierbarkeit“ und „disruptive Innovationen“ sind auch bei der Auswahl der Start-ups für die GSG das Maß der Dinge.

Bruttorendite von 30,5 Prozent
Bislang hat das Unternehmen den richtigen Riecher bewiesen, wie ein Blick auf die Wirtschaftdaten zeigt: Seit 2012 erwirtschaftete es eine Bruttorendite von 30,5 Prozent p. a. und einen IRFS-Gewinn von 1,4 Millionen Euro. In den drei Jahren ihres Bestehens konnte die GSG zwei erfolgreiche Exits vermelden: Die Advertising-App Fyber konnte 2014 für einen dreistelligen Millionenbetrag an ein internationales Medienunternehmen verkauft werden. Und der Sexshop Amorelie wurde von ProSiebenSat1 im Frühjahr dieses Jahres übernommen. Auf der Soll-Seite musste der Start-up-Finanzierer den Maildienst Squadmail als Verlust verbuchen, der zum Ende des Jahres seinen Geschäftsbetrieb einstellen wird. Einen cleveren Schachzug vollzog die GSG mit dem Erwerb des IT-Dienstleister Exozet aus Berlin, der sich auf Konzeption, Gestaltung und Programmierung von Webanwendungen versteht. Dieses vielbegehrte Leistungsprofil soll insbesondere den Start-ups im eigenen Portfolio zugutekommen. „Die Beteiligung an der Exozet Gruppe erhöht unsere Attraktivität als Kapitalgeber für Start-ups“, sagt CEO Christoph Gerlinger.
Die Idee, an die Börse zu gehen, ist aus Unternehmenssicht richtig, denn so kann in weitere Start-ups und mit höheren Beträgen investiert werden. Für den Aktionär bieten sich zwar Renditechancen, aber auch Verlustrisiken. Entscheidend ist die Anzahl der Gewinner-Start-ups, die das Management der GSG aussucht, sonst wird die Aktie im Börsenrennen deutlich zurückfallen. Die Mehrzahl der Start-ups wird vermutlich keine großen Gewinne einfahren oder ganz als Totalausfall enden. Ein Überflieger-Start-up wird diese Verluste kompensieren müssen.
Die Börsengänge von deutschen Start-ups gingen bislang in die Hose. Rocket Internet sowie windeln.de haben Kursverluste hinnehmen müssen. Erinnerungen an die New-Economy-Blase werden wach. Doch Gerlinger zeigt sich im Hintergrundgespräch mit dem aktionär überzeugt: Dieses Mal seien die Start-up-Manager besser ausgebildet und die Qualität der jungen Firmen sei höher.

Nur für Spielernaturen
Die GSG setzt auf die Fortsetzung des Start-up-Booms. Für Anleger mit Hang zum Glücksspiel ist die Aktie interessant. Der durchschnittliche Anleger sollte lieber in günstig bewertete, besser planbare Unternehmen investieren.