Die Spannung steigt – doch was macht die Aktie? MTU legt am Donnerstag (30. April) seine Zahlen für das erste Quartal 2026 vor. Der Trend ist klar: Die Geschäfte beim Münchner Triebwerksbauer laufen weiter rund, doch die Profitabilität gerät unter Druck.
Zudem belasten die Auswirkungen der Nahost-Krise. Eine Bestandsaufnahme.
Im vergangenen Jahr konnte MTU kräftig zulegen: Bereinigt um Rückrufeffekte stieg der Umsatz um 16 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT legte um 29 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro zu, der Gewinn unter dem Strich sprang sogar um 60 Prozent auf über eine Milliarde Euro.
Die Nachfrage nach Triebwerken, Ersatzteilen und Wartung bleibt hoch. Für das laufende Jahr peilt MTU daher Erlöse von 9,2 bis 9,7 Milliarden Euro an. Beim Gewinn zeigt sich der Konzern vorsichtiger: Das bereinigte EBIT dürfte maximal auf 1,45 Milliarden Euro steigen – im schlechtesten Fall aber stagnieren.
Das Gros der Analysten traut dem Konzern zu, die Ziele zu erreichen. Im Schnitt erwarten sie für 2026 einen Umsatz von rund 9,5 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBIT von etwa 1,4 Milliarden Euro.
Details zum Jahresauftakt gibt es morgen. Für das erste Quartal prognostizieren Experten Erlöse von rund 2,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,1 Milliarden). Das operative Ergebnis dürfte leicht auf etwa 310 Millionen Euro steigen. Die Marge würde damit von 14,3 auf 13,9 Prozent zurückgehen. Unter dem Strich rechnen Analysten mit einem Gewinn von rund 225 Millionen Euro.
Die Gründe für den Rückgang sind strukturell: Ein schwächerer Dollar, ein wachsender Serviceanteil und weniger margenstarke Ersatztriebwerke drücken auf die Rendite. Denn verdient wird in der Branche vor allem im Wartungsgeschäft – nicht beim Verkauf neuer Triebwerke.
Zusätzlicher Druck kommt vom Getriebefan-Programm für den Airbus A320neo. Nach den Rückrufen kritisierte Airbus zuletzt die niedrigen Lieferzahlen des Konsortiums um MTU. Das ist brisant, denn der Getriebefan ist das wichtigste Produkt der Münchner.
Die UBS zeigt sich pessimistisch und hat das Kursziel vor den Zahlen von 350 auf 275 Euro gesenkt sowie die Aktie von „Neutral“ auf „Sell“ abgestuft. Von den drei führenden Triebwerksherstellern sei bei MTU das Risiko für eine harte Landung am größten, wenn der Wind im Ersatzteil- und Servicegeschäft drehe, so Analyst Ian Douglas-Pennant. Dann dürfte sich die bisher starke Gewinnentwicklung schneller normalisieren als bei der Konkurrenz. Das dann erreichbare Niveau liege unter den Markterwartungen.
Deutlich optimistischer äußern sich die Jefferies-Strategen. Sie haben den fairen Wert für die DAX-Aktie zwar von 480 auf 410 Euro gesenkt, die Kaufempfehlung aber bestätigt. Das US-Analysehaus Bernstein Research hat das Kursziel von 421 auf 350 Euro ebenfalls reduziert, die Einstufung „Outperform“ aber belassen. Aus Sorge vor den Auswirkungen der Nahost-Krise und höherer Ölpreise seien Werte aus der Flugzeugindustrie zuletzt stark unter Druck geraten, so Analyst Adrien Rabier. Viele Risiken seien inzwischen eingepreist, ein Einbruch sei jedoch nicht zu erwarten.
MTU wächst weiter. Kurzfristig bremsen die Margenentwicklung und geopolitische Risiken, mittel- und langfristig bleibt die Story intakt. Entscheidend wird sein, wie schnell MTU die Probleme beim A320neo-Antrieb löst und wie Vorstandschef Johannes Bussmann vor diesem Hintergrund den Ausblick formuliert. Nach dem deutlichen Rücksetzer könnte die Aktie aber schon bald eine Trendwende einleiten.
(Mit Material von dpa-AFX)
Sie interessieren sich für die Welt der heimischen Nebenwerte? Mit den kostenlosen Real-Depot News können Sie sich unverbindlich ein Bild von den vielseitigen Anlagemöglichkeiten im Small-Cap-Bereich machen. AKTIONÄR-Redakteur Michael Schröder schreibt Ihnen seine Einschätzung zu interessanten Investmentideen und aussichtsreichen Nebenwerten.
Heute, 10:10