SAP hat im Patentstreit mit Celonis eine Niederlage vor dem Landgericht München I erlitten. Der DAX-Konzern darf eine Technologie zur Analyse von Geschäftsprozessen in Deutschland vorerst nicht mehr nutzen. An der Börse lassen sich die Anleger davon jedoch nicht beeindrucken.
- SAP muss die Technologie in seiner Software Signavio Process Intelligence möglicherweise anpassen.
- Der Konzern will gegen das Urteil Berufung einlegen und hat die Gültigkeit des Patents angefochten.
- Die SAP-Aktie legt weiter zu, Anleger halten am empfohlenen Turbo-Zertifikat fest.
Im jahrelangen Rechtsstreit zwischen SAP und Celonis hat das Landgericht München I zugunsten des Start-ups entschieden. Das Gericht sieht ein Patent von Celonis durch SAP verletzt. Neben einem Nutzungs- und Vertriebsverbot in Deutschland muss der Softwarekonzern angemessenen Schadenersatz leisten und die Gerichtskosten tragen.
Konkret geht es um ein Verfahren zur Messung von Durchlaufzeiten in Geschäftsprozessen. SAP setzt die Technologie in seiner Lösung Signavio Process Intelligence ein. Unternehmen können damit einzelne Abläufe analysieren, Engpässe erkennen und Prozesse effizienter gestalten.
Zwei zerstrittene Partner
Der Konflikt reicht weit über den Patentstreit hinaus. SAP und Celonis waren früher Partner. Mit der Übernahme von Signavio für rund 950 Millionen Euro im Jahr 2021 wurde SAP jedoch zum direkten Wettbewerber des Start-ups im Markt für Process Mining. Celonis wirft dem DAX-Konzern zudem vor, seine starke Stellung bei Unternehmenssoftware auszunutzen, um den Zugriff auf Daten aus SAP-Systemen für konkurrierende Anbieter zu erschweren. In den USA ist dazu ein weiteres Verfahren anhängig.
Das nun im Patenstreit verkündete Urteil könnte unmittelbare Folgen haben. Es ist zwar noch nicht rechtskräftig, aber vorläufig vollstreckbar. Hinterlegt Celonis Sicherheitsleistungen von insgesamt 900.000 Euro, kann das Start-up das Verbot durchsetzen. Celonis hat bereits angekündigt, davon Gebrauch machen zu wollen. SAP bereitet sich nach eigenen Angaben auf diesen Fall vor. Eine technische Lösung soll die Auswirkungen auf die Kunden möglichst gering halten. Gleichzeitig will der Konzern Berufung einlegen und geht vor dem Bundespatentgericht gegen die Gültigkeit des Patents vor.
An der Börse steht der Rechtsstreit zunächst nicht im Vordergrund. Die SAP-Aktie legt auf Tradegate am Morgen rund ein Prozent auf 199,24 Euro zu und steht damit unmittelbar vor dem Sprung über die psychologisch wichtige Marke von 200 Euro. Anleger halten an dem SAP-Turbo mit der WKN UN48BS fest. Der nächste wichtige Termin für die SAP-Aktie ist die Q3-Zahlenvorlage am 21. Oktober nach US-Börsenschluss.
Heute, 09:23
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