Ende Juni stoppte die Bundesregierung überraschend das Fregattenprogramm F126 – die Rheinmetall-Aktie geriet daraufhin deutlich unter Druck. Doch mit dem jüngst gewonnenen Millionenauftrag zur Modernisierung der Fregatte Bayern hat der Düsseldorfer Rüstungskonzern ein wichtiges Ausrufezeichen gesetzt. Nun stellt sich die Frage: Ist das erst der Anfang?
- Das F126-Aus war für Rheinmetall ein Schlag ins Gesicht.
- Die Modernisierung der F123 Bayern wird einen dreistelligen Millionenbetrag kosten.
- Die Rheinmetall-Aktie bleibt ein Kauf.
Zwischen 1994 und 1996 stellte die Deutsche Marine vier Fregatten der Brandenburg-Klasse (F123) in Dienst: die Schleswig-Holstein, die Mecklenburg-Vorpommern, die namensgebende Brandenburg und die Bayern.
Letztere wird nun von Rheinmetall umfassend modernisiert. Im Rahmen einer Nutzungsdauerverlängerung soll die Bayern mindestens bis 2035 einsatzfähig bleiben. Dafür erhält sie auf der Neuen Jadewerft Wilhelmshaven bis 2029 unter anderem ein neues Führungs- und Waffeneinsatzsystem, überholte Antriebsanlagen, modernisierte Radarsensorik sowie eine verbesserte U-Boot-Abwehr. Die Kosten belaufen sich auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Soweit nichts Spektakuläres – schließlich hatte Rheinmetall den Auftrag bereits am 30. Juli selbst bekannt gegeben.
Weitere Aufträge möglich
Doch nicht nur bei der Bayern könnte Rheinmetall einen Millionenauftrag verbuchen. Ursprünglich war die Modernisierung aller vier Fregatten der Brandenburg-Klasse vorgesehen. Im Zuge politischer Entscheidungen wurden zunächst jedoch nur die finanziellen Mittel für drei Einheiten freigegeben: die Schleswig-Holstein, die Mecklenburg-Vorpommern und zuletzt die Bayern. Die Arbeiten an der Brandenburg wurden dagegen vorerst zurückgestellt.
Angesichts der inzwischen deutlich gestiegenen Projektkosten – vor denen unter anderem der Bundesrechnungshof gewarnt hat – war bislang offen, ob die Brandenburg überhaupt noch umfassend modernisiert wird oder vorzeitig außer Dienst gestellt werden könnte.
Doch mit dem vorläufigen Aus für das Fregattenprogramm F126 bekommt die Frage eine neue Dynamik: Muss die Marine ihre bestehenden Schiffe länger im Dienst halten, könnte eine Modernisierung der Brandenburg plötzlich wieder deutlich attraktiver werden. Sollte der Bund die Fregatte tatsächlich nachrüsten, könnte auch hier Rheinmetall zum Zug kommen. Für den Rüstungskonzern wäre das ein weiterer lukrativer Auftrag – und womöglich nur ein Vorgeschmack auf das, was bei der Modernisierung der gesamten deutschen Marine noch zu holen ist.
Beim Abenteuer zur See heißt es für Rheinmetall noch lange nicht Adé. Stattdessen dürfte der Bereich neben den Militärfahrzeugen über die nächsten Jahre zu einem weiteren großen Umsatzbringer werden, wenngleich es zunächst Startschwierigkeiten gab. Die Aktie bleibt ein Kauf. Gelingt jetzt der Sprung über den horizontalen Widerstand, dürfte der Deckel wegfliegen.
Heute, 11:08
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