25.01.2017 Michael Schröder

Real-Depot-Wert Adesso: Darum sind hier sind nochmal 30% Gewinn drin

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Adesso
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IT-Dienstleister gibt es wie Sand am Meer. Auch an der Börse tummelt sich eine Vielzahl von Gesellschaften, die Kunden bei der Entwicklung und der Nutzung der eigenen Geschäftsprozesse mit Beratung und unter dem Einsatz von geeigneten Softwaresystemen sowie IT-Lösungen begleiten. Einer davon ist die Adesso AG.

Mit der Unterstützung der Dortmunder können Unternehmen nicht nur flexibler auf Marktanforderungen reagieren und produktiver arbeiten – sie können auch die digitale Transformation ihrer Firma aktiv mitgestalten. Die Kunden wollen immer orts und zeitunabhängiger agieren und dabei die Vernetzung der realen Welt mit ihren digitalen Systemen vorantreiben. Dazu gehören unter anderen die Integration von Webportalen zur Abbildung von Prozessschritten und das Thema mobile Applikationen – kurz Apps. „Wir verbinden technologische Kompetenz mit ausgeprägtem fachlichen und betriebswirtschaftlichen Know-how“, so die Firmenphilosophie. Dabei konzentriert sich Adesso auf ausgewählte Bereiche wie Versicherungen, Banken oder das Gesundheitswesen. Zudem baut die Gesellschaft traditionell alle zwei bis drei Jahre einen neuen Sektor auf – zuletzt etwa den Bereich Automotive. Hier will Adesso in den kommenden Jahren in breiteren Teilen der Automobil- und Zuliefererwirtschaft etabliert sein.

Abgerundet wird das Bild durch die Entwicklung eines wachsenden Produktgeschäfts. In diesem Bereich ist man unter anderem mit dem Content-Management-System FirstSpirit für den Betrieb komplexer Webseiten aktiv. Zudem wird für den Versicherungsbereich mit der Plattform in|sure eine komplette Software für alle zentralen Prozesse im Versicherungswesen etabliert.

Das Geschäft boomt. „Adessos Kernaktivitäten Beratung und kundenspezifische Softwareentwicklung waren zuletzt insbesondere in Deutschland und der Schweiz stark“, sagt Andreas Wolf. „Die Stärke des Kerngeschäfts trug wesentlich zum hohen organischen Wachstum von 21 Prozent im dritten Quartal bei“, führt der Analyst von Warburg Research aus. Der Bereich IT-Services zeichnet sich dabei für über 80 Prozent der Umsätze verantwortlich.

Besonders viel Fantasie steckt aber im Produktgeschäft. Hier bieten die Westfalen mit der Plattform in|sure eine eigene Software für alle zentralen Prozesse in den Bereiche Lebens-, Kranken-, Sach- und Kfz-Versicherungen an. Hintergrund: Versicherungen sind beim Thema Digitalisierung und Standardsoftware noch immer weit zurück und haben deutliches Nachholpotenzial. „Die Adesso-Software bietet den Kunden zukunftssichere Technologie mit sehr innovativer Versicherungsmathematik als Grundlage für das Anbieten flexiblerer Versicherungsprodukte“, erklärt Adesso-Vorstand Christoph Junge im Gespräch. „Wenn sich eine Versicherung für mehrere Sparten von in|sure entscheidet, kommt als ein zusätzlicher Vorteil die 1-Plattform-Strategie zum Tragen: Alle Sparten, wie Leben und Kranken, sind auf der gleichen Softwareplattform entwickelt und teilen sich gemeinsame Funktionen“, hebt Junge noch einen positiven Aspekt seiner Softwarelösung hervor. „So kann eine Versicherung die Kosten für die Bereithaltung und Beherrschung verschiedener Technologien reduzieren und gewinnt durch geringere Komplexität Sicherheit.“

Der Anfang ist gemacht. Im abgelaufenen Jahr wurde die Lebensversicherungssoftware bereits sechs Mal an Kunden verkauft. Erlös: rund zehn Millionen Euro. Seit Anfang Januar setzt mit Generali auch der zweitgrößte Erstversicherer in Deutschland auf diese Software als Bestandssystem für die Lebensversicherungssparte. Für Junge ein wichtiger Meilenstein. Analyst Wolf stimmt zu: „Aus unserer Sicht unterstreicht dieser Auftrag den Modernisierungsbedarf, den Versicherungen bei ihrer IT feststellen.“ Doch damit nicht genug: „Der Auftrag zeigt auch, dass Adessos moderne Software nicht nur für kleine, sondern auch große Versicherungen passgenau ist, was zugleich Ausdruck der Branchenexpertise der Gesellschaft ist“, führt der Experte aus.

Das sollte für eine steigende Nachfrage sorgen. Das Potenzial ist enorm. In Deutschland gibt es über 375 Versicherungen. „Wir denken, dass von diesen etwa 100 bis 150 adressierbar sind. Angesichts des hohen Modernisierungsbedarfs, auf den etwa 80 Prozent aller deutschen Versicherungen verweisen, bieten sich Adesso attraktive Wachstumschancen durch die Ablösung von Altsystemen“, zeigt der Warburg-Experte das Potenzial auf. Passend dazu hat Adesso Ende 2016 mit der privaten Krankenversicherung bereits das nächste Modul der Software-Suite fertiggestellt.

Die ersten Kunden dürften auch hier nicht mehr lange auf sich warten lassen. Nach meinen Schätzungen könnten mit in|sure im Gesamtjahr insgesamt rund 20 Millionen Euro erlöst werden. Zudem soll bis Weihnachten 2017 die Entwicklung für die Bereiche Sach- und Kfz-Versicherungen abgeschlossen sein. Durch den hohen Anteil an Sachversicherungen in Deutschland könnte 2018 der Umsatz daher bereits auf über 50 Millionen Euro steigen. Aufgrund der überschaubaren Anzahl an Wettbewerbern, neben SAP und msg life sind hier noch die internen IT-Abteilungen der Versicherungen zu nennen, dürfte Adesso in allen angebotenen Bereichen schnell auf einen zweistelligen Marktanteil kommen.

Noch belasten die Entwicklungskosten die Marge, die in diesem Bereich mit rund sechs Prozent unter den möglichen Werten liegt. „Da es sich bei in|sure um Standardsoftware handelt, sollten mittelfristig für ein solches Produkt in der Branche übliche Margen zu erzielen sein“, ist Analyst Wolf überzeugt. Dies zeigt, dass Adessos EBITDA-Margenziel von neun bis elf Prozent bei einem höheren Anteil des Produktgeschäfts und der Softwarewartung nicht ambitioniert ist.

Dank der ungebrochen hohen Auslastung dürfte Adesso für das abgelaufene Jahr erneut über ein zweistelliges Umsatzwachstum und einen überproportionalen Ergebnisanstieg berichten. Die aufgrund der Smarthouse-Akquisition bereits angepasste Prognose wurde Ende November noch einmal hochgesetzt. Nun wird ein Umsatz von 252 bis 262 Millionen Euro sowie eine EBITDA-Spanne zwischen 20 bis 24 Millionen Euro erwartet. Ich gehe davon aus, dass die Gesellschaft jeweils mindestens am oberen Ende der eigenen Ziele herauskommen wird. Mit weiteren margenstarken Zukäufen sollten die Umsätze im laufenden Jahr dann die 300-Millionen-Euro-Marke knacken. Das notwendige Kleingeld wurde über eine Kapitalmaßnahme bereits in die Kasse gespült.

Dank der hohen Auslastung, der zunehmenden Anzahl an Lizenzen und Wartungserlösen bleibt Adesso auf der Überholspur. Das enorme Potenzial der neuen Softwarelösung in|sure, ausgelöst durch den Modernisierungsbedarf der heimischen Versicherungskonzerne, sorgt für zusätzliche Fantasie. Mit der Etablierung der Versicherungsplattform wird das dynamische Wachstum durch nachhaltig steigende Margen begleitet. Damit ist die Basis für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung geschaffen. Auf Jahressicht liegen – Stand heute – Notierungen im Bereich um 70 Euro im Rahmen des Möglichen.

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Aktien oder Derivate, die in diesem Artikel besprochen / genannt werden, befinden sich im "Real-Depot" von DER AKTIONÄR.