Europa schickt erstmals ein Quanten-Start-up an die Wall Street: Das deutsch-finnische Unternehmen IQM plant noch im Sommer den Gang an die Nasdaq durch eine SPAC-Fusion. Die Bewertung liegt bei 1,8 Milliarden Dollar, mehr als 450 Millionen Dollar Liquidität sind vorgesehen. 21 Systeme sind bereits verkauft. Der US-Markt ist das Ziel. Dort entscheidet sich, ob IQM im globalen Quantenrennen bestehen kann.
Mit IQM steht erstmals ein europäischer Quantenanbieter vor dem Sprung an eine US-Börse. Das deutsch-finnische Unternehmen will per Zusammenschluss mit der an der Nasdaq gelisteten Mantelgesellschaft Real Asset Acquisition Corp. an den Kapitalmarkt. Die Aktien sollen im Juni 2026 handelbar sein.
Die Bewertung ist ambitioniert. IQM beziffert den Unternehmenswert vor frischem Kapital auf rund 1,8 Milliarden Dollar. In der Finanzierungsrunde im September 2025 lag die Bewertung noch bei rund einer Milliarde Dollar. Nach Abschluss soll die Liquidität mehr als 450 Millionen Dollar betragen.
Enthalten sind rund 175 Millionen Dollar aus dem Treuhandkonto des SPAC, etwa 134 Millionen Dollar aus einer PIPE-Platzierung zu 10,00 Dollar je Aktie, voraussichtlich 24 Millionen Dollar aus der Ausübung von Optionsscheinen sowie 172 Millionen Dollar Barmittel per Ende 2025. Wesentliche Altaktionäre verkaufen keine Anteile und unterliegen einer Lock-up-Vereinbarung.
IQM weist für 2025 mindestens 35 Millionen Dollar Umsatz aus. Zum Jahresende 2025 lagen die Bookings beziehungsweise die Visibilität nach Unternehmensangaben bei mehr als 100 Millionen Dollar. Der Auftragsbestand beträgt rund 100 Millionen Dollar. Insgesamt wurden nach eigenen Angaben 21 Systeme an 13 Kunden verkauft, darunter vier der zehn größten Supercomputing-Zentren weltweit. Der erste Auftrag in den USA geht an das Oak Ridge National Laboratory, das größte Forschungslabor des US-Energieministeriums und Betreiber eines der leistungsfähigsten Supercomputer der Welt.
Der Hauptsitz liegt in Finnland, IQM ist jedoch auch in München verankert. Dort arbeiten 90 der insgesamt 330 Beschäftigten. CEO Jan Goetz begründet den Schritt klar. „Wir gehen nicht an die Börse, weil wir in akuten Geldnöten sind“, sagte er dem Handelsblatt. Ziel seien mehr Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit sowie der Ausbau des US-Geschäfts. In fünf Jahren soll der Umsatz je zur Hälfte aus Europa und den USA kommen.
US-Anbieter wie IonQ, D-Wave oder Rigetti haben gezeigt, wie stark Erwartungen an Quantencomputer die Kurse bewegen können – und wie schnell diese wieder korrigieren. IQM tritt mit ausgelieferten Systemen und Partnern wie Nvidia und AWS an. Dennoch bleibt das technologische Risiko hoch. Quantencomputer sind bislang nicht breit kommerziell einsetzbar. Die Boston Consulting Group sieht ein Marktpotenzial von rund 90 Milliarden Dollar bis 2040. Das ist jedoch eine langfristige Modellrechnung – wann daraus belastbare Umsätze entstehen, hängt vom technischen Fortschritt ab.
Der Börsengang macht IQM zum ersten börsennotierten Quantenunternehmen Europas. Damit rückt der Wettbewerb mit den milliardenschweren US-Konkurrenten in eine neue Phase. DER AKTIONÄR hält Sie über alle spannenden Entwicklungen auf dem Laufenden. Wer auf die bereits gelisteten und etablierten Unternehmen der Branche setzen und das Risiko streuen möchte, findet im Quantum Computing Index von DER AKTIONÄR eine passende Lösung.
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