Porsche-CEO Michael Leiters hat von seinem Vorgänger Oliver Blume keinen einfachen Job übernommen. Keinen „Feinschliff“-, „Feintuning“-Job, sondern wohl eher eine Turnaround-Mission. Kein Sprint, eher ein Marathon. Die Investoren scheinen zuletzt allerdings wieder Mut geschöpft zu haben. Der Optimismus ist groß, dass Leiters Porsche wieder Style, wieder Glamour, wieder einen Touch Begehrlichkeit zurückgibt.
Value over Volume, so will Porsche wieder zu alter Stärke zurückfinden. Heißt übersetzt: Porsche will in Zukunft wieder weniger Autos verkaufen, diese aber mit hoher Marge, hoher Exklusivität und starker Preissetzungsmacht, statt über hohe Rabatte die Stückzahlen künstlich nach oben zu pushen.
UBS-Analyst Patrick Hummel ist davon überzeugt, dass „die Elemente der Wende zunehmend sichtbar werden“. Dazu zählen Hummel Anpassungen im Bereich des Produktportfolios wie zum Beispiel ein zu starker Fokus auf Elektroautos und der Rollout neuer Produkte mit Verbrenner- und Hybridantrieb. Hummel begrüßt auch das Bestreben des Managements, die Orga zu verschlanken und den Fokus auf die Produktqualität zu legen. „Wir erwarten, dass nach Jahren halbherziger Effizienzmaßnahmen ein schlankerer "neuer Porsche" entsteht, mit einer passenden Organisation für ein jährliches Volumen von 250.000 bis 280.000 Einheiten im Vergleich zu 350.000 zum Zeitpunkt des Börsengangs“, so Hummel. Sein Kursziel für die Aktie lautet 60 Euro.
Auch Goldman Sachs-Analyst Christian Frenes änderte zuletzt die Sichtweise gegenüber der Porsche AG. Struktureller Gegenwind bleibe zwar Realität, er sei aber in den massiv gesunkenen Erwartungen inzwischen angekommen, schrieb Frenes.
Frenes sieht zwei aus seiner Sicht noch verkannte Kompensationsmöglichkeiten: höhere Durchschnittspreise dank eines besseren Modellmix und indirekte Kostenvorteile. Insgesamt sei der mehrjährige Gewinnerholungsweg klarer absehbar. Bis 2030 rechnet Frenes im Schnitt mit 30 Prozent Ergebnisplus per annum.
CEO Michael Leiters, der zu Beginn des Jahres den Posten bei Porsche von Oliver Blume übernommen hat, muss noch viele Baustellen managen. Neben dem sinkenden Absatz belastet der Strategieschwenk: Wieder mehr Verbrenner statt Elektromodelle entwickeln. Hinzu kommt, dass die Verkäufe im wichtigsten Absatzmarkt China weiterhin unter Druck stehen. Porsche muss unter Leiters wieder mehr Luxusmarke als Volumenhersteller sein.
Oder in der Börsensprache: erst wieder Begehren wecken, dann kommt auch wieder die Marge nach oben. Leiters hat die ersten Maßnahmen angestoßen. Die Aktie ist eine Wette wert. Anleger bringen Geduld mit.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Porsche AG.
Heute, 15:45