Ernüchterung in Kyoto. Nintendo meldet für das zweite Geschäftsquartal einen überraschenden Gewinnrückgang. Der japanische Traditionskonzern kämpft an zwei Fronten: Es fehlen neue Spiele-Hits, gleichzeitig explodieren die Kosten für die Switch 2.
Der Betriebsgewinn fiel im Quartal um 16 Prozent auf 73,9 Milliarden Yen. Das entspricht rund 468 Millionen Dollar. Der Umsatz sackte zeitgleich um 15 Prozent ab. Analysten hatten im Schnitt mit einem unveränderten Ergebnis gerechnet.
Der Grund: Die Switch 2 verliert im zweiten Jahr nach Marktstart spürbar an Tempo. In den sechs Monaten bis September setzte Nintendo 6,49 Millionen Einheiten der Konsole ab. Das ist ein Einbruch von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Teure Komponenten belasten die Marge
Auch der Boom bei Künstlicher Intelligenz drückt auf die Bilanz. Speicherchips sind weltweit begehrt und teuer. Nintendo rechnet für das Geschäftsjahr mit Mehrkosten von rund 100 Milliarden Yen durch gestiegene Bauteilpreise und Zölle. Vor ähnlichen Problemen stehen auch Konkurrenten wie Sony mit der PlayStation oder Apple.
Das Management steuerte gegen und erhöhte die Hardware-Preise. In den USA stieg der Preis der Switch 2 Anfang September um 50 Dollar auf 499,99 Dollar. Entsprechend zurückhaltend reagieren die Verbraucher: Die Absatzzahlen der Konsole sanken in den USA im September um 14 Prozent, während der US-Gesamtmarkt für Spiele-Hardware wuchs.
Harter Konkurrenzkampf vor dem Weihnachtsgeschäft
Während die Hardware schwächelt, lief das Software-Geschäft besser. Die Spieleverkäufe kletterten um 19 Prozent, gestützt vom Erfolg des Titels Tomodachi Life: Living the Dream. Dennoch blickt der Konzern auf ein schwieriges Weihnachtsgeschäft.
Am 19. November erscheint das Schwergewicht Grand Theft Auto VI. Der Blockbuster dürfte weltweit erhebliche Budgets der Gamer binden. Nintendo setzt dagegen vor allem auf Nostalgie: Seit dieser Woche steht ein Remake des Klassikers The Legend of Zelda: Ocarina of Time in den Regalen – eine Neuauflage eines Titels, der ursprünglich vor fast drei Jahrzehnten erschien.
Nintendo hält bislang an seiner Jahresprognose fest, den Gewinn um drei Prozent zu steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht der Konzern im zweiten Halbjahr allerdings eine drastische Trendwende. Nintendo ist derzeit keine laufende Empfehlung des AKTIONÄR.
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