12.04.2017 Michael Schröder

Nebenwerte-Segment Scale im Fokus - Experte sicher: "Hier sollte einiges möglich sein"

-%
DAX
Trendthema

Mit dem neuen Börsensegment Scale will die Deutsche Börse kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zum Aktienmarkt erleichtern. DER AKTIONÄR sprach mit Dr. Georg Issels, anerkannter Nebenwerte-Experte und Mitglied des Vorstands der Scherzer & Co. AG, über Aussichten, Ziele und mögliche Probleme des Entry-Standard-Nachfolgers.

Seit dem 1. März ersetzt das neue Segment für Wachstumsfirmen Scale den sogenannten Entry Standard. In der aktuellen Ausgabe nennt der AKTIONÄR seine fünf Favoriten aus dem neuen Segment. Die Ausgabe kann hier bequem heruntergeladen werden. Die aktuelle Ausgabe 16/17 des AKTIONÄR kann man hier bequem herunterladen.

DER AKTIONÄR: Herr Issels, was erhofft sich die Deutsche Börse von dem neuen Marktsegment für kleine und mittlere Unternehmen mit dem Namen Scale?

Georg Issels: Zumindest für die Scher­zer & Co. AG kann ich antworten, dass wir uns erhoffen, dass sich ein anerkanntes und geachtetes Börsensegment unterhalb des SDAX etabliert, welchen von in- und ausländischen Investoren geschätzt wird. Wir erwarten von der Deutschen Börse, dass sie sich nachhaltig und mit ganzer Kraft für das neue Segment starkmacht und sowohl profitable wie auch spannende Unternehmen ansiedelt.

Scale startete am 1. März und soll den Entry Standard ersetzen. Wo liegen die wesentlichen Unterschiede – oder: Inwiefern ändert sich überhaupt etwas?

Die meisten Folgepflichten für die teilnehmenden Unternehmen entsprechen denen des Entry Standard, hier ändert sich also nicht so viel. Anders sieht es beim Zugang zu Scale aus: Hier wurden quantitative und qualitative Kriterien definiert, die von den Gesellschaften erfüllt werden müssen, wenn sie in das neue Segment eintreten. Ebenso wird es kontinuierlich ein Researchprodukt geben, das von der Börse in Auftrag gegeben wird und den Investoren Orientierung bietet.

Für viele Börsianer werden beim Gedanken an ein neues Marktsegment Erinnerungen an den Neuen Markt wach. Sehen oder befürchten Sie auch solche Parallelen?

Diese Parallelen sehen wir nicht: Die Deutsche Börse hat sicherlich, wie die anderen Marktteilnehmer auch, aus den Erfahrungen des Neuen Marktes und des Entry Standard viel gelernt. Wir sollten uns alle der Notwendigkeit bewusst sein, dass ein führendes Industrieland wie Deutschland auch ein gescheites Börsensegment für kleine und mittlere Unternehmen unterhalb der Gruppe der großen Indizes benötigt. Hier könnte schließlich der „Nachwuchs“ herkommen, der Wachstum und Innova­tion für unsere Wirtschaft bringt.

Scale soll vor allem kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zum Aktienmarkt erleichtern. Die Deutsche Börse erhofft sich davon einen neuen Schub für Börsengänge. Eine realistische Einschätzung?

Es wird sich zeigen, wie dieses Segment dann tatsächlich „gelebt“ wird. Klar ist, das Börsensetup sollte stimmig sein: Unternehmen, Capital Market Partner und Börse müssen an einem Strang ziehen. Wenn dann noch das Börsenklima ansprechend ist und nicht gerade Terror und Eurokrise die Stimmung verderben, sollte hier so einiges möglich sein!

Zum Abschluss: Das neue KMU-Segment beerdigt den Entry Standard, der von einigen Skandalen erschüttert wurde. Hat Scale eine Zukunft in Deutschland?

Definitiv ja! Es gibt genügend spannende Unternehmen in Deutschland, für die es lohnt, den Weg zum Kapitalmarkt zu bahnen. Hier kann sich die Deutsche Börse sinnvoll und positiv ausleben.

Herr Issels, vielen Dank für das Gespräch!

In der aktuellen Ausgabe nennt der AKTIONÄR seine fünf Favoriten aus dem neuen Segment. Die Ausgabe kann man hier bequem herunterladen.

Buchtipp: Kurzfriststrategien für Anleger

Bekannt wurde er mit Langfriststrategien. Doch in seinem neuen Buch widmet sich Börsenexperte Thomas Gebert nun Kurzfriststrategien: Wie bekommt man die kurzfristigen Bewegungen der Aktienkurse in den Griff? Der Schlüssel liegt einerseits in einer speziellen Deutung der Candlestick-Charts, mit denen sich relative Stimmungsextreme diagnostizieren lassen, und andererseits in einem bestimmten Rhythmus, in dem die Kurse schwingen. Die Kombination, auf den emotionalen Umschwung zu warten und ihn zum richtigen Zeitpunkt zu erkennen, macht es möglich, die unmittelbare Richtung des DAX einzuschätzen. Gebert erklärt zudem, wie er zu seiner überaus treffsicheren 2-Wochen-Prognose in seinem beliebten „GebertBrief“ kommt.

Autoren: Gebert, Thomas
Seitenanzahl: 272
Erscheinungstermin: 05.12.2019
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-655-4