Munich Re zählt am Tag der Hauptversammlung zu den schwächeren DAX-Werten. Einige Neueinsteiger dürften auf den morgen anstehenden Dividendenabschlag warten. Doch dieser ist wohl nicht der einzige Grund für die Zurückhaltung der Anleger. Auch Aussagen des neuen Konzernchefs Christoph Jurecka stehen im Fokus.
Die Aktie von Munich Re kommt am Mittwoch nicht richtig in Schwung. Ausgerechnet am Tag der Hauptversammlung zählt der Rückversicherer zu den schwächsten Werten im DAX. Im Fokus steht dabei zunächst die Dividende: Vorstand und Aufsichtsrat schlagen für das Geschäftsjahr 2025 eine Ausschüttung von 24,00 Euro je Aktie vor.
Wer die Dividende noch mitnehmen will, muss die Aktie spätestens heute im Depot haben. Ab Donnerstag wird der Titel ex Dividende gehandelt, der Kurs dürfte rein rechnerisch also um 24,00 Euro niedriger starten. Die Auszahlung ist dann für den 5. Mai vorgesehen.
Dass die Aktie schon vor dem Dividendenabschlag schwächelt, dürfte aber nicht nur an Gewinnmitnahmen liegen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hat der neue Munich-Re-Chef Christoph Jurecka auf mehrere Belastungsfaktoren hingewiesen.
Besonders relevant für Anleger: In der Schaden-Rückversicherung steht Munich Re weiter unter Preisdruck. Jurecka sprach von moderateren Preisen in den vergangenen Erneuerungsrunden. Grund sei ein hohes Angebot im Markt, zudem sei 2025 bei Naturkatastrophen ein vergleichsweise mildes Jahr gewesen.
Das ist für die Branche ein zweischneidiges Schwert. Weniger Großschäden stützen kurzfristig die Gewinne. Gleichzeitig nimmt aber der Druck auf die Preise zu, weil Kunden und Wettbewerber ein entspannteres Schadensumfeld einpreisen.
Genau diese Sorge hatte der Markt bereits nach den Jahreszahlen im Blick: Munich Re erzielte 2025 zwar einen Rekordgewinn von 6,1 Milliarden Euro, gleichzeitig gingen die Preise in der Rückversicherung zu Jahresbeginn zurück.
Ein zweiter Punkt aus dem Interview mit der FAZ: Jurecka will Munich Re breiter aufstellen. Die Schaden- und Unfall-Rückversicherung bleibt zwar das Rückgrat des Konzerns. Bis 2030 soll ihr Ergebnisbeitrag aber von 50 auf 40 Prozent sinken.
Ergo, Spezialversicherung und Leben-Rückversicherung sollen im Gegenzug mehr Gewicht bekommen. Das ist strategisch sinnvoll, weil es die Ergebnisse stabilisieren soll. Kurzfristig zeigt es aber auch: Das Management rechnet weiterhin mit Zyklik und Volatilität im Kerngeschäft.
Dennoch bleibt die Gesamtlage positiv. Munich Re hat 2025 mit einem Konzernergebnis von 6,12 Milliarden Euro das eigene Gewinnziel von 6,0 Milliarden Euro übertroffen – bereits zum fünften Mal in Folge. Für 2026 peilt der Konzern einen Gewinn von 6,3 Milliarden Euro an.
DER AKTIONÄR bleibt bei seiner grundsätzlich positiven Einschätzung. Kurzfristig können der bevorstehende Dividendenabschlag, Gewinnmitnahmen und der Preisdruck in der Schaden-Rückversicherung belasten. Fundamental bleibt Munich Re aber hochprofitabel, kapitalstark und aktionärsfreundlich. Anleger bleiben dabei. Wer neu einsteigen will, kann den Dividendenabschlag am Donnerstag für einen etwas günstigeren Einstieg nutzen. Vor allem für langfristige Anleger bleibt die Aktie attraktiv.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Munich Re.
Heute, 12:05