Der eskalierende Nahostkonflikt könnte für Bewegung im globalen Rückversicherungsmarkt sorgen – und damit auch für die Aktie von Munich Re. Eine neue Analyse der Ratingagentur AM Best deutet darauf hin, dass Rückversicherer ihre Risikomodelle und Preise neu bewerten müssen, sollte die geopolitische Lage weiter eskalieren.
Laut AM Best könnten die kommenden Vertragsverlängerungen zu einem Wendepunkt für den Rückversicherungssektor werden – vor allem in den betroffenen regionalen Märkten. Sollte der Konflikt anhalten oder sich verschärfen, könnten Rückversicherer höhere Preise für kommerzielle Risiken verlangen.
Zudem seien Anpassungen bei Vertragsbedingungen, Ausschlüssen und Ereignislimits möglich. Auch Provisionssätze für bestimmte Anlageklassen könnten sich verändern, während der Druck auf lokale Versicherer steigen könnte, mehr Kapital selbst vorzuhalten.
Zwar sei die risikoadjustierte Kapitalisierung vieler Versicherer weiterhin solide, doch laut AM Best ist die absolute Kapitalbasis vieler Marktteilnehmer begrenzt.
Das bedeutet: Die Branche bleibt weiterhin stark auf Rückversicherungskapazitäten angewiesen. Ohne ausreichende Rückversicherung könne der Markt langfristig nicht effizient funktionieren.
Trotz der geopolitischen Spannungen sieht AM Best bislang nur begrenzte direkte Auswirkungen auf den globalen Rückversicherungsmarkt. Schäden würden meist in Form einzelner größerer Verluste auftreten.
Ein wichtiger Grund: Kriegsrisiken sind in den meisten Versicherungsverträgen ausgeschlossen. Sie werden nur als Zusatzdeckung für bestimmte Risiken angeboten.
Hinzu kommt, dass iranische Risiken aufgrund internationaler Sanktionen von globalen Rückversicherern weitgehend nicht gedeckt werden. Schäden an Infrastruktur in der Region dürften daher nur begrenzte Auswirkungen auf die Schadenbilanzen internationaler Rückversicherer haben.
Ein möglicher Nebeneffekt geopolitischer Spannungen könnte laut AM Best ein Anstieg staatlich unterstützter Cyberangriffe sein.
Viele Cyberpolicen schließen kriegerische oder staatlich unterstützte Angriffe zwar aus. Dennoch könnten Produkte mit entsprechender Deckung mittelfristig unter Druck geraten, wenn Cyberattacken verstärkt als geopolitisches Instrument eingesetzt werden.
Der Markt für Cyberversicherungen wächst ohnehin stark. Während die USA aktuell dominieren, erwartet AM Best, dass internationale Märkte in den kommenden Jahren einen immer größeren Anteil an den globalen Prämien einnehmen.
Für Branchenführer wie Munich Re könnte eine Neubewertung geopolitischer Risiken sogar Chancen bieten. Steigende Risiken führen häufig zu höheren Rückversicherungspreisen, wovon kapitalstarke Anbieter besonders profitieren.
Gleichzeitig bleibt die geopolitische Lage ein Unsicherheitsfaktor für den gesamten Versicherungssektor.
Munich Re gehört weiterhin zu den Qualitätswerten im Versicherungssektor. Der Nahostkonflikt könnte die Perspektive bei den zuletzt schwächelnden Preisen wieder etwas bessern. Kurzfristig bleiben die direkten Auswirkungen jedoch begrenzt. Dementsprechend bleibt die Aktie eine Halteposition.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Munich Re.
Heute, 14:33