24.02.2011 Bastian Galuschka

Morphosys: Erneut viel Wirbel um nichts

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DAX
Trendthema

Die Bären haben sich derzeit auf die Morphosys-Aktie eingeschossen. Nach der unglücklichen buchhalterischen Prognosesenkung belastet heute der Abgang des Finanzchefs die Aktie. Die solide Finanzprognose für das Jahr 2011 tritt dadurch in den Hintergrund.

So erfreulich der Jahresauftakt für die Morphosys-Aktionäre verlief, so nervenaufreibend gestalten sich die vergangenen Wochen. Erst eine überraschende Prognosesenkung, heute der negativen Überraschung zweiter Teil: Finanzvorstand Dave Lemus wird Morphosys im März verlassen. Nachfolger wird Jens Holstein, bisheriger Geschäftsführer der Fresenius Kabi Deutschland GmbH. Er wird sein Amt am 1. März antreten. Gründe werden keine genannt, Lemus werde sich "anderen Aufgaben widmen", heißt es in der Meldung. Die Nachricht sorgt für Verunsicherung am Markt, immerhin hatte Lemus dem Unternehmen bereits vor dem Börsengang im Jahr 1999 angehört.

Solides Zahlenwerk

Bei diesem Trubel treten die heute gemeldeten soliden Zahlen in den Hintergrund. Morphosys hat seinen Umsatz im abgelaufenen Jahr von 81 auf 87 Millionen Euro gesteigert, der Gewinn blieb mit 9,2 Millionen Euro oder 0,40 Euro je Aktie trotz deutlich erhöhter Ausgaben für Forschung und Entwicklung konstant. Für 2011 erwartet Vorstandsvorsitzender Simon Moroney ein Umsatzwachstum von über 20 Prozent sowie einen Gewinn, der das Niveau des Vorjahres in jedem Fall erreichen wird. Berücksichtig man, dass die Investitionen in Forschung und Entwicklung erneut deutlich ausgeweitet werden, kann der Ausblick als grundsolide betrachtet werden. Das Morphosys-Management ist darüber hinaus für konservative Prognosen bekannt, die kürzliche Gewinnwarnung war vorrangig einer buchhalterischen Panne des Wirtschaftsprüfers geschuldet.

Pipeline wächst weiter

Was die Pipeline betrifft, das Herzstück einer jeden Biotech-Firma, konnte Morphosys im Jahr 2010 signifikante Fortschritte vermelden. Die Zahl der Projekte in der klinischen Entwicklung konnte von acht auf 17 mehr als verdoppelt werden. Im laufenden Jahr soll deren Zahl noch einmal deutlich auf 22 Projekte steigen. Im Kurs zeigten sich diese Fortschritte nicht, die Aktie pendelte im Jahr 2010 seitwärts. Abzüglich des Cashbestandes von 108 Millionen Euro wird die Pipeline des Unternehmens derzeit gerade einmal mit rund 300 Millionen Euro bewertet.

Völlige Übertreibung des Marktes

Das Beispiel der Morphosys-Aktie heute zeigt perfekt, wie die Börse tickt. Fundamental hat sich an den langfristigen positiven Aussichten des Unternehmens absolut nichts verändert, der heutige Abverkauf ist vielmehr vorrangig psychologisch getrieben und zudem dem negativen Gesamtmarktsentiment geschuldet. Der Abgang des Finanzchefs ändert an der Langfriststrategie des Managements gar nichts, dass Morphosys kräftig in seine Pipeline investiert, ist seit längerer Zeit ebenso kein Geheimnis. Dennoch arbeitet das Unternehmen seit Jahren profitabel und wird dies auch in Zukunft tun.

DER AKTIONÄR ist überzeugt, dass sich diese Strategie auch für die Aktionäre auszahlen wird und bestätigt seine positive Einschätzung für den Titel. Nichtsdestotrotz müssen investierte Anleger, sollte das negative Sentiment für die Aktie anhalten, natürlich auch das Verlustrisiko begrenzen und sollten daher den Stoppkurs bei 15,50 Euro beachten.