29.08.2019 Lars Friedrich

Mitten im Handelskrieg: Chinesen stürmen US-Supermarkt – wie Alibaba davon profitiert

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Alibaba
Trendthema

Auf Knien krabbeln die ersten Kunden ins Geschäft, als die Rollläden hochgezogen werden. Drinnen rangeln Frauen um ein rohes Stück Fleisch. Draußen warten Autofahrer bis zu drei Stunden auf einen Parkplatz. Grund für die Aufregung: Die US-Handelskette Costco hat gerade ihren ersten Laden in China eröffnet.

Die Mittelklasse in China wächst bekanntermaßen, und die Konsumlust ist ungebremst. Das zeigten bereits die jüngsten Zahlen Alibabas. Wie berichtet, kann sich aber selbst der chinesische E-Commerce-Riese nicht der Anziehungskraft stationärer Läden verschließen.

Wie hoch diese Anziehungskraft ist, wurde diese Woche in Shanghai deutlich. Angelockt von Rabatten, Kundenkarten und der Neugierde auf eine Premiere, zog es Tausende zur Eröffnung des Costco-Ladens – bis dieser aufgrund des Andrangs vorzeitig geschlossen wurde.

Das Unternehmen schrieb seinen Kunden sogar per SMS: „Um Ihnen ein besseres Einkaufserlebnis zu bieten, wird Costco heute Nachmittag sein Geschäft unterbrechen. Bitte kommen Sie nicht.“

Der Fall ist ein Indiz dafür, dass chinesischen Konsumenten die Lust auf US-Firmen trotz des zunehmend schärfer ausgetragenen Handelskonflikts nicht vergangen ist.

Wie erfolgreich der Costco-Laden auf Dauer sein wird, ist freilich ungewiss. Vor einigen Jahren musste beispielsweise die britische Supermarktkette Tesco den Rückzug aus China antreten.

Walmart dagegen expandierte schon 1996 nach China, betreibt dort inzwischen Hunderte Läden.

Alibaba (WKN: A117ME)

Costco ist seit 2014 in China präsent, verkaufte seine Produkte bislang aber nur über die Alibaba-Plattform Tmall. Die kostenlose Werbung durch die Berichte über die Tumulte bei der Laden-Eröffnung könnte auch den Online-Absatz ankurbeln. Zumal sich selbst Shanghaier angesichts der Bilder überlegen dürften, ob sie stundenlange Wartezeiten und Drängeleien riskieren wollen, wenn es auch bequemer geht. Während die Costco-Aktie auf ein neues Allzeithoch geklettert ist, bleibt es bei Alibaba dabei, dass wohl erst eine Lösung im Handelskonflikt zu neuen Höchstkursen führen wird.

Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Alibaba.

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