Der Kupfer-Hype bekommt heute einen heftigen Dämpfer. Dabei stand zuletzt bei Spekulanten schon die Frage im Raum, ob Kupfer gar das bessere Gold sei. Nach der starken Rally verlieren die Aktien mehrerer großer Produzenten nun jedoch kräftig. Eine Nachricht aus Washington bringt die zuletzt beflügelte Fantasie ins Wanken.
Nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen Monate geht es bei Kupfer und den Produzenten am Donnerstag deutlich abwärts. Freeport-McMoRan verliert rund acht Prozent, Southern Copper gibt sieben Prozent nach. Auch Teck Resources, Ero Copper, Capstone Copper und First Quantum Minerals stehen massiv unter Druck.
In Europa führt der Rohstoffsektor die Verliererliste an. Der Stoxx-600-Branchenindex für Basismetalle fällt um 3,6 Prozent. Mit Aurubis und Salzgitter (an Aurubis beteiligt) verlieren auch deutsche Aktien.
Aktien wie Antofagasta, Anglo American und Pan African Resources verlieren ebenfalls sehr deutlich.
Zölle auf der Kippe
Der Auslöser ist ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach hat das Weiße Haus noch keine endgültige Entscheidung über mögliche Zölle auf raffiniertes Kupfer getroffen. Die Regierung prüfe weiterhin, wie mehr Kupferförderung und andere wichtige industrielle Produktionen in die USA zurückgeholt werden können.
Hinter den Überlegungen stehen zwei gegenläufige Interessen: Zölle könnten die heimische Förderung fördern. Gleichzeitig würden sie Kupfer in den USA verteuern und damit die Kosten für Hersteller erhöhen. Eine Entscheidung ist laut Reuters bislang nicht gefallen.
Ein Sprecher der US-Regierung bestätigte, dass das Handelsministerium Präsident Donald Trump bis zum 30. Juni über die Ergebnisse seiner Prüfung informiert habe. Die Regierung bewerte weiterhin alle Möglichkeiten, um Kupfer und andere strategisch wichtige Produktionsbereiche in die USA zurückzuholen.
Für den Kupfermarkt ist das ein Rückschlag. Die Aussicht auf US-Zölle hatte den Preis zuletzt zusätzlich nach oben getrieben. Händler brachten große Mengen Kupfer in die Vereinigten Staaten, um mögliche Preisaufschläge durch die Zölle zu nutzen.
Für die Branche kommt die Nachricht zur Unzeit. Kupfer war zuletzt wegen der Elektrifizierung, des Netzausbaus und des steigenden Rohstoffbedarfs für Rechenzentren stark gefragt. Die Zollhoffnung hatte den Preisanstieg zusätzlich beschleunigt. Jetzt zeigt sich, wie viel davon bereits vorweggenommen war. Der heutige Rückgang unterstreicht, dass Hype-Phasen bei Rohstoffen wie Kupfer genau das sind: Hypes. Momentaufnahmen. Spekulationen, bei denen irgendwann die Gegenbewegung folgt. Ob daraus nun gleich ein nachhaltiger Trendwechsel entsteht, hängt allerdings von der tatsächlichen US-Entscheidung und der weiteren Nachfrageentwicklung ab – wirklich schlecht sieht beispielsweise der Chart von Freeport-McMoRan jetzt noch nicht aus. Für Anleger, die nicht sehr kurzfristig orientiert sind, gilt daher im Zweifel erst einmal: keine Panik.
Heute, 16:48
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