Kupfer kennt derzeit kein Halten: Heute steigen die Preise in London den vierten Handelstag in Folge und markierten mit 14.635 Dollar je Tonne ein neues Rekordhoch. Seit Jahresbeginn hat sich das Industriemetall damit bereits um rund 17 Prozent verteuert. Und vieles spricht dafür, dass die Rally noch nicht beendet ist.
Der wichtigste Treiber ist die Angebotsseite. Nach vorläufigen Zahlen der International Copper Study Group (ICSG) ist die weltweite Kupferminenproduktion im ersten Halbjahr 2026 um 1,1 Prozent gesunken. Besonders deutlich fiel der Rückgang in mehreren wichtigen Förderländern aus – darunter Chile, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo. Damit verschärft sich ein Problem, das den Kupfermarkt bereits seit Längerem beschäftigt: Neue Minen kommen nur langsam in Produktion, während bestehende Projekte mit sinkenden Erzgehalten, technischen Problemen und steigenden Kosten kämpfen.
Auf der Nachfrageseite zeichnet sich gleichzeitig keine Entspannung ab. Im Gegenteil: Der globale Wettlauf um künstliche Intelligenz entwickelt sich zu einem zusätzlichen Megatrend für Kupfer. Rechenzentren benötigen gewaltige Mengen an Strom und damit große Volumina an Kabeln, Leitungen, Transformatoren und Netzwerkinfrastruktur.
Hinzu kommen der Ausbau der Stromnetze, Investitionen in die Elektrifizierung sowie die wachsende Verbreitung von Elektrofahrzeugen. Kupfer ist dabei kaum zu ersetzen: Das Metall verbindet eine sehr gute elektrische Leitfähigkeit mit hoher Verfügbarkeit, Verarbeitbarkeit und Belastbarkeit. Je stärker die Welt elektrifiziert wird, desto größer wird der Kupferbedarf.
Besonders brisant ist das Zusammenspiel aus langfristig steigender Nachfrage und kurzfristig begrenztem Angebot. Selbst wenn die Konjunktur in einzelnen Regionen schwächelt, sorgen strukturelle Investitionen in Stromnetze, Rechenzentren und erneuerbare Energien für eine robuste Basisnachfrage. Der Kupfermarkt wird damit zunehmend zu einem Engpassmarkt.
Zusätzlichen Rückenwind erhält der Kupferpreis durch die Zollfantasie in den USA. Der Markt kalkuliert weiterhin die Möglichkeit von Zöllen auf importiertes Primärkupfer ein. Zwar hätte das US-Handelsministerium dem Präsidenten bereits vor rund zwei Monaten einen Bericht zur Notwendigkeit entsprechender Maßnahmen vorlegen sollen – eine Entscheidung steht bislang jedoch aus.
Allein die Unsicherheit reicht aus, um den internationalen Kupferhandel zu verzerren. Händler und Produzenten versuchen, möglichst viel raffiniertes Kupfer in die USA zu lenken, um dort von potenziell höheren Preisen zu profitieren. Die Folge: Kupferbestände in den LME-Lagerhäusern werden abgeschmolzen. Das sichtbare Angebot an den Börsen sinkt – und die Nervosität am Markt steigt.
Damit entsteht ein selbstverstärkender Effekt: Die Aussicht auf Zölle treibt Material in die USA, entzieht es anderen Märkten und lässt die verfügbaren Lagerbestände schrumpfen. Selbst wenn die Zölle am Ende nicht oder in abgeschwächter Form kommen sollten, bleibt die physische Marktverknappung zunächst bestehen.
Die fundamentale Konstellation spricht weiterhin für steigende Kupferpreise: eine rückläufige Minenproduktion, eine durch KI, Netzausbau und Elektrifizierung befeuerte Nachfrage sowie zusätzliche Verzerrungen durch die US-Zollpolitik. Die großen Gewinner: Die Kupferaktien. In unserem Aktienreport "Der Kupfer-Boom: Rekorde ohne Ende" nimmt Markus Bußler 15 Kupferaktien unter die Lupe und nennt seine Favoriten. Abonnieren Sie jetzt Goldfolio noch bis zum morgigen Mittwoch um 23:59 Uhr mit zehn Prozent Rabatt mit dem Code "GOLD10" und erhalten Sie den Report gratis. Selbstverständlich können Sie die Studie auch ohne Abo regulär erwerben.
08.09.2026, 15:20
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