Der US-Verbindungsspezialist Amphenol liefert Zahlen der Superlative. Doch an der Börse folgt die kalte Dusche: Trotz übertroffener Erwartungen und glänzender Aussichten sackt die Aktie zur Wochenmitte zeitweise um 15 Prozent ab. Was steckt dahinter?
Amphenol hat im vierten Quartal 2025 geliefert. Der Umsatz kletterte auf 6,44 Milliarden Dollar – ein Plus von 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Analysten hatten lediglich mit 6,12 Milliarden Dollar gerechnet. Auch beim Gewinn überzeugte der Konzern: Der bereinigte Gewinn je Aktie sprang um 76 Prozent auf 0,97 Dollar nach oben und schlug die Konsensschätzung von 0,93 Dollar deutlich.
Das Wachstum ist dabei nicht nur zugekauft. Das organische Wachstum lag bei starken 37 Prozent. Die bereinigte operative Marge erreichte mit 27 Prozent einen neuen Rekordwert.
Künstliche Intelligenz frisst Hardware
Der Motor hinter diesen Zahlen ist das Segment „IT-Datacom“. Hier schlägt der KI-Boom voll durch. Die Sparte Communications Solutions meldete ein Umsatzplus von 77,5 Prozent auf 3,42 Milliarden Dollar. Die operative Marge in diesem Bereich: starke 32,7 Prozent.
Während Cloud-Riesen wie Microsoft oder Amazon massiv in Rechenzentren investieren, liefert Amphenol die notwendige Hardware. Die Hochgeschwindigkeitsstecker des Unternehmens sind das Rückgrat für das Training großer KI-Modelle. CEO Adam Norwitt bezeichnete die KI-Revolution folgerichtig als „einzigartige Gelegenheit“.
Warum also der Absturz?
Trotz dieser Rekordwerte reagierte der Markt mit einem massiven Ausverkauf. Der Grund: Analysten, unter anderem von Bloomberg Intelligence, bezeichnen den Ausblick auf das erste Quartal 2026 als „wenig beeindruckend“.
Zwar prognostiziert Amphenol für das laufende Quartal einen Umsatz von bis zu sieben Milliarden Dollar, doch das reicht den Anlegern nicht. Die Analysten vermuten hinter dem starken vierten Quartal sogenannte Vorzieheffekte („demand pull-forward“). Das bedeutet: Kunden könnten Bestellungen, die eigentlich für das neue Jahr geplant waren, bereits Ende 2025 getätigt haben.
Entsprechend kritisch wird die Entwicklung der sequenziellen Umsätze betrachtet – also der Vergleich zum unmittelbaren Vorquartal. Vor allem im wichtigen IT-Datacom-Markt wird befürchtet, dass die Dynamik vorerst ihren Zenit erreicht hat. Das Urteil der Marktbeobachter ist eindeutig: Der „Beat“ bei den Zahlen war schlicht nicht groß genug, um die extrem hohen Erwartungen weiter zu rechtfertigen.
Gleichzeitig muss Amphenol die 10,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme der CCS-Sparte von CommScope stemmen. Die Integration von 20.000 neuen Mitarbeitern bei gleichzeitig steigender Verschuldung lässt die Risikoprämie steigen, wenn das organische Wachstum erste Anzeichen einer Normalisierung zeigt.
Trotz des Rücksetzers heute bleibt die Aktie, die Teil des AKTIONÄR-Weltraum- und Robotic-Index ist, langfristig aussichtsreich.
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28.01.2026, 16:30