Microsoft macht ernst beim Thema Hardware-Souveränität. Mit dem „Maia 200“ rollt der Tech-Gigant aktuell die zweite Generation seiner eigenen KI-Chips aus. Das strategische Ziel ist unmissverständlich: Die Abhängigkeit vom dominanten Platzhirsch Nvidia soll massiv reduziert und die eigene Cloud-Infrastruktur effizienter gestaltet werden.
Produziert wird das neue Silizium beim taiwanesischen Auftragsfertiger TSMC. Die Logistik läuft bereits auf Hochtouren: Erste Einheiten erreichen derzeit Microsofts Rechenzentren in Iowa, Standorte im Raum Phoenix stehen als nächste auf der Liste. Während Entwickler ab sofort Zugriff auf die Steuerungssoftware erhalten, bleibt der Konzern bei einem entscheidenden Detail vage: Ein konkretes Datum, wann Azure-Kunden direkt Serverkapazitäten auf Basis des neuen Chips buchen können, steht noch aus.
Der interne Fahrplan ist hingegen klar definiert. Das „Superintelligence Team“ erhält bevorzugten Zugriff, um Daten für kommende KI-Modellgenerationen zu generieren. Zudem soll der Maia 200 als Motor für den Unternehmensassistenten „Copilot“ sowie für die über die Cloud vermieteten OpenAI-Modelle dienen.
Später Start, hoher Druck
Microsofts Hardware-Vorstoß erfolgt Jahre, nachdem die Konkurrenten Amazon und Alphabet (Google) eigene Halbleiter-Designs etablierten. Der Grund für die jetzige Eile: Die exorbitanten Kosten und die chronische Knappheit von Nvidias High-End-GPUs drücken auf die Margen. Wer im Cloud-Geschäft langfristig profitabel skalieren will, muss Alternativen zur teuren Standard-Hardware finden.
In Redmond gibt man sich selbstbewusst. Laut Cloud- und KI-Chef Scott Guthrie liefert der Maia 200 bei bestimmten Aufgaben eine bessere Performance als die Vergleichsprodukte von Google und Amazon Web Services. Guthrie bezeichnet den Chip als das „effizienteste Inferenzsystem“, das Microsoft je eingesetzt hat – also spezialisiert auf die Anwendung von KI-Modellen zur Antwortgenerierung, dem derzeitigen Massengeschäft.
Microsoft baut seine vertikale Integration aggressiv aus. Für Nvidia bedeutet das: Der größte Kunde wird zunehmend zum Konkurrenten. Anleger bleiben bei beiden Werten weiter an Bord.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Microsoft, Nvidia.
Heute, 19:01