Jamie Dimon macht Druck. Der Chef der JPMorgan Chase hat in einem Meinungsbeitrag im Wall Street Journal eine weitreichende Initiative für die westliche Welt skizziert. Sein Vorschlag: Die USA sollen Europa einen „großen, schönen Wirtschafts- und Freihandelsvertrag“ anbieten – allerdings nur, wenn die Europäische Union ihre Wirtschaft und Sicherheitsarchitektur grundlegend modernisiert.
„Wenn Europa sinnvolle wirtschaftliche und militärische Reformen umsetzt, einschließlich allem, was wir für Sicherheit und Widerstandsfähigkeit als entscheidend erachten, sollten die USA ein großes Wirtschafts- und Freihandelsabkommen mit Europa aushandeln“, schrieb Dimon.
Freihandel statt Zollkonflikte
Der Vorstoß steht in deutlichem Kontrast zur derzeit stärker protektionistisch geprägten Handelspolitik Washingtons. Die Beziehungen der USA zu wichtigen Handelspartnern wie der Europäischen Union und Kanada haben sich durch neue Zölle und harte Verhandlungspositionen zuletzt spürbar verschlechtert.
Dimon plädiert dagegen für nahtlose Handelsbeziehungen zwischen den westlichen Demokratien. Ein solches Abkommen wäre aus seiner Sicht ein „Gamechanger“: Es könnte die beteiligten Länder wirtschaftlich enger verbinden, ihnen ermöglichen, globale Handelsregeln stärker selbst zu bestimmen, und ihre Position gegenüber autoritären Staaten festigen.
Das Modell müsse zudem nicht auf Europa und die USA beschränkt bleiben. Dimon nannte Kanada, Mexiko, Japan, Südkorea, Australien und die Philippinen als mögliche weitere Partner.
Europa muss Kapital mobilisieren
Damit ein solcher Deal gelingt, müsse Europa seine Hausaufgaben machen. Dimon fordert den Abschluss der Kapitalmarkt- und Bankenunion, weniger Bürokratie und die Umsetzung der Empfehlungen des Draghi-Berichts. Zudem brauche Europa mehr Unabhängigkeit bei Verteidigung, Produktion und Energie.
„Ein Europa, das Kapital mobilisieren, innovative Unternehmen skalieren, die Verteidigungsproduktion konsolidieren, strategische Abhängigkeiten reduzieren und stärker wachsen kann, wäre ein leistungsfähigerer Sicherheitspartner, ein widerstandsfähigerer Wirtschaftspartner und ein stärkeres Gegengewicht zur Wirtschaftsmacht Pekings“, so Dimon.
Für die Börsen wäre eine engere Zusammenarbeit grundsätzlich positiv. Ein integrierterer Kapitalmarkt, weniger Handelsbarrieren und höhere Investitionen könnten Europas Unternehmen wettbewerbsfähiger machen. Bis daraus politische Realität wird, dürfte allerdings noch Zeit vergehen.
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