Die Smart-Ring-Firma ŌURA startet ihren Börsengang in New York. Angeboten werden 50 Millionen Aktien zu 40 bis 44 Dollar. Der Deal könnte bis zu 2,2 Milliarden Dollar einbringen – allerdings fließt der Großteil an bestehende Aktionäre. Das Unternehmen selbst erhält vor Kosten rund 594 Millionen Dollar. Die Aktie soll unter dem Kürzel OURA am Nasdaq Global Select Market notieren.
Das Unternehmen aus San Francisco verkauft den Oura Ring und verdient zusätzlich an Abonnements für die Gesundheits-App, die notwendig sind, damit der Ring funktioniert. Im ersten Halbjahr 2026 setzte ŌURA 1,21 Milliarden Dollar um. Der Nettogewinn lag bei 60,8 Millionen Dollar, das bereinigte EBITDA bei 106,7 Millionen Dollar. Die Bruttomarge betrug 55 Prozent.
Erlöse aus dem Abo auf Wachstumskurs
Der Ring bleibt der wichtigste Umsatzbringer. Doch das Abo-Geschäft wächst schneller: Die Mitgliedsumsätze legten zuletzt um 121 Prozent auf 240,5 Millionen Dollar zu. Die Bruttomarge lag hier bei 89 Prozent. Rund 94 Prozent der Ringkäufer schließen ein kostenpflichtiges Abo ab, etwa 85 Prozent bleiben nach zwölf Monaten dabei.
Die neue Prognose von 5,7 Millionen zahlenden Mitgliedern zum Jahresende setzt den Ring 5 als Wachstumstreiber voraus. Ende Juni waren es fünf Millionen. Der Börsenprospekt muss nun zeigen, ob ŌURA diese Dynamik auch nach dem Produktstart halten kann.
Altaktionäre kassieren ab
Für Anleger hat der Börsengang einen klaren Schönheitsfehler: ŌURA nutzt ihn nur in begrenztem Umfang zur Finanzierung des eigenen Geschäfts. Von den 50 Millionen angebotenen Aktien stammen lediglich 13,5 Millionen vom Unternehmen. Die übrigen 36,5 Millionen verkaufen bestehende Anteilseigner. ŌURA erhält aus diesen Verkäufen „keine Erlöse“. Rund 73 Prozent des Basisangebots dienen damit vor allem dem Kasse machen früherer Investoren. Wird die Mehrzuteilungsoption vollständig ausgeübt, steigt deren Anteil am Verkaufserlös weiter.
Die Bewertung fällt trotzdem ambitioniert aus. Laut Bloomberg-Berechnungen wird ŌURA mit rund 14,1 Milliarden Dollar bewertet. Für ein Unternehmen, dessen Umsatz noch überwiegend vom Verkauf vergleichsweise teurer Hardware abhängt, ist das ein hoher Preis. Anleger sollen bereits heute für das künftige Wachstum des Abo-Geschäfts, die Gesundheitsdaten und die geplante Plattform-Expansion zahlen. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, ist offen.
Hohe Abhängigkeit vom Ring
Der Blick auf das Geschäftsmodell dämpft den Optimismus zusätzlich. Noch stammen rund 80 Prozent des Umsatzes aus dem Hardwaregeschäft. ŌURA bleibt damit auf neue Ring-Modelle, funktionierende Lieferketten und eine hohe Zahlungsbereitschaft der Kunden angewiesen. Ein nachlassender Absatz des Oura Ring 5 würde das Wachstum schnell bremsen.
Hinzu kommen hohe Garantieaufwendungen. Außerdem muss sich ŌURA gegen Vorwürfe zur Genauigkeit der Schlafmessung wehren. Das Unternehmen weist die Anschuldigungen zurück. Für Anleger bleibt dennoch ein doppeltes Risiko: Sie bezahlen eine hohe Wachstumsbewertung, während die Ertragsqualität und die Abhängigkeit vom Hardwaregeschäft noch nicht abschließend bewiesen sind. Zudem ist ŌURA bei Weitem nicht der einzige Hersteller dieser Ringe: Samsung, RingConn und Amazfit haben ebenfalls derartige Produkte im Angebot.
Vor dem Börsengang von ŌURA stehen die Zeichen denkbar schlecht. Abzuwarten bleibt, wie hoch der Ausgabepreis letztlich ausfällt. Vorerst meiden Anleger das Papier jedoch. Bessere Investmentideen liefert dagegen die neue Ausgabe von DER AKTIONÄR. Diese finden Sie hier.
Heute, 16:00
Bei Google bevorzugen